Amis, kommt nach Griechenland … und lasst euch besteuern

1. Oktober 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 1.329

Tsipras versuchte bei seiner USA-Reise, Investoren zu mobilisieren, die jedoch angesichts des Investitionsumfelds in Griechenland schwerlich zu überzeugen sein werden.

Gerade, wo man sich an … unserem kleinen linken Premierminister Alexis Tsipras erfreut, wie er sich vor den Völker mordenden … Amerikanern verbeugt, sagt er irgendeinen Quatsch und macht die Stimmung wieder kaputt. Kommt nach Griechenland und investiert, sagte er … . Also wer jetzt? Die Amerikaner. In das Griechenland des Tsipras, der fliegende Brezel-Verkäufer wie die Oligarchie besteuert, und mit Skourletzis (Minister für Umwelt und Energie) und Dritsas (Minister für Seefahrt und Inselpolitik), die alles demontieren, was privat ist.

Tsipras‘ Worte in den USA: „… Griechenland ist ein Land mit vielen Vorteilen. Es befindet sich in Europa, in der Eurozone und einer sehr guten Lage, zwischen drei Kontinenten. Es kann zu dem Land werden, das ein Ort der Anziehung von Investoren sein wird. Dies ist mein Wunsch, mein Ziel.“ (Anmerkung: der Begriff Amerikanaki = kleiner Amerikaner wird umgangssprachlich als Synonym für leicht zu täuschende Person, Naivling verwendet.)

Lachnummern ohne Ende

Im selben Moment verweigert jedoch in Athen sein Seefahrts-Minister Theodoros Dritsas der Cosco Investitionen in Infrastrukturen und sein Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis stimmt nicht dem Verkauf von Infrastrukturen wie Flughäfen und Häfen sowie auch anderen Formen der Privatisierungen zu, die sich für Investitionen anbieten. Auf der anderen Seite ersucht die Cosco darum, ihre Transporte nach Europa zu verdoppeln, aber die staatliche TRAINOSE hat weder Waggons noch Lokführer, um der Situation zu entsprechen. Und nachdem Herr Tsipras vor einem Jahr im Parlament herummotzte, diversen privaten Schlaumeier-Investoren, die staatliche Strukturen zu übernehmen und Investitionen zu tätigen wagten, die „Beine abhacken“ und in den Knast schicken zu werden, forderte er vorgestern aber die Amerikaner auf, nach Griechenland zu kommen und Europa und den Mittleren Osten zu erobern.

Was einen jedoch mit Tsipras‘ Aufruf vor Lachen zum Platzen bringt, ist, dass vor einem Monat sein Minister Panos Skourletsis das einzige Bergbauunternehmen im Land dicht machte , das Investitionen von 1 Mio. Euro und zusätzlich zu den 2.000 Beschäftigten die Einstellung von 500 Arbeitern plante, und von Tsipras mit einem absolut an die Investitionen gekoppelten Ministerium „honoriert“ wurde! (Anmerkung: gemeint sind die von der kanadischen „Eldorado Gold“ übernommenen Goldminen auf der Halbinsel Chalkidiki, die aufgrund diverser Verstöße gezwungen wurden, bis auf weiteres den Betrieb einzustellen.)

Man wälzt sich wiederum vor Lachen, wenn man weiß, dass Dritsas vor einem Monat mit seinen Erklärungen gegen die weitere Privatisierung der Hafenanlagen in Piräus (OLP) die Arbeiter-Väter (sprich Gewerkschaftler) aufstachelte, welche die Häfen als staatliche Horte des Müßiggangs und „unter dem Tisch“ ablaufender Geschäfte wollen, … und unter der neuen Regierung Tsipras‘ mit dem Amt des Ministers für Seefahrt honoriert wurde.

Und als ob all dieses für Herrn Tsipras noch nicht genug gewesen wäre, um Kapitalisten anzuziehen, ging er noch weiter und sagte, „… wir werden zu den erforderlichen Reformen im Land und hauptsächlich bei der Besteuerung und der öffentlichen Verwaltung schreiten, damit ein investitionsfreundliches Umfeld geschaffen wird …“ – wobei er jedoch verschwieg, dass in Athen 400.000 Akademiker und Facharbeiter zusammen mit 20.000 Unternehmen das Land verlassen, weil sie Herrn Tsipras und seinen Aussagen nicht glauben.

Warum sollten Investoren nach Griechenland kommen?

Was sollen wir jedoch den Amerikanern sagen, denen wir huldigen, weil wir nun, wo wir uns mit Lagarde, Merkel, Juncker und Draghi wegen der Umschuldung auseinanderzusetzen haben, auf sie angewiesen sind um uns in und außerhalb Griechenlands aufzuspielen? Wir sollten ihnen einfach sagen, dass wir die alten Lügner vertrieben haben, die angeblich neue „gute Häuser“ oder Großinvestoren nach Griechenland brächten und im Knast gelandet sind, und dass wir als SYRIZA die Sache nun ernst nehmen wollen und vielleicht schaffen, außer Ouzo-Kneipen die Produktion auf die Reihe zu bringen und uns auf die Exporte zu besinnen, die uns auch in Amerika bekannt gemacht haben.

