Das Spiel mit den Medikamenten in Griechenland

20. Januar 2016 / Aufrufe: 1.120
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Bei den Ausgaben für Medikamente liegt Griechenland unter 29 Mitgliedstaaten der OECD nach den USA und Japan auf dem dritten Platz.

Mit den Preisen der Medikamente werden in Griechenland unglaubliche „Spielchen“ zu Lasten der Versicherten getrieben, die inmitten einer wirtschaftlichen Krise beim Kauf von Medikamenten hohe Selbstbeteiligungsanteile entrichten oder gar gezwungen sind, die gesamte Aufwendung aus ihrer eigenen Tasche zu zahlen.

Allein im vergangenen Jahr (2015) bezahlten die Versicherten des Nationalen Trägers für Gesundheitsleistungen (EOPYY) für die Beteiligung am Kauf von Medikamenten mehr als 620 Mio. Euro. Laut Angaben des EOPYY hat der Selbstbeteiligungssatz sich sogar verdoppelt und im Durchschnitt 30% erreicht, gegenüber 15,7% im Jahr 2012!

Marginale Preissenkungen bei teuren und gebräuchlichen Medikamenten

Im selben Moment beziehen sich die gesetzlich vorgesehenen Senkungen bei den Medikamentenpreisen in der Mehrzahl der Fälle auf Medikamente, die minimale oder gar keine Umsätze zeigen! Laut dem griechischen Gesundheitsministerium gab es bei 2.403 (von insgesamt 9.370) Medikamenten eine durchschnittliche Senkung von 3,9% und einen Anstieg bei nur 230 Positionen, die sich in ihrer Mehrzahl allerdings nicht auf Präparate des alltäglichen Gebrauchs beziehen. Besagter Preisanstieg ergab sich aus der Änderung des Mehrwertsteuersatzes von 6% auf 13%.

Aus der Analyse der Angaben geht jedoch hervor, dass bei den sehr teuren Medikamenten, aber auch bei den Medikamenten, die hohe Umsätze zeigen – und dabei rund 65% der pharmazeutischen Gesamtaufwendungen absorbieren -, die Senkungen bei ihren Preisen marginal sind. Beispielsweise „fiel“ ein Herzmedikament (Wirkstoff Dexrazoxane) von 9.730,09 Euro (geltende Preisliste – Juli 2015) in der ab Februar 2016 zur Anwendung kommenden neuen Preisliste auf 9.654,35 Euro. Entsprechend gestaltete sich der Preis eines Tumor-Medikaments (Wirkstoff Clofarabin) von 1.637,45 Euro auf 1.521,64 Euro.

Praktisch keine Senkung zeigen eine Reihe sündhaft teurer Präparate, wie ein Lungenmedikament (Treprostinil) mit einem Preis von 10.199,15 Euro und ein Immunsuppressivum für 7.051,40 Euro, die selbst auch im Fall beschränkter Verkäufe die pharmazeutischen Aufwendungen beeinflussen.

Ähnlich ist das Bild auch bei weit verbreiteten Medikamenten, die hohe Umsätze und zu Preisen zeigen, die sich von 12 bis 25 Euro bewegen. Beispielsweise erhielt ein Magenschutzmedikament mit dem Wirkstoff Omeprazol im vergangenen Juli einen Preis von 17,26 Euro und in der neuen Preisliste gestaltete sein Preis sich auf 17,18 Euro. Ein Pilz-Medikament mit dem Wirkstoff Fluconazole mit Preisen von 18,36 bis 49,13 Euro analog zu Gehalt und Verpackung blieb bei den selben Preisen. Entsprechend lag der Preis eines Blutdruck-Medikaments (Candesartan) in der vorherigen Preisliste bei 16,21 Euro und bleibt auch in der neuen Liste bei 16,21 Euro.

