Griechenland als beste Investition der Welt

13. September 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 1.243

Laut Bloomberg View erwies die öffentliche Verschuldung Griechenlands sich als die beste Investition der Welt.

Erinnern Sie sich an den vergangenen Februar, als der ehemalige FED-Präsident Alan Greenspan sagte, Griechenland werde den Euro verlassen und die gemeinsame Währung werde zusammenbrechen? Erinnern Sie sich, dass einen Monat später der Investor und Philanthrop George Soros sagte, Griechenland werde zusammenbrechen? Oder dass erst in diesem Juli der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, Griechenland als eine „politische und wirtschaftliche Katastrophe“ charakterisierte und meinte, es werde in Verzweiflung zur Drachme zurückkehren?

Griechenland ist auf keinen Fall der wirtschaftlichen Gefahr entkommen. Dennoch erwies sich, dass es eine gewinnbringende Investition seit Ende 2014, das Land mit den besten Anleihen-Renditen in der Eurozone seit Januar 2015 und das beste aller Assets seit Juli 2015 ist. Seit damals, als die Anti-Austeritätspartei, sprich die SYRIZA gewählt wurde, gab keine Aktie, Anleihe oder irgendeinen Devisenmarkt, die irgend etwas produzierten, das an die – laut den Angaben von Bloomberg Winners vom 08 Juli 2015 innerhalb einiger Monate um über 100% gestiegene – Rendite der griechischen Verschuldung erinnerte.

Die Gurus unkten, die Investoren verdienten

Griechenland zeigte das beste Ergebnis gegenüber jedem anderen gehandelten Asset, da seine Anleihen von dem Juli-Tief (2015) auf ihr heutiges Hoch stiegen. Wer weise genug war, diese griechischen Anleihen zu kaufen oder gleichzeitig auf Leerverkäufe der staatlichen Titel selber Laufzeit Deutschlands – des kreditwürdigsten Landes in der Eurozone – setzte, verzeichnete einen großen Gewinn aus dem Handel.

Am 25 Januar 2015 kam Alexis Tsipras als Premierminister mit einem phänomenal widersprüchlichen Auftrag an die Macht, der fünf Jahre langen Senkung staatlicher Ausgaben ein Ende zu setzen, und zwar zu einer Stunde, wo er Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Mrd. Euro von den Gläubigern des Landes in der Europäischen Union sicherstellte. Sechs Tage später hatte der Zinssatz der griechischen 10-Jahres-Anleihe ein 15-Monats-Hoch von 11,2% erreicht. Damals diese Verschuldung kaufend und sie bis heute haltend, wo ihre Rendite auf 8,11% gefallen ist, hätte der Preisanstieg eine Rendite von 26% geschaffen.

Wenige Tage nach Alexis Tsipras‘ Sieg erklärte Greenspan gegenüber der British Broadcasting Corp, es „sei eine Frage der Zeit“, bis Griechenland aus der einheitlichen Währung der Währungsunion ausscheiden und der Euro auseinanderfallen werde. „Das Problem ist, dass ich auf keine Weise die Fortsetzung des Euro zu akzeptieren vermag, bis nicht alle Mitglieder der Eurozone politisch vereinigt werden – in der Realität werde ich es auch nicht nur allein mit einer Steuerunion tun.

Und während die Aussichten sich bis zu dem Punkt verbesserten, dass die Rendite der griechischen Anleihe bis zum 24 März 2015 auf 10,8% sank, war das nicht genug, um den Milliardär und Präsidenten des Soros-Fonds, George Soros, zu überzeugen. „Griechenland bricht zusammen„, sagte er in einem Interview an Bloomberg Television. „Es ist ein lose-lose Spiel und das Beste, was in Wirklichkeit geschehen könnte, wäre, dass es ’so lala‘ läuft.“ Hätte Soros am 24 März 2015 griechische Anleihen gekauft und sie bis heute gehalten, wäre die Rendite 21% gewesen. Und wer griechische Anleihen gekauft und gleichzeitig auf Leerverkäufe deutscher Staatsanleihen gesetzt hat, hat eine Gesamtrendite von 25%.

Spekulationsgewinn von 101% innerhalb von zwei Monaten

Der Höhepunkt des Pessimismus kam in der ersten Juli-Woche 2015, nachdem die Griechen für die Ablehnung der von ihren Gläubigern vorgesehenen Austeritäts-Politiken stimmten. Dr. Fratzscher, Oxford- und Harvard-Absolvent und ehemaliger Leiter der Analyse der EZB-Politik, schrieb damals auf seinem Blog: „Das Referendum übersetzt sich als eine politische und wirtschaftliche Katastrophe für Griechenland.“ Er machte ebenfalls diese Prognose: „Ein Grexit, der für Griechenland die schlimmste Option ist und bleibt, wird immer wahrscheinlicher.

Die Investoren sehen das allerdings nicht so. Ihre Begeisterung für die griechische Verschuldung reflektiert sich im Anstieg ihres Wertes und war ein Vertrauensvotum für die Zukunft Griechenlands – aber auch für das Gläubiger-Rezept strenger Austerität als Therapie für die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands.

Wen jemand die Ansicht des Dr. Fratzscher verworfen und griechische Anleihen mit einer Rendite von 19,2% gekauft hätte, als jener diese Prognose machte, und sie bis heute hielt, hätte die Rendite 101% erreicht. Das bedeutet, dass eine Investition von 100 Mio. Dollar am 08 Juli 2015 innerhalb von zwei Monaten einen Wert von 201 Mio. Dollar erreicht hätte. Während der selben Periode warfen alle anderen europäischen Anleihen knapp über 1% ab. Laut den Angaben von Bloomberg verlor seit dem 24 März 2015 eine Investition in das selbe europäische Benchmarking 3,3%. Und während der Käufer der griechischen Verschuldung seit dem 31 Januar 2015 eine Rendite von heute 26% hatte, verlor er in der selben Periode auf Basis des europäischen Benchmarkings 1,8%.

Seit dem 08 Juli 2015 verzeichnete keine Aktie oder Anleihe und kein Devisenkurs auf der Welt so große Gewinne wie die Renditen der griechischen Anleihen. Während der Dauer des Jahres 2015 gab es zwei Dinge, die sich niemals änderten. Die Demoskopien zeigten, dass die Bürger Griechenlands die Stabilität der Europäischen Währungsunion der Instabilität der Drachme vorzogen. Gleicherweise erklärte kein europäischer Führer jemals, die EU wünsche das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Der – die Wahl beider Seiten darstellende – Euro ist ein Werkzeug, das die Investoren in griechische Anleihen zu den Siegern des Jahres 2015 erklärt.

(Quelle: capital.gr, Autor: Matthew A. Winkler)

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