Mehr ist aber nicht „drin“. Weil nach dem 2014 anlässlich der Internationalen Messe in Thessaloniki bekannt gegebenen SYRIZA-Programm und speziell nach Varoufakis alles, was aus Griechenland kommt, nur für Kabarett-Aufführungen und Kasperle-Theater taugt. Wenn wir jedoch darauf beharren, irgendwie überzeugend wirken zu wollen, sollten wir versprechen, nicht darin fortzufahren, das Volk in Befürworter und Gegner der Memoranden, in Verehrer der Drachme und nach dem Euro Schmachtende, Lakaien Deutschlands und Merkelisten, private Eroberer und Staatsgenossen zu spalten.

Wir sollten den Investoren ein lukratives Investitionsumfeld zusagen und all den Staat abschaffen, der nicht in der Lage ist, technologisch aufgewertet zu werden und auf der Ebene der Informatik zumindest Portugal zu erreichen. Wir sollten sie davon überzeugen, dass wir diesmal die Investitionen und die Investoren respektieren und sie nicht jedes Mal unterminieren werden, wenn wir Kommunal- oder Parlamentswahlen haben und Niederlassungen schließen, um die Flachköpfe zu bewegen …

Allem voran haben wir ihnen jedoch ein Steuergesetz – mit höchstens zwei oder drei Paragraphen – zu zeigen, das zu allererst bestimmt, dass die einbezogene Besteuerungsskala sich bis 2026 oder 2030 nicht ändern wird. Und dass die in Erweiterungen mit konkreten neuen Arbeitsplätzen investierten Gewinne steuerfrei sein werden. Weil Griechenland seine Kinder nur so in ihrem Land zu halten vermögen wird.

(Quelle: capital.gr, Autor: Giorgos Kraloglou)

  1. xenya25
    1. Oktober 2015, 06:29 | #1

    Capital.gr scheint sich die N.D. und PASOK Zeiten, zurueck zu wuenschen. Das Land hat nicht Tsipras sondern seine Vorgaenger kaputt gewirtschaftet. Anscheinend ist dies in Vergessenheit geraten. Das dritte Memorandum wurde den Griechen aufgezwungen, weil die Vorgaengerparteien, die Korruption an erste Stelle stellten, anstatt sich um das Wohlergehen des Volkes und Landes, zu kuemmern!

  2. windjob
    1. Oktober 2015, 10:33 | #2

    Ich frage mich wirklich, wer hinter Capital.gr steht. Das Ganze ist sowas von absurd. Glaubt der Schreiber eigentlich selber was er hier von sich gibt. Ich glaube kaum. Jetzt gebt doch der Regierung Tsipras etwas Zeit. Was andere Regierungen wie ND und Pasok jahrzehntelang durch Korruption verbockt haben kann Tsipras doch nicht in ein paar Monaten regeln. Zumal er leider unter der Knute der Institutionen steht.

  3. h.kuebler
    1. Oktober 2015, 12:55 | #3

    Ein für Griechenland erstaunlich selbstkritischer Artikel. Aber ob das die griechische Bevölkerung wissen will?

  4. Werner Titz
    1. Oktober 2015, 19:05 | #4

    Warum hat der Autor dieses Artikels mit dieser Häme gewartet bis die Regierungen, denen er das in den letzten 40 Jahren sagen hätte können, nicht mehr im Amt sind? Warum versucht er ausgerechnet jetzt, seine Aggressionen an der neuen Regierung loszuwerden wo deren Regierungsprogramm doch gar nicht von ihr selbst stammt sondern schon vor der Wahl von den vereinten Interessen aus EU-Politik und Finanzinteressen diktiert wurde?
    Tsipras kann nur mehr Schadensminderung bewirken. Die rein ideologisch begründete Privatisierungswut hat noch in keinem Land den Erfolg gebracht. Wer unter Druck verkauft, verkauft zu billig – aber das scheint ja die Absicht dahinter zu sein.

  5. Alex
    2. Oktober 2015, 23:24 | #5

    Endlich mal harte, aber ehrliche Worte. Doch wer mag sie zu verstehen?

  6. stelios
    4. Oktober 2015, 02:46 | #6

    das ist doch jetzt nicht ernst gemeint,oder? z.b. “eldorado gold“ (der name muss ja schon einiges aussagen) die haben einen ganzen berg bekommen fuer billig preis. dieser berg ist ja nun mal wald denn sich eldorado gold ausnutzen wird und dann „mondlandschaftlich“ wieder an griechenland abtreten wird. ob da nun 2.000 arbeitsplaetze geschaft werden ist doch meiner meinung nach egal. das ist doch ein oikologisches verbrechen. und wieviel arbeitsplaetze verlieren wir denn von den touristen die diese gegend nie wieder besuchen werden.

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