China verschafft Griechenland Verhandlungsspielraum

23. März 2015 / Aktualisiert: 25. März 2015 / Aufrufe: 4.806

China verschafft Griechenland mit einem Sofortkredit in Höhe von 8 Milliarden Euro Spielraum bei den Verhandlungen mit seinen Partnern und Gläubigern.

Griechenlands Liquidität wurde für die kommenden sechs Monate durch weitere chinesische Kredittranchen sichergestellt. Europas Medien warnen allerdings vor unkalkulierbaren Risiken für die Europäische Union! – Sie können darauf warten…

Spielen wir dieses Szenario kurz durch:

China droht mit politischer Irritation und Restriktionen

China hat seinen griechischen Fuß schon längst in die europäische Tür gestellt (z. B. Distributionszentrum im Hafen von Piräus / COSCO). Die eingeräumte Kreditlinie (mit langfristigem Ziel) ist ein weiteres chinesisches Investment in eine „europäische Zukunft“, und das zu günstigen Konditionen und mit hohen Sicherheiten in Form griechischer Liegenschaften, Unternehmens- und Infrastrukturanteilen.

Griechenland bleibt selbstverständlich im Euro-Raum – warum auch sollten sie die Drachme wieder einführen?! – und verschafft sich so den zuvor ohne Erfolg von der Eurogruppe erbetenen Verhandlungsspielraum. Die Zustimmung zur Politik der neuen „Tsipras-Regierung“ tangiert in der griechischen Bevölkerung 90%. Würde am nächsten Sonntag gewählt, würde die SYRIZA über 50% der Stimmen erhalten, die Verfassungsmehrheit liegt im Bereich der statistischen Unschärfe.

Die bislang so komfortable Dreigespann der Troika (IWF, EZB und europäische Kommission) wird zum schnittigen chinesischen „Vierspänner“. Der chinesische Vertreter in der „Gläubigerversammlung“ besteht auf einer innereuropäischen Lösung der Krise des EU-Mitglieds Griechenland und droht anderenfalls mit „politischer Irritation“ und Handelsrestriktionen.

Die Finanzmärkte preisen die neuen Risiken ein. Ratingagenturen arbeiten unter Hochdruck an der Neubewertung der EU-Staaten und der Bankenlandschaft. Investitionen im „Land der Morgenröte“ stehen erneut auf dem Prüfstand. Konzerne sehen sich gezwungen, massive Rückstellungen in den nächsten Quartalsbilanzen zu bilden. Die Leitbörsen Dow Jones, London Stock Exchange (LSE) und DAX reagieren zunehmend nervös.

Die Exportwirtschaft der Exportweltmeister sieht bangen Zeiten entgegen. Das Problem des innereuropäischen Ausgleichs der Exportquoten und der Leistungsbilanzen löst sich quasi von allein: Die Starken schwächeln und nähern sich den „faulen PIIGS-Staaten“ an.

Obama ruft zu Besonnenheit und rascher Einigung auf!

Kabarettisten und Karikaturisten überschlagen sich bei der Interpretation des Themas „Die europäische Rache für die anglo-amerikanische Banken- und Finanzkrise„.

Die Euro-Gruppe gerät unter massiven Zugzwang und die Europäische Union ist wieder einmal auf die eigene Unzulänglichkeit verwiesen: Wir sind nicht in der Lage rasch, undogmatisch, angemessen und bedarfsadäquat nachhaltige Lösungen für anstehende Probleme anzubieten – von Konjunkturmaßnahmen und der Finanzmarktregulierung, dem Angleich der Unternehmensbesteuerung, dem Aufbau europäischer Infrastrukturen und der Sicherung einer europäischen Energieversorgung, über die Einwanderungspolitik und Flüchtlingshilfe, bis hin zu Cybernet-Sicherheit und russischer Provokation …

Erst jetzt wird der verzweifelte Ruf nach dem „Grexit“ (Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum) wirklich verständlich. Wir alle haben ihn irrtümlich als Drohung an Griechenland interpretiert! Tatsächlich war es der Ausdruck einer vagen, europäischen Hoffnung: „Griechenland weg, europäische Probleme weg!

Und im halbdunklen Hintergrund ein Chor zunehmend ermatteter, leicht zerzauster Papageien: „….äge sind zu errrfüllen, pacta sunt serrrvanda, …äge sind zu errrfüllen, pacta sunt serrrrvanda, …äge sind zu errrfüllen, pacta sunt serrrva …

(Autor: Christian Schramayr)

Relevante Beiträge:

  1. jörg
    23. März 2015, 07:40 | #1

    China will nur eines: Ware in die EU bringen und das so günstig und schnell wie möglich. Warten wir mal ab, wielange die „Freundschaft“ hält, wenn das die ersten Containerschiffe der 18000-19000 TEU Klasse im Hafen liegen und das Geklüngel geht los. Zuerst kommt der Hafenmeister und vielleicht die Lotsen, dann die Hafenarbeiter samt den Gewerkschaften. Was passiert? Nun das kenne ich, es dauert alles etwas länger oder die Container werden aus Versehn falsch hingestellt, aber man kann das alles umgehen in dem man etwas zahlt.

