Die drei katastrophalen Optionen Europas für Griechenland

25. Juni 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.813

Europa hat drei Optionen, Griechenland zu begegnen, jedoch führen letztendlich alle Wege zu dem selben Ziel, nämlich zu der Zerstörung des Euro.

Sowie die Führer der EU den außerordentlichen Diskussionen dieser Woche entgegen gehen, begegnen sie der Entscheidung für einen von drei gefährlichen Wegen zum Ausgang aus der griechischen Krise. Der erste Weg führt sie dahin, Zugeständnisse an Griechenland zu machen. Auf dem zweiten werden sie ihre Position beibehalten und Griechenland gestatten, aus dem Euro auszuscheiden. Auf dem dritten wird Athen zu einem großen Teil die Forderungen seiner Gläubiger akzeptieren.

Die Entscheidung scheint schwer zu sein. Die Wahrheit ist jedoch, dass alle drei Wege letztendlich zu dem selben Ziel führen können: nämlich zur Zerstörung der einheitlichen Währung Europas. Die Dauer jeder Reise würde unterschiedlich sein, wie auch die Aussicht auf jeder Strecke, die Endstation wird jedoch die selbe sein.

Erster Weg: Griechenland gewinnt

Die SYRIZA-Regierung agiert mit der Hypothese, ihre europäischen Partner werden letztendlich vorziehen, große Zugeständnisse zu machen anstatt zu riskieren, dass ein Land aus dem Euro ausscheidet. Diese Zugeständnisse werden die Streichung gewisser Schulden Griechenlands umfassen und Griechenland gestatten, von gewissen Reformen abzusehen, wie beispielsweise den weiteren Kürzungen bei den Renten und den noch höheren Steuern.

Die politischen Führer fürchten jedoch, dass sie, wenn sie dies tun würden, an dem Punkt angelangen könnten, die Eurozone zu zerstören um sie zu retten. Die Regierungen von Ländern wie Italien, Portugal, Spanien und Lettland – die ihre Austeritäts-Programme eingehalten haben – würden automatisch untergraben werden. Der SYIZA ähnliche radikale linke Parteien wie die Podemos in Spanien würden an Boden gewinnen. Im selben Moment müssten die Wähler in Deutschland, Finnland, Frankreich und Holland – Ländern, die Griechenland bereits Milliarden geliehen haben – erfahren, dass jene Kredite möglicherweise niemals abgezahlt werden.

Als Antwort würden die anti-europäischen Parteien wie die „Alternative für Deutschland“ (AfD) und die „Finns Party“ (True Finns) an Unterstützung gewinnen. Die Präsenz nationalistischer und linksextremer Parteien bei zukünftigen Gipfeltreffen der EU würde die Fassung von Beschlüssen wirklich unmöglich machen. An diesem Punkt würde das Überleben selbiger EU – nicht nur des Euro – in Frage gestellt werden.

Zweiter Weg: Grexit

Anstatt dem ersten, augenscheinlich gefährlichen Weg zu folgen, haben die Führer der EU sich vorbereitet, um einem zweiten Weg zu begegnen, auf dem Griechenland bankrott gehen und wahrscheinlich aus dem Euro ausscheiden wird. Die europäischen Amtsträger geben sich allgemein sicher, dass der Grexit nicht obligatorisch eine „Infektion“ herbeiführt, bei der die Finanzmärkte umgehend Vermutungen über ein Auseinanderbrechen der Eurozone anstellen und die Zinssätze nach oben drücken und möglicherweise neue Schuldenkrisen in Ländern wie Italien oder Spanien hervorrufen werden.

Kurzfristig mag die Eurozone es schaffen, die Weitergabe der Krise zu vermeiden, da die Europäische Zentralbank Programme hat, die ihr gestatten, unbegrenzte Mengen an Anleihen der Länder der Eurozone aufzukaufen und die Märkte zu zwingen, dass die Zinssätze wieder sinken. Langfristig jedoch ist nicht sehr wahrscheinlich, dass dies eine Garantie gegen die Schuldenkrisen darstellt. Die Kräfte der EZB sind geplant, vorübergehend zu sein – die Tatsache, dass ein Land aus der gemeinsamen europäischen Währung auszuscheiden vermag, wäre jedoch dauerhaft.

Nach einem Grexit nach einer dauerhafteren Lösung suchend, würden die Entscheidungsträger der EU Druck auf eine tiefere Vereinigung ausüben, um die Währungsunion widerstandsfähiger zu machen – und zwar konkret mittels einer wirklichen Bankenunion. Die nordeuropäischen Wähler werden jedoch gerade ihre Gelder in dem griechischen Bankrott verschwinden gesehen haben und es ist unwahrscheinlich, dass sie zustimmen werden, für die Banken Südeuropas zu bürgen.

