Plan B der Reeder in Griechenland

30. April 2015 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 1.686

Der Plan B der – im übrigen als nationale Gönner auftretenden – Reeder Griechenlands und wo sie ihre Millionen zu parken gedenken.

London, Monte Carlo, Nikosia, Amsterdam. Dubai, Malta, aber auch Lissabon und Istanbul sind einige der Städte, die – wie am 26 April 2015 eine Reportage der Zeitung „Kathimerini“ verzeichnete – um die Anziehung der ständigen Niederlassung griechischer Reeder buhlen.

Und wie charakteristisch berichtet wird, haben sie sogar begonnen, dies zu beschleunigen. Rund 30 griechische Unternehmer aus dem Raum der Hochseeschifffahrt sollen sich sehr gut informierten Quellen zufolge in dem Verfahren befinden oder bereits nicht nur den Sitz ihres Unternehmens, aber auch ihren Wohnsitz als natürliche Personen verlegt haben, während sich viele anschicken, ihnen zu folgen.

Heuchlerischer Druck auf Griechenland und Interessenkampf

Der Prozess begann im Lauf des Jahres 2011, wurde Anfang 2012 stärker, „fror“ jedoch seitdem mit der Rückkehr der politischen Stabilität ein. In den letzten Monaten lebte er jedoch wieder auf. Anlass sind die politische Ungewissheit und der ausländische Druck auf Athen bezüglich des institutionellen Rahmens der Hochseeschifffahrt, und zwar letzteres trotz der Tatsache, dass er international gleich ist. Über allem steht jedoch das Empfinden, der Staat könnte unter der Last populistischer Aufschreie, aber auch des Interessenkriegs aus dem Ausland aufhören, „seefahrtsfreundlich“ zu sein.

Es handelt sich um den Plan B der griechischen Hochseeschifffahrt„, merkt im Gespräch mit der „Kathimerini“ Giorgos Kampanis von der Global Shipping & Ports Leader der Deloitte an. Wie er erklärt, „haben die meisten von denen, die bereit sind, das Land zu verlassen, ihre Planungen bereits seit 2012 vorbereitet, und somit war und ist es leicht, diese zu aktivieren„. Weiter fügt er an, es gebe große griechische Reedereien, die nicht nur Geschäftsräume gekauft haben, sondern bereits sogar von den zuständigen Behörden lizenziert worden sind. In den letzten Tagen wird sehr häufig das Beispiel eines bekannten griechischen Schiffseigners angeführt, der sich in der Praxis in einem im Eigenbesitz befindlichen Gebäude in London niederließ.

Die Tendenz zur „Flucht“ bezieht sich jedoch nicht nur auf die Firmen, sondern auch die natürlichen Personen selbst. Informationen zufolge haben sich etliche nach Monte Carlo sowie auch London und eine geringere Anzahl nach Dubai begeben, das sogar völlige Steuerfreiheit bietet. Von wenigstens zwei Unternehmern wird gesagt, sie seien – reichlich spät – nach Holland übergesiedelt, das jüngst speziell für die Schifffahrt einen einheitlichen Steuersatz von 7% adoptierte, um zu dem schweizerischen Satz von 8% wettbewerbsfähig zu sein.

Zypern stellt ebenfalls eine Option „speziell für die in Griechenland lebenden zyprischen Unternehmer der Branche dar„. Natürlich erfolgen (von Seite Griechenlands) Bemühungen zur Verhinderung dieser Taktik. Einige sogar auf unorthodoxe Weise. Beispielsweise berichten zuverlässige Quellen über Fälle griechischer Unternehmer, die (in Griechenland) unerwartet großen bürokratischen Problemen begegneten oder begegnen, wenn sie gemäß dem Gesetz verlangen, an das Finanzamt für Auslandsansässige überstellt zu werden.

Griechenland besteuert Reeder auf die selbe Weise wie andere Länder

London, Zentrum des außerhalb Griechenlands angesiedelten griechischen Seefahrtwesens, stellt historisch das grundlegendste Ziel dar. Derzeit wurden jedoch wegen der Wahlkampfankündigungen des Oppositionsführers Edward Milliband bezüglich einer Änderung des Rahmens der Behandlung der ausländischen Unternehmer alle Pläne bezüglich einer Verlegung des Sitzes dorthin „eingefroren“. Es geht um das sogenannte „non doms“-System.

Obwohl Millibands Positionen nicht auf die Schifffahrt, sondern ausländische Magnaten wie Russen und Araber – die einfach nur eine „Kopfsteuer“ in Höhe von jährlich 60.000 bis 90.000 britischen Pfund entrichten – abzielt, haben sie jedenfalls ein negatives Klima geschaffen. „Die einzige Chance für Griechenland, griechische und ausländische Reeder hierher zurückzuholen, geht wegen der Umstände verloren“, unterstreicht ein griechischer Großreeder.

Es muss angemerkt werden, dass Griechenland das international angewendete System der Besteuerung der Schiffe (tonnage tax) unterstützt, auf dessen Basis ein konkreter Tonnage-Steuersatz etabliert wird. Eine ähnliche Handhabung gibt es in allen Staaten mit einer entwickelten Seefahrt. In einigen Ländern – wie Deutschland – gilt der Rahmen sogar als sowohl für das Unternehmen wie auch die natürliche Person freundlicher.

Mit der griechischen Vorherrschaft bei der Hochseeschifffahrt als gegeben „versuchen unter den derzeitigen Umständen viele konkurrierende nationale – wie deutsche – Interessen, diese griechische Macht zu schwächen„, merken höchst seriöse Quellen der Seefahrt an. Aber auch deutsche Quellen gestehen diese Polemik ein.

Die deutsche „Zeit“ schrieb neulich, „gewöhnlich wird in deutschen Publikationen die Erwähnung übergangen, dass der griechische Rahmen in fast allen Staaten mit einer Schifffahrt gilt und die deutschen Schiffseigner Ende der 90er Jahre ihre Besteuerung mittels eines entsprechenden Modells senkten„. Funktionäre der Deloitte unterstreichen bedeutungsvoll, in den wenigen letzten Jahren haben „etliche angesehene Länder steuerliche Anreize geplant um vermögende Eigentümer anzuziehen, ihren Steuerwohnsitz dorthin zu verlegen …„.

(Quelle: Büchse der Pandora)

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