Griechenland hätte pleite gehen müssen

24. November 2015 / Aufrufe: 1.401

Griechenlands ehemaliger Finanzminister Yanis Varoufakis beharrt auf seiner Position, Griechenland hätte die Gelegenheit nutzen und pleite gehen müssen.

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis „schlug“ nach geraumer Zeit wieder zu  und erklärte gegenüber der Guardian, „die Gläubiger waren mehr daran interessiert, ein Exempel zu statuieren und eine Regierung zu zerschmettern, die sich ihnen zu widersetzen wagte, auf dass andere wie Italien, Irland und Frankreich eingeschüchtert werden. Griechenland wurde wie eine Spielfigur auf einem Schachbrett behandelt, womit die Dinge sehr schwierig waren. Wir hatten eine Gelegenheit (bankrott zu gehen) und verpassten sie. Wir hätten pleite gehen müssen. Sie hätten ihre Haltung geändert und wir hätten die Vereinbarung eines Vergleichs erreicht, jedoch wurde mir nicht erlaubt, diese Waffe zu nutzen.

Flüchtlingskrise ist Resultat des westlichen Imperialismus

Yanis Varoufakis äußerte sich auch zu der Flüchtlingskrise und schätzte ein, die Reaktion darauf sei das Resultat der Risse, welche die sechsjährige Krise hervorrief. Wie der ehemalige Minister vertrat, ist die EU mit tausenden Migranten aus Afrika, dem Mittleren Osten und Südasien, die nach Europa unterwegs sind, von der schlimmsten Krise einer solchen Form seit 1945 bedroht.

Die Europäer werden durch eine gemeinsame Währung gespalten. Die Eurokrise hat Europa zersplittert, indem sie Griechen gegen Deutsche, Irländer gegen Italiener usw. richtet. Sie macht es für die EU schwer, als politische, vereinte Körperschaft zu funktionieren.

Herr Varoufakis gesteht jedoch ein, keine Antwort zu haben, da die Zahlen sehr groß sind – obwohl er meint, von europäischer Seite „haben wir Vieles zu beantworten„, da „Länder wie der Irak und Syrien Schöpfungen des westlichen Imperialismus sind und der Zynismus in der Behandlung dieser Region durch den Westen eine Reaktion verursacht hat„. Bezüglich der Politik, die von der Regierung verfolgt wurde, an der auch er selbst beteiligt war, meinte er, die allgemeine Strategie sei richtig gewesen.

(Quelle: huffingtonpost.gr)

  1. Rudi
    24. November 2015, 09:53 | #1

    Varoufakis hat ja so Recht. Finanzlobby und Politik hätten endlich mal erfahren, dass der Bürger nicht für alles den Kopf hinhält. Tsipras hat diese historische Chance vertan und das griechische Volk hat ihn trotzdem wiedergewählt. Man muss den Leuten nur genug Angst einjagen und für die Bonzen klingeln wieder Kassen. Traurig!

  2. 24. November 2015, 12:28 | #2

    Hier wär einer, der sich den Mund nicht verbieten lässt – wie recht er doch hat, der Varoufakis! Und wer weiss, mit welchen (Druck-) Mitteln er „entsorgt“ wurde …

  3. Konstantin
    24. November 2015, 13:49 | #3

    Yanis Varoufakis hat vollkommen Recht. Bei Ihm hatte ich den Eindruck, es ging ihm wirklich um die Rettung Griechenlands. Bei Tsipras sehe ich nur, dass er alles verschlimmert, dass er das Volk noch weiter ausbeutet und meiner Meinung nach einfach nur regieren will.

  4. windjob
    24. November 2015, 14:42 | #4

    Der Mann hat so was von recht und es ist traurig, dass Tsipras dieser erpresserischen Bande in der EU nachgegeben hat. Aber Merkel wird ihr Fett schon noch ab bekommen und Sträuble auch. Tsipras sollte Varoufakis zurück holen. Dies wäre das Beste für Griechenland.

  5. LiFe
    24. November 2015, 15:54 | #5

    Griechenland hätte bereits 2010 den Schuldenschnitt haben müssen. Aber nein, man wollte noch kräftig an einem angeschlagenem Land und EU-Partner verdienen und weiter wurden Hilfspakete geschnürt. Wem hat es überhaupt geholfen?

  6. Ronald
    24. November 2015, 23:51 | #6

    Griechenland kann jederzeit die Zahlungen einstellen und sich für zahlungsunfähig erklären. Warum das nicht geschieht? Weil Tsipras weiss, wie der Tag danach aussähe. Einen Staatsbankrott „herbeizusehnen“ das kann nur jemand, der seine Schäfchen im Trockenen hat.

  7. GR-Block
    25. November 2015, 17:10 | #7

    Nun, bei inzwischen 320 Mrd ist der Ausstieg ungemein schwieriger. Und damals hätte eine Hilfe den EU-Völkern sehr viel weniger gekostet. Etwa soviel wie der Kredit, den Papandreou beim IWF beantragt hatte. Aber das war der EU zu billig. Sie wollte die zehnfache Menge Steuergelder in die Privatwirtschaft „verschieben“.
    Varoufakis Leichtfertigkeit vorzuwerfen ist zu billig. Er hatte es frühzeitig erkannt und verlangt, dass man zuerst einen Plan zum Schuldenabbau vorlegt, bevor die griechische Regierung Kredite unterschreibt.
    Das war aber politisch nicht durchzusetzen bei der EU. Die hätte nämlich ihren Völkern erklären müssen, dass die GR-Krise als Kanal genutzt wird, um im großen Stil Staatssubventionen frei zu setzen und später die so generierten virtuellen Schulden klammheimlich zu streichen.

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