Griechenland, Grexit, Gläubiger …

23. Oktober 2015 / Aktualisiert: 06. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.329

In einer Doku des TV-Netzwerks Arte sprechen unter anderem Juncker und Moscovici über die Verhandlungen mit Griechenland und speziell Pappas, Tsipras und Varoufakis.

Ein deutsch-französischer Dokumentarfilm, in dem die Protagonisten des „griechischen Dramas“ zu Wort kamen, beschreibt, was sich hinter den Kulissen der monatelangen Verhandlung der griechischen Regierung mit den Gläubigern abspielte.

Konkret verbarg Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker im Gespräch mit dem deutsch-französischen Netzwerk ARTE in dem selben Dokumentarfilm, in dem Wolfgang Schäuble eine heftige Attacke gegen Alexis Tsipras losgelassen und erklärt hatte, 15 der Finanzminister hätten zugestimmt, die beste Lösung für Griechenland sei ein vorläufiger Grexit, nicht seine Überraschung über die Züge der griechischen Regierung.

Griechenland improvisierte von Tag zu Tag

Jean-Claude Juncker charakterisiert die griechische Regierung als „zynisch“, da sie – wer er intensiv spöttisch aufgelegt meint – seinen Vorschlag ablehnte, das griechische Volk zu einem Referendum „mit einer anti-europäischen Propaganda“ führte und einen Monat später selbst eine sehr viel schlimmere Vereinbarung mit den Gläubigern vorschlug. Dies – meint Juncker mit einer Portion Humor – sei eine „wunderbare Heldentat“! In der selben Dokumentation enthüllt Juncker, welcher der Plan der griechischen Regierung war, wie sich aus ihren Zügen während der sechs Monate der Verhandlungen erwies: „Sie wollten Zeit schinden und nahmen an, dass der Grexit uns erschrecken werde und wir nachgeben würden.

Varoufakis kam nicht, um zu verhandeln„, merkt der EU-Kommissar für Wirtschafts- und Währungsthemen – einer der Protagonisten jener Tage – an, der spezieller auch bei der Rolle des Staatsministers Nikos Pappas verharrt und betont, dieser sei es gewesen, der Tsipras davon „abhielt“, zu verhandeln. „Herr Tsipras war bereit, zu verhandeln, jedoch sagte Pappas ihm jedes Mal, nein Herr Premierminister, hier können Sie nicht verhandeln, auf dieser Basis können Sie nicht beginnen„. Wie Pierre Moscovici unterstreicht, war das Resultat der Interventionen des Staatsministers Nikos Pappas, dass Alexis Tsipras jedes Mal zurückkam und erklärte, die Verhandlungen auf dieser Basis nicht beginnen zu können.

In dem Dokumentarfilm gibt es jedoch auch Erklärungen des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, der sogar behauptet, bei der kritischen Konferenz der Eurogruppe seien es nicht nur die Deutschen, sondern insgesamt 15 Länder gewesen, die Griechenland außerhalb der Eurozone wollten. Er merkt ebenfalls an, gegen den Grexit seien nur drei an der Eurozone teilnehmende Länder gewesen.

Für Juncker waren die Dinge jedenfalls nicht so dermaßen klar. In dem selben Ton fortfahrend vermag der Leiter der Europäischen Kommission keinen „Plan“ hinter den Zügen der griechischen Politiker während der Verhandlungen zu erkennen und betont: „Nach allem, was wir erlebten, glaube ich ganz ehrlich, dass Griechenland keine Strategie hatte, sie planten sie von Tag zu Tag.

(Quelle: Imerisia)

  1. GR-Block
    23. Oktober 2015, 02:36 | #1

    Die ganze Sendung war zynisch. Man feiert seinen „Erfolg“, nämlich die Aufnahme Tsipras in die Europäische Union. Mal sehen, ob er in drei Jahren das nächste Kreditpaket unterschreibt oder der nächste Ministerpräsident her muss.

  2. Gast
    23. Oktober 2015, 07:50 | #2

    Griechenland hatte sich politisch im Sommer vollständig isoliert. Letztlich hat Europa aber doch nicht die letzte Konsequenz, den Grexit, gezogen. Statt dessen gab es eine Einigung, die für alle Seiten unbefriedigend ist und den Showdown nur um drei Jahre hinauszögert.

  3. Catalina
    23. Oktober 2015, 10:07 | #3

    Die Regierung Tsipras wird sich allerhöchstens bis Februar / März nächsten Jahres halten können. Dann ist sie Geschichte! Stolpern wird sie über die Immobiliensteuer (ENFIA). Kein Grieche lässt sich sein Haus u. Land wegnehmen!

  4. Kleoni
    23. Oktober 2015, 10:57 | #4

    Ziel des neoliberalen Europas war in erster Linie, die Linksregierung unter Ministerpräsident Tsipras ad absurdum zu führen, damit sie möglichst innert kürzester Zeit wieder weg ist und die alten, genehmen Seilschaften, möglichst die ND, wieder an die Macht kommen würden. Sie haben zu allem ja und amen gesagt, aber nichts getan, was ihrem Klientel geschadet hätte und die Troika hat bei ihren Besuchen Augen und Hühneraugen geschlossen, Stempelchen drunter gesetzt und sind wieder abgereist. Es genügte ihnen, dass ERT geschlossen wurde, Putzfrauen entlassen wurden, dafür teure Reinigungsfirmen aus dem Klientel putzten, die für den ruhenden Verkehr zuständigen Polizisten in die Artbeitslosigkeit entlassen wurden, damit in der Innenstadt wieder wild geparkt, Tische auf Gehwegen aufgestellt werden konnten usw. usw.

  5. HJM
    23. Oktober 2015, 19:22 | #5

    Jetzt habe ich mir gerade diese Doku zu Gemüte geführt. Vielen Dank für den Link. Zynismus konnte ich nicht erkennen, sehr wohl aber eine erschreckende Oberflächlichkeit. Die Unprofessionalität von AT und (vormals) YV ist doch mittlerweile so deutlich, dass man darüber nicht auch noch eine Doku produzieren muss.

  6. Wolfgang Pick
    24. März 2016, 23:29 | #6

    Kein Kommentar, nur eine Anfrage nach einem gültigen Link, denn unter http://www.sendungverpasst.de/content/griechen-grexit-gl%C3%A4ubiger
    ist der Film nicht mehr auffindbar.

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