Griechenland soll deutsche Tourismus-Kolonie werden

16. Dezember 2015 / Aufrufe: 1.972

Parteiführer Panagiotis Lafazanis moniert, Griechenland habe seine Flughäfen dem deutschen Staat geschenkt und soll zu einer touristischen Kolonie Deutschlands werden.

Griechenland verliert nicht nur seine Flughäfen, sondern wird auch in eine deutsche Tourismus-Kolonie umgewandelt„, merkt in einer Erklärung der Vorsitzende der Nationalen Einheit, Panagiotis Lafazanis, an und betont, „die Besiegelung der kolonialistischen Vereinbarung über die Überlassung unserer Flughäfen wird äußerst schwere politische und strafrechtliche Verantwortungen nach sich ziehen„.

(Ergänzend sei angemerkt, dass die umstrittene Vereinbarung vor einigen Tagen „offiziell fest gemacht“ wurde.)

Verbrechen zu Lasten Griechenlands und seines Volkes

Die Regierung machte dem deutschen Staat die 14 peripheren Filet-Flughäfen unseres Landes buchstäblich zum Geschenk. Griechenland tritt alles ab, das private Vermögen an die Geier der Märkte, das öffentliche Vermögen mittels des Super-Fonds an die Gläubiger. Das Land wird in ein ausverkauftes Protektorat verwandelt. Der Ausverkauf der 14 Flughäfen stellt eins der größten politischen und wirtschaftlichen Verbrechen zu Lasten des Landes und des griechischen Volkes dar„, führte Panagiotis Lafazanis in seiner Erklärung an.

Griechenland verliert nicht nur seine Flughäfen, sondern wird auch zu einer deutschen Tourismus-Kolonie gemacht. Das Tragische ist, dass wir die Deutschen obendrein auch noch dafür bezahlen werden, damit die Flughäfen übertragen werden und wir das Herz der touristischen Dienstleistungen unseres Landes abtreten. Die Verabschiedung der kolonialistischen Vereinbarung über die Übergabe unserer Flughäfen wird äußerst schwere politische und strafrechtliche Verantwortungen nach sich ziehen. Früher oder später wird sich das griechische Volk, in der Essenz nun, seine Flughäfen zurückholen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Ingrid
    16. Dezember 2015, 17:05 | #1

    Auch in Deutschland wurden staatliche Unternehmen privatisiert. Viele Kleinunternehmer und Laeden mussten schliessen. Ob das von Vorteil ist? Auf lange Sicht wage ich das zu bezweifeln. Fakt ist, jedes Unternehmen, egal ob staatlich oder privat, gross oder klein, muss Gewinnorientiert wirtschaften. Sonst droht die Pleite. Und eben dies ist der springende Punkt. Die Touristen gehen dahin, wo das Preis-Leistungsverhaeltnis stimmt. Und Deutschland ist gewiss nicht in der Lage seinen Buergern vorzuschreiben in der „Tourismus-Kolonie Griechenland“ Urlaub zu machen.

  2. Hans
    16. Dezember 2015, 19:05 | #2

    Das mit den Flughäfen ist wirklich eine Katastrophe. Der Tourismus ist das Herz der griechischen Wirthschaft, so wie VW und Mercedes in Deutschland. Wenn man den Griechen das wegnimmt, womit soll dann überhaupt noch gewirtschaftet werden? Der andere große Wirtschaftszweig, die Schiffahrt, wird ebenfalls zum Teil an Ausländer verscherbelt, zum Teil entziehen sich aber auch die griechischen Reeder ihrer Verantwortung. Syriza müsste da massiv und radikal eingreifen, statt dieses falsche Spiel auch noch zu unterstützen.

  3. Moin
    17. Dezember 2015, 16:12 | #3

    So aha. Mal die genannten Flughäfen gesehen? Ziemlicher Investitionsstau. Internationale Standards werden nicht erfüllt. Zur Zeit bremst die aktuelle Infrastruktur eher die touristische Entwicklung.
    Daher kann man zwar über die Konditionen des Deals streiten, aber es wird sich bereits in kurzer Zeit beobachten lassen, dass die Flughäfen modernisiert werden. Gut für den Tourismus! Alleine packt dies GR einfach nicht!

