Griechenland: mit der Pistole am Kopf

29. März 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 2.523

Für Griechenland läuft der Countdown, da die Kassen leer und seine bis Ende August 2015 zu deckenden Finanzierungsbedürfnisse groß sind.

Athen verbleiben nur noch wenige Stunden, um IWF, EU und EZB eine vollständige Liste mit Reformen zu präsentieren, die einerseits die außerordentliche Einberufung der Eurogruppe und andererseits die Fassung von Beschlüssen über die finanzielle Stützung des Landes gestatten wird.

Die Liquidität des Fiskus liegt im „roten“ Bereich, welche Tatsache sich auch daraus beweist, dass die Zahlung von Gehältern und Renten zum 30. März in Höhe von ungefähr 1,5 Mrd. Euro auf Geldern basiert, deren Schöpfung – sogar auch noch jetzt – aus den Guthaben betrieben wird, welche Träger der allgemeinen Regierung wie beispielsweise die „Attiko Metro SA“ (Attische U-Bahn) bei den Handelsbanken führen.

Die signifikantesten Zahlungstermine für Griechenland bis August 2015

30. März: Bis zu diesem Datum kann die griechische Regierung einen vollständigen Katalog vorgeschlagener Reformen einreichen, um mehr Rettungsgelder sicherzustellen. Ziel der Einhaltung der Frist ist, die Auszahlung von Geldern aus dem Programm zu beschleunigen, das im Februar 2015 vereinbart wurde, als die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds eine Verlängerung der bestehenden (Kredit-) Vereinbarung um vier Monate gewährten.

09. April: Griechenland muss an den IWF 360 Millionen in Sonderziehungsrechten (SDRs) entrichten. Dies entspricht ungefähr 458 Millionen Euro.

14. April: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 1,4 Mrd. Euro ablösen.

17. April: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 1 Mrd. Euro ablösen.

Ende April: Im Rahmen der im Februar 2015 getroffenen Verlängerungsvereinbarung muss Griechenland weitere Einzelheiten in Zusammenhang mit den zugesagten Reformen erteilen, und diese sind von der EZB, dem IWF und der Europäischen Kommission zu genehmigen.

08. Mai: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 1,4 Mrd. Euro ablösen.

12, Mai: Griechenland muss die größte Zahlung des Monats leisten – ungefähr 601 Millionen in Sonderziehungsrechten an den IWF. Dies entspricht ungefähr 763 Millionen Euro.

15. Mai: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 1,4 Mrd. Euro ablösen.

05. Juni: Griechenland muss eine Zahlung der Größenordnung von 240 Millionen in Sonderziehungsrechten an den IWF entrichten. Dies entspricht ungefähr 305 Millionen Euro.

12. Juni: Griechenland hat zu einer Zahlung von ungefähr 270 Millionen in Sonderziehungsrechten an den IWF zu schreiten. Dies entspricht ungefähr 344 Millionen Euro.

12. Juni: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 3,6 Mrd. Euro ablösen.

16. Juni: Griechenland hat zu einer Zahlung von ungefähr 451 Millionen in Sonderziehungsrechten an den IWF zu schreiten. Dies entspricht ungefähr 573 Millionen Euro.

19. Juni: Griechenland hat zu einer Zahlung von ungefähr 270 Millionen in Sonderziehungsrechten an den IWF zu schreiten. Dies entspricht ungefähr 344 Millionen Euro.

19. Juni: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 1,6 Mrd. Euro ablösen.

Ende Juni: Es endet die Verlängerung für die „Haupt-Finanzierungshilfevereinbarung“, so wie in Griechenland die Verlängerung der Kreditvereinbarung bekannt ist.

10. Juli: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 2 Mrd. Euro ablösen.

13. Juli: Griechenland hat zu einer Zahlung von ungefähr 360 Millionen in Sonderziehungsrechten an den IWF zu schreiten. Dies entspricht ungefähr 458 Millionen Euro.

20. Juli: Reifung griechischer Anleihen im Wert von 3,5 Mrd. Euro, die derzeit von der EZB gehalten werden.

08. August: Griechenland muss Schatzbriefe in Höhe von über 1 Mrd. Euro ablösen.

(Quelle: sofokleous10.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    29. März 2015, 02:54 | #1

    Das macht roundabout 20 Milliarden Euro bis August. Zu den Zahlen kommen noch die Rückzahlungen an die staatlichen Institutionen und Unternehmen, bei denen sich die Regierung in den letzten Wochen bedient hat. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Griechenland sich nicht anders als durch die Hilfen der internationalen Geldgeber finanzieren kann und ein Primärüberschuss in weite Ferne gerückt ist wird schnell klar, dass – selbst wenn die griechische Regierung in der kommenden Woche vor den Gläubigern kapituliert und die letzten Tranchen des verlängerten Programms zeitnah ausgezahlt werden – spätestens im Spätsommer der Verhandlungsmaraton von vorne beginnt. Es ist zudem fraglich, ob die orthodoxen (Linken) in der Syriza, die immerhin mit rund einem Drittel vertreten sind, einen Weg mitgehen werden, gegen den die „Reformen“ eines Herrn Samaras den Griechen wie ein wahres Honigschlecken vorkommen werden. Hier droht eine Spaltung der Partei der bestimmt von vielen hämisch kommentiert werden wird, Griechenland aber politisch wieder destabilisieren könnte. Wenn dereinst die Griechen wieder vor der Regierungszentrale demonstrieren werden wird man sie daran erinnern müssen, dass die den Konfrontationskurs der Regierung Tsipras‘ zu 80 % (wie Umfragen immer wieder betonten) mitgetragen haben. Das fatale am Bluffen ist, dass man auch alles verlieren kann.