Die politischen Folgen des Grexits wären für die EU ebenfalls katastrophal. Ein verbittertes und destabilisiertes Griechenland würde sich außerhalb der gemeinsamen Währung, jedoch – zumindest für einen gewissen Zeitraum – noch innerhalb der EU befinden. Aus dieser Position heraus könnte es die Politik der EU in etlichen Themen blockieren und durcheinander bringen, angefangen von den Sanktionen gegen Russland bis hin zur illegalen Einwanderung.

Und, das bedeutendste von allem, ein Grexit würde den gesamten europäischen Plan in Frage stellen. Jahrzehntelang war die konstante Ausweitung der EU mit der Ausbreitung des Friedens und des Gedeihens verbunden. Der chaotische Ausschluss eine Landes aus dem Euro, inmitten von Armut und gesellschaftlicher Unruhe, würde diesen Prozess kippen.

Dritter Weg: Griechenland gibt nach

Mit den Risiken der beiden ersten Optionen als gegeben beharrt die EU kontinuierlich darauf, dass Griechenland das Programm einhalten muss – indem es sein Schulden bezahlt und grundsätzliche Reformen realisiert, um seine Wirtschaft auf tragfähigere Grundlagen zu setzen. Leider gibt es jedoch keine Garantien, dass selbst dieser Weg die EU zu einem sicheren Ziel führen wird.

Es existieren etliche Probleme. Die Verschuldung Griechenlands scheint unmöglich bezahlbar zu sein, folglich ist sehr wahrscheinlich, dass es in den kommenden Jahren neue Schuldenkrisen geben wird. Ebenfalls ist überhaupt nicht ersichtlich, dass der Staat schnell und auf Weisen reformiert werden kann, die ihn dazu bringen, besser zu funktionieren. Die Probleme des Klientel-Systems und der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit sind sehr tief.

Das Bedeutendste von allem ist, dass die griechische Krise die Tatsache offengelegt hat, dass der Euro ein Plan mit signifikanten Unzulänglichkeiten ist. Die Währungen, die letztendlich die Unterstützung eines nationalen Staates haben, sind in der Geschichte zusammengebrochen. Trotz allem glaubte die EU, Strukturen geschaffen zu haben, die den Euro zum Funktionieren bringen könnten. Dies hat sich als unwahr erwiesen. Als Antwort werden diverse europäische Führer vertreten, die Eurozone müsse jetzt Strukturen schaffen, die mehr staatlichen Strukturen ähneln, wie eine Bankenunion oder einen größeren föderativen Haushalt. Die letzten fünf Jahre haben jedoch gezeigt, dass dies sich wahrscheinlich als politisch unmöglich erweisen wird.

Die bittere Wahrheit ist, dass die Führer Europas sich zu unbekannten und gefährlichen Gefilden begaben, als sie die einheitliche Währung Europas schufen. Und es gibt keinen sicheren Weg zurück.

(Quelle: sofokleous10.gr)

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  1. Helga Gabriel
    25. Juni 2015, 15:47 | #1

    Alles ist klar beschrieben in diesem Artikel. Genau so ist die Lage.

  2. Anton
    25. Juni 2015, 18:01 | #2

    Natürlich gibt es keinen „sicheren Weg zurück“ mehr. Aber genau aus diesem Grund ist die Analyse wenig hilfreich. Von einer umkomplizierten Problemlösung kann nicht mehr ausgegangen werden. D.h. allerdings auch, dass der erste Weg (Griechenland gewinnt) eindeutig der beste ist, trotz der Gefahren, die damit verbunden sind. Er unterscheidet sich nämlich von den anderen beiden Alternativen durch den Versuch eines Bruches der bisherigen EU-Wirtschaftspolitik und legt eigentlich nur deren bisherige Mängel offen. Natürlich kann es sein, dass die jetzige griechische Regierung es nicht schafft, die Vorherrschaft neoliberaler Ausrichtung wenigstens im Ansatz zu überwinden. Allerdings ist der praktische Versuch einer Änderung unerlässlich, egal wie die Sache ausgeht. Hier ist wohl eher der Weg das Ziel. Und Griechenland unter Tsipras hat auf jeden Fall eine Tür aufgestoßen – auch bezüglich der Realität des EU-Projektes. So zählen Wahlen offenbar nichts mehr, auch wenn im Moment dies viele nicht so recht begreifen: Zum ersten Mal in der Geschichte der EU bekommt die Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus ein deutliches Gesicht, gerade weil nun Praxis irgendwelche holen Versprechungen (z.B. der EU-GR-Charta) ersetzt.

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