Preislisten und „Preisschutz“ für preiswerte Präparate

Was die Medikamente mit Preisen von bis zu 12 Euro betrifft, werden diese auch formal gemäß dem eine schrittweise Senkung ab Mitte 2016 vorsehenden letzten Ministerialbeschluss über die Neufakturierung der Medikamente „geschützt“. Hierzu sei angemerkt, dass die Institutionen verlangten, dass es für diese Medikamente keinen „Schutz“ gebe, die von der griechischen Regierung geschlossene Vereinbarung sieht jedoch – zum Vorteil der Pharmaindustrie und nicht der Versicherten – eine schrittweise Senkung in den kommenden vier Preislisten vor.

Gemäß dem einschlägigen Zeitplan wird in der Preisliste des ersten Halbjahrs 2016 die Schutzgrenze 9 Euro für Medikamente mit ausgelaufenen Patenten und 5,5 Euro für Generika betragen. In der Preisliste des zweiten Halbjahrs 2016 werden die Preise für Medikamente mit ausgelaufenen Patenten nicht unter 7 Euro und für Generika nicht unter 4 Euro gesenkt werden können. In der Preisliste des ersten Halbjahrs 2017 wird die Schutzgrenze auf 4,5 Euro für Medikamente mit ausgelaufenen Patenten und auf 3 Euro für Generika sinken. In der vierten Preisliste, die im zweiten Halbjahr 2017 ausgegeben werden wird, soll schließlich die Schutzgrenze sowohl für Medikamente mit ausgelaufenen Patenten als auch für Generika auf 1 Euro sinken.

Mit diesem Beschluss wird der Anstieg der Marktdurchdringung der Generika verfolgt, die weiterhin nur einen kleinen Anteil des Medikamenten-Markts absorbieren. Das paradoxe für Griechenland ist jedoch, dass die Generika teuer sind. Der Modus der Ermittlung der Generika-Preise gestattet, dass teure generische Medikamente im Umlauf sind, da ihre Preise an die Preise der Originale „angebunden“ sind. Parallel „rasteten“ mit der Einführung des gesetzlich festgelegten Höchstpreises bei der Fakturierung der Generika und der Medikamente mit abgelaufenen Patenten die Preise für alle Medikamente der (selben) Kategorie bei dem Höchstpreis ein. In der Praxis Verwenden die Pharma-Gesellschaften den „Plafond“ als Festpreis und es erfolgen keine Nachlässe.

Die griechische Pharma-Industrie gesteht zwar ein, dass in Griechenland die generischen Medikamente teuer sind, vertritt jedoch, diese seien qualitativ. Die griechischen Generika sind tatsächlich Qualitätsmedikamente, wie es im übrigen auch alle generischen Medikamente sind, die von den zuständigen europäischen und nationalen Arzneimittel-Organismen kontrolliert werden. Außerdem kaufen die Pharma-Gesellschaften den Wirkstoff bei den selben Fabriken in China und Indien ein.

Rückgang der pharmazeutischen Aufwendungen in Griechenland

Trotz der geringen Senkung der Medikamentenpreise präsentieren in Griechenland die pharmazeutischen Gesamtaufwendungen in den letzten Jahren einen steilen Rückgang und kehrten auf die Niveaus des Jahres 2014 zurück. Konkret bewegen sie sich gegenüber 8 Mrd. Euro im Jahr 2008 heute bei 5 Mrd. Euro.

Detaillierter erreichten im Jahr 2014 die Verkäufe von Medikamenten (in Packungen) 493.210.425 Einheiten, gegenüber 566.326.628 im Jahr 2008. Seit Beginn der Krise und nachfolgend zeigt gemäß der Anzahl der verkauften Packungen der Medikamentenkonsum einen Rückgang. Eine Ausnahme stellen die beiden Jahre 2012 – 2013 dar, in denen in absoluten Zahlen ein kleiner Anstieg verzeichnet wird. Gemäß den Daten der nationalen Medikamentenbehörde (EOF) bezieht dieser Anstieg (um 2,48% im Jahr 2013 und um 2,84% im Jahr 2014) sich jedoch auf die Verkäufe bei Pharma-Großhandel und Apotheken, da bei dem Medikamentenverbrauch in den Krankenhäusern in dem selben Zeitraum ein Rückgang um 5,37% im Jahr 2013 und um 5,36% im Jahr 2014 verzeichnet wird.

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