  2. herbert
    29. März 2015, 10:45 | #2

    Bei diesen angegebenen Zahlungsbedingungen und Zielen kann man sich nur noch fragen, wie will Griechenland das stemmen. Es ist schier unmöglich das Griechenland seine Zahlungsverpflichtungen hierbei nachkommen kann. Wenn es nicht so verdammt „ernst“ wäre, müsse man Herrn Tsirpas dringend anraten sich einen schwarzen Anzug mit Krawatte zu besorgen um dann Insolvenz anzumelden. Ich bin jedenfalls tief erschüttert und frage mich wo soll das noch hinführen, hoffentlich nicht in einem schwarzen Loch bzw. in einem EU Desaster.

  3. Volker
    29. März 2015, 12:26 | #3

    Jede Privatperson hat auch Zahlungsverpflichtungen, wie Miete, Kreditraten usw. Da muss eben mehr gearbeitet werden. Das Problem ist nicht die Liste, sondern das Problem sind die griechischen Politiker, die jahrelang keine Reformen angegangen sind. Warum muessen IWF, EU usw. diese einfordern? Jede vernuenftige Politik wuerde soetwas von alleine angehen, Sonderausschuss, notfalls auch ein Ermaechtigungsgesetz, um renitente uneffiziente Finanzbeamte rauszuwerfen.

  4. Florian Pfister
    29. März 2015, 12:58 | #4

    Warum wird eigentlich Goldman Sachs nicht bestraft – die hatten doch geholfen, die Griechische Finanzlage bei dem Beitritt zu verschleiern und viel Geld dafür eingenommen. In den USA werden bei derartigen Vorgängen sehr schnell Millliarden Strafen verhängt. Warum nicht in der EU?

  5. Bella
    29. März 2015, 19:20 | #5

    Die sog. „Reformen“ der Troika waren ein schweren Sozialverbrechen am griechischen Volk, für das man die Verantwortlichen eines Tages vor einen internationalen Tribunal zur Verantwortung ziehen wird …

    • Peter
      30. März 2015, 12:52 | #6

      Die Reformen sind absolut notwendig, und noch lange nicht zu Ende. Vor ein internationales Tribunal müßten all die Griechen, die ihr Land ausgeplündert haben.

  6. Jetzt-red-I
    31. März 2015, 13:00 | #7

    Verbrecher sind diejenigen Bürger und Unternehmer in Griechenland, die in der lage sind Steuern zu bezahlen, dies aber nicht tun.

  7. Willi Blersch
    31. März 2015, 21:12 | #8

    Griechenland ist PLEITE, aus die Maus. Wer dies nicht begreift, ist blind und d…! Schreibt die Milliarden ab, IWF, EU, Deutschland und wie die Geldgeber alle heißen. Selber schuld, keiner hat bemerkt, das Griechenland weit über ihre Verhältnisse lebt und gelebt hat. In einer toll auf Pump finanzierten Glaskugel. Und jetzt frage ich mich, sollen wir dies weiterhin so weiterführen? Irgendwann geht auch der stärkste Geldgeber pleite. Es ist nur eine Frage der Zeit, aber vielleicht stehen wir nur einen Schritt am Abgrund hinter Den Griechen.

  8. GR-Block
    1. April 2015, 10:20 | #9

    Nun hat die Regierung Tsipras doch klein beigeben müssen, was die sog „Umstrukturierung“ angeht. Freilich geht es der Troika nicht um die Abschaffung des griechischen Kapitalismus sondern im Gegenteil, die weitere Privatisierung von Staatseigentum wie z.B. Häfen und Flughäfen. Ich empfinde es als demütigend, wenn gierige Geier wie Schäuble diesen Raubbau an Einnahmequellen GRs als „notwendige Umstrukturierung“ bezeichnen. Ich hoffe Herr Varoufakis greift tief in die EU-Trickkiste, um ähnliche Worthülsen als Waffe zu verwenden. Die Veräußerung von Staatseigentum sollte in GR so weit wie möglich hinausgeschoben werden, damit griechische Unternehmer die Chance haben, gegen die liquiden Ausländer konkurrieren zu können. Denn genau das Gegenteil versucht die deutsche Regierung.
    Dadurch dass die Deutschen den Griechen die Kreditaufnahme aufgezwungen haben, haben sie indirekt europäische Steuergelder auf die Konten ihrer Privatwirtschaft befördert. Die ist jetzt so liquide, wie schon lange nicht mehr. Dagegen kommt kaum ein griechischer Unternehmer an, wenn es um Anteile an Staatsbetrieben etc. geht. Seine einzige Chance wäre zu „kooperiert“, das heißt zu helfen für andere den Kuchen zu teilen, um evtl. ein paar Krümel abzubekommen. Herr Varoufakis, Ihr hohes Amt gebietet, dass sie jetzt auch den zweiten mahnenden Finger heben!

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