Hintergründe der Verhandlungen Griechenlands

21. April 2015 / Aktualisiert: 12. Oktober 2018 / Aufrufe: 5.738

5. Was ist, wenn Griechenland nachgeben wird?

Die Frage ist, warum Griechenland nachgeben sollte? Gibt es nach, wird nicht nur die SYRIZA inkonsistent, sondern wir kehren zur vorherigen Lage zurück. Dazu rufe ich in Erinnerung, wie die Troika per E-Mail regierte und der Premierminister alles zum Gesetz machte, was die Troika forderte. Was sie forderte, war Kürzung der Löhne, Entlassungen, Schläge gegen die reale Wirtschaft und natürlich, dass die Schulden der Banken uns aufgebürdet werden, ohne dass die Bankiers jemals zahlen.

Wenn die Regierung nachgibt, wird die einzige Chance verloren gehen, dass Europa sich ändert und unser Land sich entwickelt. Es ist nicht ein Thema politischer Inkonsistenz, sondern einer Chance, die verloren gehen wird.

6. Was wird uns passieren, wenn wir nicht nachgeben?

Schaut man sich die Publikationen der internationalen Presse an, wird diese Frage auf viele Weisen beantwortet. Die einen sagen, Griechenland werde vernichtet werden, jedoch gibt es auch etliche, die vertreten, Europa werde vernichtet werden. Die Wirtschaftspropheten, also diejenigen, welche die Krise nicht vorauszusehen vermochten und Klopapier als Investment-Produkte verkauften, sind unfähig zu sagen, was genau passieren wird, weil sie es nicht wissen. Würden sie es wissen und dies das Ausscheiden Griechenlands (Grexit) aus dem Euro und seine Vernichtung bedeuten, hätten sie es bereits realisiert. Sie wissen es jedoch nicht und viel mehr fürchten sie die Entwicklungen.

In einer globalen Wirtschaft führte allein der Zusammenbruch der Lehman Brothers den amerikanischen Kontinent in eine Krise. Stellen Sie sich vor, ein Land würde zusammenbrechen. Folglich wissen sie nicht, was sie tun werden. Sie versuchen mittels der von ihnen verursachten Angst, des von ihnen ausgeübten Drucks, der Erpressungen und der politischen Lakaien, über die sie in Griechenland verfügen, die bestmöglichen Umstände für sich selbst zu schaffen. Es sei daran erinnert, dass sie mit den selben Mitteln auch die sogenannten „Memoranden“ durchsetzten.

EU und Merkel werden mit dem Zusammenbruch Griechenlands außer einem wirtschaftlichen auch ein politisches Problem haben. Deutschland wird ein weiteres Mal angelastet werden, was es in Europa anrichtet. Die Europäische Union wird aufhören, eine visionäre Union zu sein, und als autoritärer Mechanismus entblößt werden. Zur selben Stunde werden sich neue Zusammenschlüsse in Europa und neue Beziehung mit Russland als Spieler bilden, was weder Deutschland noch die USA wollen.

7. Haben sie die Möglichkeit, die (Geld-) Hähne zuzudrehen?

Am vergangenen Mittwoch störte eine Aktivistin Mario Draghis Pressekonferenz und rief „nieder mit der Diktatur der Zentralbank“. Bei der Charakterisierung hatte sie Recht. Während der Regierung des Landes durch Samaras und Venizelos wurde ohne Einwände von Seite Griechenlands die Bankenunion geschaffen. Es hört sich wie etwas Gutes an. Näher besehen schreitet jedoch die Europäische Union zu verschiedenen Konsolidierungen, außer denen der Verschuldungen natürlich.

