Regimewechsel und Abwertung der Drachme in Griechenland

24. Juni 2015 / Aufrufe: 1.930

Ein Rückblick auf die Entwicklungen in Griechenland zeigt, dass Einführung und Abwertung einer nationalen Währung kein Allheilmittel zur Sanierung der Wirtschaft darstellen.

Die fehlende Möglichkeit, sich unter den Verhältnissen des Euro-Status zu einer Abwertung zu flüchten, hat den (angeblichen) Chancen, welche die Flexibilität der nationalen Währung bietet, sehr oft mythische Dimensionen verliehen. Es handelt sich natürlich um übertriebene Ansichten, die meistens politische Zweckmäßigkeiten verbergen. Weil eine Abwertung einer nationalen Währung dingliche Ergebnisse nur unter bestimmten Voraussetzungen und nur dann abwerfen kann, sofern sie sich auf eine geeignete (Fiskal-, Währungs-, Einkommens- und Produktions-) Politik stützt.

Für eine Wirtschaft wie die Griechenlands, also eine für den Wettbewerb offene und kleine Wirtschaft, würden sogar nur die hohen Zinssätze eine Kurs- und Währungsstabilität gewährleisten können. Die alternative Lösung wäre die Kurs- und im weiteren Sinn Währungsinstabilität.

2 Jahrzehnte großen Wachstums bei stabiler Drachme

Die griechische Wirtschaft erzielte während der Periode 1953 – 1973 außerordentliche Wachstumsrhythmen im Rahmen einer langfristigen Stabilität, deren Basiselement die Stabilität des Wechselkurses der Drachme zum US-Dollar bei einem Preis von 30 Drachmen je Dollar war. Der Regimewechsel gestaltete dagegen einen völlig unterschiedlichen makroökonomischen Rahmen, in dem die Schwankung des Währungskurses ein Grundbestandteil war. Die kontinuierliche Senkung des Wertes der Drachme ab 1975 bis 1990 stellte größtenteils eine Bemühung dar, die Wettbewerbsfähigkeit der handelbaren Produkte des Landes aufrecht zu erhalten. In welchem Ausmaß sie dies erreichte, mag dahingestellt bleiben, da der Rückgang des Wertes der Drachme Auswirkungen auf die Inflation hatte. Die Inflation belastete ihrerseits die Lebenshaltungskosten und steigerte die Forderungen nach Lohnangleichungen, damit die durch den Anstieg der Preiseverursachten Einkommensverluste ausgeglichen werden. Dies untergrub entscheidend die Reichweite der Floating-Politik.

Eins der grundsätzlichen Charakteristika der Periode nach der Militärdiktatur war auch der signifikante Anstieg einerseits der Energiekosten mit den beiden Energiekrisen in den Jahren 1973 und 1979 und andererseits der Arbeitskosten. Die unmittelbare Folge war der Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Produkte, die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt waren. Die Regierungen der Epoche hätten die Wettbewerbsfähigkeit entweder mittels des Floatens der Drachme, also ihres allmählichen Wertverlusts, oder mittels ihrer Abwertung, also mittels einer auf einmal erfolgenden Senkung ihres Preises wiederherstellen können. Die Entscheidung lag in den Händen der Währungsbehörden, die bei ihrer finalen Entscheidung die Auswirkungen auf eine Reihe von Variablen zu berücksichtigen hatten, von denen – wie wir sahen – der Inflation eine fundamentale Bedeutung zukommt.

Folgen der „weichen“ Drachme und politischen Opportunitäten

In den Jahren 1974 – 1980 befolgte die Griechische Bank eine gemäßigte Floating-Politik und versuchte, die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Produkte zu stärken – wenn auch ohne großen Erfolg und mit dem Ergebnis, dass die Industrie unter sehr großen Druck geriet. Mit ihrem Anstieg an die Macht versuchte die PASOK-Partei, eine härtere Politik zu befolgen, die jedoch 1983 aufgegeben wurde, als im Januar 1983 die Abwertung der Drachme um 15,5% beschlossen wurde. Anfänglich bestand die Hoffnung, der neue Wechselkurs könne beibehalten werden, jedoch bereits ab August 1983 wurde die Zentralbank des Landes zu einer Politik des schnellen Abrutschens der Drachme geführt. Diese Politik hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Anstieg der Preise, der wiederum mittels der A.T.A.-Politik (= automatischer Inflationsausgleich bei den Löhnen) in den Anstieg der Lohnkosten einflossen.