  4. GR-Block
    17. Dezember 2015, 16:35 | #4

    Kosten sozialisieren und Gewinne privatisieren ist die Devise.
    Weil die griechischen Flughäfen brach liegen und kein Unternehmer Geld reinstecken möchte, um Geld zu verdienen, soll zuerst der Staat investieren. Und wenn sich andeutet, dass der Laden ordentlich Gewinne abwerfen wird, wird er schnell privatisiert, mit dem Argument, er hätte ja dem Staat soviel Geld gekostet. Nun konnte der kleine griechische Staat so etwas nie wirklich finanzieren, deshalb ist das Potential der Flughäfen nie „richtig“ ausgenutzt worden.
    Aber jetzt kommen die Deutschen und nutzen die Geldknappheit der Athener Regierung aus. Der deutsche Staat (FRAPORT) pachtet für 40 Jahre und investiert auf Kosten deutscher Steuerzahler. Dann werden Privatanleger eingeladen einen Anteil zu übernehmen, um damit Geld zu verdienen. Der Staat bleibt mit einem Bein drinnen, um im Notfall Geld nachzuschießen.
    Ja, jetzt wird GR in die EU integriert werden. Jetzt kommt die beschleunigte Ressourcen-Verschwendung auch zu uns: Mehr Flüge, mehr Touristen, mehr Bettenburgen, mehr Standardservice, mehr lange Weile. Noch mehr dritter Sektor, noch mehr Billigjobs, noch mehr ausländische „Investoren“, noch mehr Geld-Abfluss. GR wird zum deutschen Finanzausgleich integriert. Eine Dauereinrichtung die seit 1950 wuchert. Jetzt erreicht sie die gesamte EU.

  5. Leonids
    17. Dezember 2015, 17:49 | #5

    Und das sagen Leute, die mal einen bayrischen König hatten. Ich sag nur Griechenland gehört zu Deutschland. Wie die Krim zu Russland.
    Vorsicht Satire!

  6. Moin Moin
    17. Dezember 2015, 23:30 | #6

    Die 14 Flughäfen sind in einem hervorragendem Zustand, teilweise wurden sie im Zuge der Olympiade 2004 neu gebaut oder komplett saniert, zudem sind die Flughäfen durch EU-Mittel im Zuge von Infrastrukturprogrammen gefördert worden, d.h. die Fraport erwirbt hier etwas, das zum Teil der europäische Steuerzahler vorfinanziert hat. Bedenklich ist auch, dass die Fraport ein deutsches Staats- und kein Privatunternehmen ist. Der ganze Deal stinkt sowas von zum Himmel, unglaublich!

  7. Freigeist
    18. Dezember 2015, 03:39 | #7

    Nun ist es schon passiert. Was kann man noch tun? Ganz einfach – dran bleiben und genau beobachten. Dann öffentlich machen wenn nicht modernisiert werden wird. So muss sich Fraport von seiner besten Seite zeigen.

  8. Thassianer
    18. Dezember 2015, 15:33 | #8

    Geht’s vielleicht auch ein bisschen weniger dramatisch. Wenn ich meine Entscheidung, wo ich meinen Urlaub verbringen möchte, vom Zustand der Flughäfen abhängig gemacht hätte, wäre ich nie nach GR gekommen. Sowohl der Flughafen in Kavala als auch in Thessaloniki sind in beklagenswertem Zustand.
    Soweit ich weiß steht in dem Vertrag mit der Fraport außerdem, dass die Gewinne mit der griechischen Regierung geteilt werden. Davor aber muss die Fraport erstmal ziemlich tief in die Tasche greifen. Nicht jede Privatisierung ist per se schlecht – außer bei der Daseinsvorsorge.

  9. Magret
    18. Dezember 2015, 19:59 | #9

    Was bitte genau soll in Kavala oder Saloniki in „beklagenswertem Zustand“ sein soll? Beide Flughäfen wurden in den vergangenen Jahren mehrfach saniert, um- und angebaut. Für die Fraport gibt es da erstmal nicht viel zu investieren, dementsprechend ist auch das Investitionsbudget von gesamt 300 Mio. Euro für alle 14 Flughäfen extrem niedrig angesetzt. Die von der Fraport genannten erwarteten Gewinne sind außerdem viel zu niedrig angegeben, vor allem um den Fang des dicken Fisches in der Öffentlichkeit klein zu halten. Die Passagierzahlen sind seit Jahren steigend und insbesonder wegen der Kriege in Nordafrika und im Nahen Osten wird Griechenland als Reiseland immer attraktiver. Die Flughäfen sind eine Goldgrube und genau deswegen wurde auch so ein Theater darum gemacht von Seiten der „Institutionen“, die kümmern sich eben blendend um die Gewinne der Kapitalisten.

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