Praktisch war das, was geschah, dass eine Reihe von den gewählten Regierungen ausgeübter politischer Befugnisse an die Zentralbanken und die Europäische Zentralbank abgetreten werden (bei denen es sich essentiell um private Mechanismen wie die Bank of Greece handelt). Die Banken regieren und bestimmen, wie das Geld fließt. Die lokalen Banken können kein Geld drucken, sondern nur verlangen. Und die EZB kann es verweigern, gleich ob es unmoralisch, absurd oder unerhört ist. Sie hat die „Rechtmäßigkeit“, so zu funktionieren. Aufzuhören, den griechischen Banken Geld zu geben, obwohl Griechenland seine Kredite regulär bedient. Obwohl Griechenland seine Raten bezahlt, hat es seit 2014 kein Geld mehr bekommen. Was sie interessiert, das Kriterium, ist folglich nicht, ob Griechenland zahlen wird, ob es seinen Verpflichtungen nachkommt, sondern ob sie in Griechenland das tun werden, was sie wollen.

Mit dieser Logik können sie also die Hähne geschlossen halten und (Griechenland) erpressen. Zur selben Stunde riskieren sie jedoch, dass Griechenland nicht nachgibt und sie selbst die Konsequenzen erleiden, die sie fürchten. Wenn sie die Hähne schließen, kann Griechenland seine Kredite nicht bedienen, sondern wird das Geld für die inländischen Bedürfnisse behalten. Was wird die EZB tun? Wird sie beschließen, die Auflösung der EU einzuleiten?

8. Sagen sie vielleicht die Wahrheit?

Nein, sie sagen nicht die Wahrheit, und das zeigen ihre Historie und deren Helden. Der ehemalige Leiter des IWF wurde neulich wegen Korruption verhaftet. Jean-Claude Juncker hatte in Luxemburg als Premierminister ein Steuerparadies geschaffen. Wolfgang Schäuble war mit dem „Kohl-Skandal“ in Bestechung verstrickt gewesen. Ihr Verhältnis zur Wahrheit war niemals gut. Sie üben einfach nur auf die ihnen bekannte Weise Politik zum Vorteil der Wirtschaft aus, die sie wollen. Sie sagen also nicht die Wahrheit.

Mit der Wahrheit stehen sie nicht auf gutem Fuß. Schauen wir uns die jüngste Geschichte an: Als Griechenland unter die Verwaltung der Troika und der Memoranden geriet, stellten sie all dies als Einbahnstraße dar. Nun haben inzwischen auch sie selbst eingestanden, dass sie, wenn Griechenland zu einem Zahlungsstopp schreiten würde, nachzugeben gezwungen wären, weil sie Billionen verlieren würden. Trotz allem sagten sie auch damals, Griechenland würde vernichtet werden.

Als danach das Thema des Schnitts der griechischen Verschuldung auf den Tisch kam, waren Deutschland und Frankreich sich einig, er würde nicht erfolgen, und der einheimische (damalige griechische Finanzminister) Papakonstantinos hatte gesagt, wenn der Schnitt erfolge, werde dies eine Katastrophe sein. Es erweist sich, dass sie den Schnitt nicht wollten, weil die deutschen und französischen Banken griechische Anleihen inne hatten. Wäre (damals) die Verschuldung beschnitten worden, wären sie selbst und nicht Griechenland vernichtet worden. Trotz allem sagten sie, Griechenland würde vernichtet werden.

Nach dem Gipfeltreffen in Cannes und nachdem sie sich der Anleihen entledigt hatten, änderten sie ihre Argumentation völlig und vertraten nun, es müsse ein Schnitt erfolgen. Sie schritten zu einem Schnitt nach englischen Recht und tauschten auch die Regierung in Griechenland aus, indem sie Evangelos Venizelos die Anweisung gaben, Giorgos Papandreou zu stürzen. Den Verlust der Banken aus dem Schnitt übernahmen wir mit der Rekapitalisierung. Dagegen verlangten sie nicht die Rekapitalisierung der Versicherungskassen, die mit dem Schuldenschnitt zusammenbrachen. Auch damals sagten sie, anderenfalls werde das Land vernichtet werden.

