Hinweise zur Immobiliensteuer ENFIA 2015 in Griechenland

23. Oktober 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 5.150

Die Bescheide zur diesjährigen Immobiliensteuer in Griechenland ergingen in letzter Minute, da die Frist für die Entrichtung der ersten Rate am 30 Oktober 2015 ausläuft.

In der Direktion für elektronische Regierungsführung des Finanzministeriums in Griechenland wurde während der letzten Tage „unter Volldampf“ gearbeitet, um endlich die diesjährigen Bescheide zur sogenannten Einheitlichen Immobilien-Besitzsteuer (ENFIA) in das TAXISnet einzustellen und den Steuerpflichtigen zugänglich zu machen.

Im Rahmen dieses „Kraftakts“ wurden innerhalb weniger Stunden ungefähr 7 Millionen Bescheide mit einem festgestellten Steuervolumen von insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro eingestellt, und seit dem 22 Oktober 2015 sind auch die entsprechenden (Raten-) Zahlungsbescheide verfügbar.

Die Immobiliensteuer ENFIA 2015 in Zahlen

Entgegen dem vollmundigen Wahlversprechen der SYRIZA im Januar 2015, die sogar von renommierten Juristen und Verfassungsrechtlern als rechts- und verfassungswidrig charakterisierte ENFIA noch im selben Jahr abschaffen und durch eine „gerechtere“ Besteuerung des Immobilienvermögens ersetzen zu werden, hat sich letztendlich praktisch nichts geändert.

Die ENFIA wird unverändert wie bereits auch schon im Jahr 2014, also unter anderem auf Basis seit fast 10 Jahren nicht mehr angeglichener und inzwischen völlig absurder „Einheitswerte“ erhoben, obwohl deren obligatorisch spätestens alle zwei Jahre zu erfolgende Angleichung an die realen (Markt-) Verhältnisse sogar auch gesetzlich verankert ist. Die Eckdaten der ENFIA 2015 stellen sich folgendermaßen dar:

  • Der für das Jahr 2015 „festgestellte“ Gesamtbetrag aus der ENFIA beläuft sich – wie bereits auch schon 2014 – auf ungefähr 3,2 Mrd. Euro.
    [Sowohl für 2014 als auch für 2015 wurden / werden im Haushaltsplan beitreibungsfähige (… !) Einnahmen aus der ENFIA in Höhe von rund 2,65 Mrd. Euro – also jeweils rund eine halbe Milliarde weniger als formal festgestellt – veranschlagt.]
  • Ungefähr 30.000 Eigentümer (hauptsächlich irgend eines kleinen Landstücks) brauchen keine Steuer zu entrichten, da die ihnen (bzw. ihrem Immobilienvermögen) entsprechende Steuer weniger als 1 Euro beträgt.
    [Hierzu sei angemerkt, dass 2014 festgestellte Beträge zur ENFIA von bis zu 5 Euro angesichts des unangemessen (Verwaltungs-) Aufwands ohne weiteres „erlassen“ wurden und nicht entrichtet werden mussten. Mit Wirkung ab 2015 wurde dieser „formlose Freibetrag“ jedoch auf 1 Euro – also den von griechischen Banken minimalen Betrag einer konventionellen „An- / Überweisung“ akzeptierten Betrag – gesenkt!]
  • Es ergingen rund 600.000 „Null-Bescheide“, die sich hauptsächlich auf ehemalige Immobilien-Eigentümer beziehen, die zum Stichtag des 01 Januar 2015 die Immobilie übereignet hatten, für die sie im vergangenen Jahr (2014)  zur ENFIA veranlagt worden waren.
  • Einem von fünf Immobilienbesitzern ist entweder wegen leer stehender (sprich während der gesamten Dauer des Jahres 2014 nachweislich nicht vermieteter und von der öffentlichen Stromversorgung getrennter bzw. nicht elektrifizierter) Immobilien oder wegen eines beschränkten (Gesamt-) Einkommens eine Ermäßigung oder Befreiung von der ENFIA eingeräumt worden.

Der einzige „Lichtblick“ besteht darin, dass in diesem Jahr (2015) speziell die auf Basis des (bis Anfang September 2015) deklarierten Einkommens eingeräumten Nachlässe weitgehend „automatisch“ berücksichtigt wurden, ohne ggf. einen „Clinch“ mit dem Finanzamt ausfechten zu müssen. Nach wie vor ungelöst bleibt dagegen das Problem hinsichtlich der Fälle, in denen Ehepaare einerseits obligatorisch eine gemeinsame Einkommensteuererklärung abzugeben haben, andererseits die Ehefrau jedoch über eigenes Immobilienvermögen verfügt und entsprechend separat veranlagt wird (siehe auch Finanzministerium in Griechenland gesteht Fehler bei Immobiliensteuer ein).

Abschließend sei erwähnt, dass im Fall der verspäteten Entrichtung der Steuer für die ersten drei Monate des Verzugs ein Säumniszuschlag / Verzugszinsen in Höhe von monatlich ca. 0,7% der anfänglichen (Steuer-) Schuld erhoben werden.

(Quellen: capital.gr, Auror: Charis Floudopoulos, sowie diverse Medienberichte)

  1. Ulrich Finke
    25. Oktober 2015, 11:19 | #1

    Wie entrichte ich die Immobiliensteuer von Deutschland aus?

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