Diese Politik erreichte nicht ihre Ziele und die Folgen für die Zahlungsbilanz des Landes waren katastrophal. 1985 gelangten die Devisenreserven des Landes auf gefährlichen Niveaus an – mit dem Ergebnis, dass ein Stabilisierungsprogramm adoptiert wurde und Kostas Simitis als Wirtschaftsminister dessen Umsetzung übernahm. Unter den anderen adoptierten Maßnahmen gab es auch eine neue Abwertung der Drachme um 15%. Die Resultate des Stabilisierungsprogramms waren positiv, jedoch geschah dies, weil eine neue Einkommenspolitik adoptiert wurde, welche die Arbeitskosten zügelte. Die Reaktionen, die das Programm in Zusammenhang mit den anstehenden Wahlen auslöste, führten jedoch zu seiner Aufgabe und der Rückkehr zu einer Politik analog zu jener des Beginns des 1980er Jahrzehnts, und es dauerte nicht lange, dass sie 1990 zu einer äußerst heftigen Krise führte..

Die Abwertung stellt von sich allein kein Allheilmittel dar

Ab 1990 und nachfolgend wendete die Griechische Bank sich einer Politik der harten Drachme zu, mit Hauptziel die Bekämpfung der Inflation. Es wurde inzwischen allgemein akzeptiert, dass die Politik des Floatens der Drachme sich nicht ausgezahlt hatte. Die Politik der harten Drachme hatte jedoch die Konsequenz und Fähigkeit als Voraussetzung, dass der Druck all jener überwunden wird, welche die leichten Lösungen der Abwälzung der steigenden Produktionskosten mittels der Devisenpolitik bevorzugten. Und dies erreichte die Griechische Bank mit dem Ergebnis, dass die Politik der harten Drachme sich in der Bekämpfung der Inflation als effizient erwies. Im März 1998 wurde die letzte Abwertung der Drachme in einer Größenordnung von 12,6% bei ihrem gleichzeitigen Beitritt zu dem Devisenkurs-Mechanismus vorgenommen. Diese Abwertung stellte den letzten Schritt für den Eintritt Griechenlands in die Eurozone dar.

All das Vorstehende beweist eins: die Abwertung stellt kein Allheilmittel dar, um den finanziellen Problemen und hauptsächlich der Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft zu begegnen. Von allein kann sie nichts erreichen. Bezüglich der Gestaltung des finalen Ergebnisses wirken eine Reihe anderer Variablen zusammen mit. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass ohne eine konstituierte Wachstumspolitik und Politik der makroökonomischen Handhabung die Abwertung von sich allein abgesehen davon, dass sie einen sehr intensiven inflationären Druck ausübt, wohl nichts zu bieten haben wird.

Es ist der Mühe wert, uns in Erinnerung zu rufen, dass in Griechenland in den Jahren 1953 – 1973 mit dem bei 30 Drachmen verriegelten Kurs der Drachme zum US-Dollar der Wachstumsrhythmus bei jährlich 7% lag. Während der Periode 1981 – 1990, also der Periode der Abwertungen und des Floatens schlechthin, erreichte dagegen der Wachstumsrhythmus im Durchschnitt gerade einmal 0,8% jährlich.

(Quelle: huffingtonpost.gr, Autor: Kostas Kostis, Professor für Wirtschaftswissenschaft und Sozialgeschichte an der Universität Athen)

  1. Jannis
    24. Juni 2015, 20:26 | #1

    Ja, unter Karamanlis und speziell unter der Militärdiktatur, da brummte die Wirtschaft; und die Gewinnspannen waren da durch maßlose Lohnforderungen aufgewiegelter Arbeiter auch nicht gefährdet.

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