Kreuzfahrer wenden sich von Griechenland ab

2. Juni 2015 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 2.162

Betreiber großer Super-Kreuzfahrtschiffe wenden Griechenland wegen unzureichender Infrastrukturen den Rücken zu.

Obwohl sie in einer ersten Phase Gelegenheiten für eine Entwicklung in griechischen Gewässern sehen, nehmen die großen Kreuzfahrt-Konzerne Kurs auf andere Häfen, da das Fehlen moderner Hafen-Infrastrukturen auf der Mehrzahl der Inseln Griechenlands sowie auch die unzureichenden Flugverbindungen zu den Märkten Amerikas und Chinas die Häfen für die großen Kreuzfahrtschiffe ungastlich machen.

Wenn die obigen Feststellungen von den beiden Top-Kreuzfahrtgesellschaften weltweit, nämlich der Carnival und der Royal Caribbean erfolgen, die auch das größte Volumen an Passagieren bzw. Touristen bewegen, wächst die Nachdenklichkeit über den Verlauf des Kreuzfahrt-Tourismus in Griechenland.

Unzureichende Hafenanlagen und Verkehrsverbindungen

Wie konkreter die Vizepräsidentin der Carnival Corporation Plc, Michel Nestour, während der Dauer des in Athen abgehaltenen 3. Posidonia Sea Tourism Forums betonte, schaffte Griechenland es nicht, seine physische Schönheit und seine ideale geographische Lage zu nutzen, weil es nicht nur bei Basis-Infrastrukturen in diversen Häfen, sondern auch bei der Beförderung per Straße und bei Luftfahrtanbindungen an die Hauptmärkte zurückliegt – Infrastrukturen, die erforderlich sind, um die großen Kreuzfahrtschiffe anzuziehen.

Im selben Klima erfolgten auch die Erklärungen des anderen Big Player’s auf dem internationalen Kreuzfahrt-Markt, der Royal Caribbean Cruises. Die beschränkte Luftfahrtanbindung Griechenlands an den Flughafen von New York und das Fehlen einer Anbindung an andere Flughäfen der USA stellen für neue Super-Schiffe ein großes Hindernis dar, Griechenland anzulaufen. „Nachdem 50% unserer Kunden von dem Markt der USA kommen, stellt dies für uns eine große Herausforderung dar„, erklärte Adam Sharp, Direktor für Hafen- und Passagierservicec der Royal Caribbean Cruises, der ebenfalls die Bürokratie und die langen Warteschlangen bei den Ankunftsflughäfen als hemmende Faktoren für die Promotion Griechenlands als Hauptziel für die großen Kreuzfahrtschiffe anführte. Die durchschnittliche Anzahl täglicher Flüge zwischen dem internationalen Athener Flughafen Eleftherios Venizelos und dem Flughafen JFK in New York – der einzigen bestehenden Flugverbindung zwischen den beiden Ländern – beträgt nicht über 1,7 und ist also für die Gegebenheiten der Kreuzfahrt-Konzerne minimal.

All dem zufolge, was während der Dauer des Forums betont wurde, misslang es Griechenland, von der sprunghaften Entwicklung des Kreuzfahrt-Marktes in Europa zu profitieren, da die Investitionen in die erforderlichen Hafen-Infrastrukturen für das Anlegen der Kreuzfahrtschiffe in dem letzten Jahrzehnt um 80% zurückgingen, während zur selben Stunde die wenigsten der 1.150 griechischen Häfen – von denen die meisten nur über elementare Infrastrukturen verfügen – ausreichende Einrichtungen bieten, damit Kreuzfahrtschiffe vor Anker gehen. Noch signifikanter ist, dass sehr wenige Häfen die Super-Schiffe der Größenordnung von 4.000 Passagieren zu beherbergen vermögen, was von besonderer Bedeutung ist, da die Kreuzfahrt-Gesellschaften hauptsächlich in Schiffe dieser Kapazität investieren.

Signifikant sind auch die Hürden bei der Anziehung chinesischer Touristen angesichts der Tatsache, dass die griechischen touristischen Ziele mit „Müh und Not“ 100.000 der insgesamt 100 Millionen Chinesen anziehen, die jedes Jahr ins Ausland reisen. Das Fehlen direkter Flugverbindungen zwischen den beiden Ländern gilt auch hier als das bedeutendste Hindernis.

(Quelle: capital.gr, Autorin: Viky Kourlimpini)

  1. klaus
    2. Juni 2015, 11:41 | #1

    Schon ziemlich suspekt das ganze. Kaum wurden Studien über die Luftverschmutzung riesiger Fähren oder Kreuzfahrtschiffe bekannt, heißt es plötzlich unattraktives Gr in Sachen Infrastruktur und co. Ich glaube die Herren rechnen mit demnächst erhobenen Strafsteuern oder der Verplflichtung zur Aufrüstung Ihrer Rußschleudern, aus Sicht dieser Aasgeier agumentiert man daher gern mit solchen Themen etc.

  2. Götterbote
    2. Juni 2015, 13:34 | #2

    Ob diese Meldungen unbedingt zusammenhängen weiß ich nicht. Genauso wenig, wie empfehlenswert es ist, diese Art von Touristen anziehen zu wollen. Als größeres „Problem“ sehe ich da die Meldung im letzten Absatz, wonach es nicht gelingt, mehr chinesische Touristen anzuziehen. Wie einfach es manchmal sein kann, hat Bürgermeister Boutaris (Saloniki) vorgemacht, indem er die Anzahl von Touristen aus der Türkei und Israel um ein Vielfaches erhöhen konnte.

  3. Protagoras
    2. Juni 2015, 16:41 | #3

    Guter Hinweis auf Boutaris, aber dieser Mann ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Dieser Solitär spielt in einer eigenen Liga. Mehr von dieser Sorte und Europa würde anders aussehen.

  4. happy
    2. Juni 2015, 18:42 | #4

    ich weiß nicht so recht, ob dies wirklich eine schlechte Nachricht ist, oder ob sich da nicht eine andere Chance birgt, statt Massenkreuzfahrt , Individualreisen kleiner Gruppen mit einem Elektroboot

  5. windjob
    2. Juni 2015, 19:18 | #5

    Die Kreuzfahrtgesellschaften lenken hier doch nur vom eigentlichen Problem ab. Sie sollten sich erst mal um die Abgasreinigung ihrer Schiffe kümmern bevor sie Staaten kritisieren. Wir hatten hier in Aghios Nikolaos Kreta letztes Jahr so einen alten Kahn. Der hat nachts um 11 Uhr das ganze Viertel eingequalmt mit dickem schwarzen Russ. Aber auch hier ist die griechische Regierung in der Pflicht. Sie sollten einfach die Auflagen an diese Schiffe verschärfen.

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