Die EZB hätte Initiativen bezüglich der griechischen, aber auch der europäischen Verschuldung ergreifen können. Stattdessen sammelte sie auf dem freien Markt Anleihen (also griechische Verschuldung) zum halben Preis und zwang uns mittels der Gewährung von Krediten, diese Anleihen zu ihrem Nennwert auszulösen. Erfolgte auch dieser Zinswucher, damit Griechenland nicht vernichtet wird?

Es gibt hunderte Beispiele, die beweisen, dass „sie sich sowohl selbst bedienen als auch lügen„, wie auch (die Schauspielerin Rena) Vlachopoulou gesagt hätte. Ihre Argumentation ist folglich auch heute verlogen. Sie aktivieren einfach nur die bis heute richtige und effektive Taktik – die natürlich erfordert, dass im Land ein heftiges Klima der Angst geschaffen wird, das die Zuversicht nach den Wahlen substituiert. Diese Rolle wurde nicht von Schäuble, sondern den einheimischen politischen und medialen Lakaien übernommen.

Was sie heute verlangen? Dass es keine roten Linien gibt, weil wir sonst vernichtet werden. Also dass wir akzeptieren, dass Entlassungen erfolgen, die Renten noch mehr gekürzt werden, die Mehrwertsteuer steigt und wir das öffentliche Vermögen übergeben? Wie sie sagen, damit Griechenland nicht vernichtet wird. Welche wird also die Katastrophe sein, wenn nicht dies?

(Quelle: Büchse der Pandora, Autor: Kostas Vaxevanis, griechischer Investigativ-Journalist und Herausgeber der Zeitschrift HotDoc)

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  1. Obba
    21. April 2015, 11:01 | #1

    Holprige Übersetzung, der Inhalt trifft den Kern aber zu 100 Prozent.

  2. 21. April 2015, 13:19 | #2

    Danke für diesen großartigen Artikel! Ich stimme Herrn Vaxevanis voll und ganz zu!

  3. Kleoni
    21. April 2015, 17:02 | #3

    Messerscharf analysiert – ich hoffe und wünsche der griechischen Regierung, dass sie durchhält! Für das griechische Volk wäre das endlich ein Lichtstrahl am Horizont

  4. LiFe
    21. April 2015, 19:24 | #4

    Sehr gut die Anmerkung: „Die ausländischen Medien griffen die geschaffene Realität auf und zeigten sogar Fotos von Schlangen von Rentnern, die (Anmerkung: wie in Griechenland nach wie vor allmonatlich üblich) bei den Banken für ihre Rente anstanden, und schufen so das Bild, es gebe eine Kapitalflucht.“ Viele Bankkunden kommen von weitem aus Dörfern angereist, dann kommen halt so viele.

  5. rafael
    22. April 2015, 10:24 | #5

    lieber Übersetzer, bitte nicht in langen Schachtelsätzen übersetzen…, kurze Sätze mit Kommata lesen sich leichter…, ansonsten sehr guter Artikel, den ich auch fleißig in den social networks gepostet habe. Der Artikel sagt das, was ich irgend wie empfunden habe, es aber nicht verbalisieren konnte!

  6. Andrea
    23. April 2015, 16:33 | #6

    Sehr gute Beobachtungen von Vaxevanis, aber leider sehr holprig zu lesen … vielleicht das nächste Mal die Übersetzung kurz korrigieren lassen – stehe gern zur Verfügung 🙂

  7. Matze
    1. Juli 2015, 00:14 | #7

    Ich hoffe das die Griechen stark sind und den Geldeliten die Stirn bieten. Es wird Zeit das auf Unserm Kontinent die Vernunft und die Völker Regieren und Agieren und nicht die geldgierige faule Schicht. Gerechtigkeit sollte immer Recht sein, ein Recht vor allem Recht was sich irgend welche psychopathischen Menschen aus denken und als Gesetze den Völker aufdrücken. Glück, Liebe und Achtung beruht nicht auf Reichtum. Ich wünsche und HOFFE daß, das Griechische Volk uns erlöst von der Euro- amerikanischen Geisel. Danke für euren Mut.

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