  2. jensen
    23. März 2015, 08:35 | #2

    8 Milliarden reichen nicht zum mitspielen, da wird man nicht mal zur gläubiger Versammlung eingeladen. 80 Milliarden wären super, am besten gleich gegen Liegenschaften eintauschen, dann ist man um 40% entschuldet. Das ist die Lösung, bitte so ausführen, dann packen die anderen sicher auch noch was drauf. Juhu!

  3. Ronald
    23. März 2015, 08:40 | #3

    Ach, man kann auch das Szenario durchspielen, dass plötzlich in Griechenland die Sterne vom Himmel fallen und lauter blanke Taler sind. Halte ich auch für realistischer als das oben kabarettistisch dargestellte.

  4. Roland Wolf
    23. März 2015, 08:51 | #4

    Ein schönes Szenario, das nur ein paar Fragen aufwirft:

    – Warum sind die Kredite der Eurogruppe „toxisch“, hingegen die Chinas positiv zu bewerten?
    – Wenn der Griechische Finanzminister mehrfach mitteilt sein Staat sei nicht in der Lage die Schulden zurückzuzahlen, was sollte dann China bewegen diesen Kredit zu vergeben?
    – Warum sollte China den Zugang einem seiner wichtigsten Exportmärkte und Investoren erschweren?
    – Wie lassen sich die von der neuen Regierung zurückgestellen Privatisierungen und ein besserer Zugang Chinas zu Griechenland vereinigen?
    – Was nützt dieser bessere Zugang wenn der Rest der Eurozone von China mit Handelsrestriktionen bedroht wird?

  5. Hella
    23. März 2015, 09:35 | #5

    Sehr schön Herr Schramayr hoffentlich kommt es so !

  6. Boris Nikolajew
    23. März 2015, 10:18 | #6

    Quelle dieser Meldung ? Ist ein keinem News Service (Bloomberg, Reuters etc) zu finden. Scheint mir eine Ente zu sein.

  7. Bella
    23. März 2015, 11:37 | #7

    Was in Griechenland noch nicht ausreichend verstanden wird ist, dass die deutsche Bevölkerung, verhetzt durch die Medien, die Griechen verachtet. Für die Masse der Deutschen ist der Grieche ein Faulenzer, der deutsches Steuergeld verschwendet. Die soziale Katastrophe in Griechenland ist der Masse in Deutschland egal. Er ist wieder zurück, der hässliche Deutsche und bedroht, diesmal Griechenland mit Euro und EU. Ich wünsche der griechischen Bevölkerung Stärke im Widerstand gegen die deutsche Selbstgerechtigkeit. Wenn ihr Euch unterwerft, gebt ihr den deutschen Rassismus recht, bleibt stark!

  8. Griechenlandfreund
    23. März 2015, 14:23 | #8

    Warum sollte China Griechenland 8 Milliarden Euro leihen? Als Absatzmarkt ist das 10 Mio kleine Griechenland für China unwichtig. Der COSCO-Hafendeal läuft wie vereinbart und mehrere weitere Häfen benötigt China in Griechenland nicht. Und die SYRIZA-Regierung ist angesichts der geringen Bezahlung der Cosco-Tochter PCT – und der Negativmeldungen hierzu – sicherlich nicht bereit griechische Staatsunternehmens- und Infrastrukturanteile über 8 Mrd. Euro zu verpfänden. Insofern ist das Szenario total unrealistisch.

  9. Götterbote
    23. März 2015, 15:00 | #9

    Liebe Admin,
    ich bitte um Aufklärung: ist das hier eine ernste Meldung oder was steckt dahinter? Kann keine entsprechenden Meldungen im Internet finden.

  10. Omnipraesent
    23. März 2015, 15:30 | #10

    Tatsächlich war es der Ausdruck einer vagen, europäischen Hoffnung: “Griechenland weg, europäische Probleme weg!“
    Wenn die EU Politiker wirklich dies meinten, dann sind sie auf der ganzen Linie Versager, GR im Herzen Europas, die Chinesen und die Russen haben das Sagen im Land, ihr Geld verleiht dem Land den Glanz des Wohlstands. Der reihe nach, Chinesen, Russen uebernehmen die GR Haefen, einige werden fuer Militaerische Zwecke ungebaut zum Schutz von GR, GR braucht seine grossen Kriegsgeraete nicht mehr, und hat so enorme Reccourcen frei, Handel und Wandel florieren durch Angliederung an die BRICS Freihandelsmaerkte. Mal ehrlich, die Abhaengigkeit kann nicht groesser sein, als die gegenueber der EU.

  11. Team
    23. März 2015, 16:53 | #11

    @ Götterbote
    Der Beitrag ist zumindest im „Auszug“ mit dem Hinweis [Satire] gekennzeichnet 😆

  12. Eine Deutsch-Griechin
    23. März 2015, 20:44 | #12

    Wenn dieser chinesische Böller in Griechenland mal nicht nach hinten losgeht …

  13. Edgar Etz
    24. März 2015, 09:49 | #13

    Es gibt Artikel, da muss nicht unbedingt „Satire“ drüber stehen … .

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