Grundloser Krieg Europas gegen Griechenland

20. Februar 2015 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 2.418

Bloomberg betont, Griechenland und Europa befinden sich in einem unbegründeten Krieg und die deutsche Härte gegenüber Griechenland sei strohköpfig.

In einem Meinungs-Beitrag mit Titel „Europa und Griechenland befinden sich grundlos in einem Krieg“ betont Bloomberg, es bleibe die Gefahr bestehen, dass ein vermeidbarer wirtschaftlicher Zusammenbruch Griechenlands den anderen Euro-Ländern neues Leid beschert.

Wie es in dem Artikel unter anderem lautet, „hat sich der Abstand zwischen den beiden Seiten praktisch auf fast Nichts reduziert […]. Die EU baut die Zukunft ihrer Währungsunion nicht auf Prinzipien, sondern Emotionen auf.

Schäuble will Regierung und Wähler Griechenlands abstrafen

Die unverhohlene Aversion gegen die Haltung Deutschlands und speziell des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble zum Ausdruck bringend, lautet es weiter:

Die strohköpfige deutsche Härte fordert von der neuen griechischen Regierung, unverhüllt alle ihre Wahlversprechen zu verleugnen. Dies ist für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ok, der zu denken scheint, die griechischen Wähler müssen für ihr mangelndes Urteilsvermögen bestraft werden. Wenn diese und ihre populäre neue Regierung gedemütigt werden, ist eine in der übrigen EU noch weniger akzeptable rechtsextremistische Partei bereit, zu agieren.

Die Weigerung der EU, sich mit Griechenland zu einigen – also zu akzeptieren, dass es Zugeständnisse macht, anstatt eine bedingungslose Kapitulation zu verlangen – dient nicht seinen Interessen. Es besteht keine Notwendigkeit, die Sackgasse in einer Katastrophe enden zu lassen. Wenn dies geschieht, werden Deutschland und seine Unterstützer eine größere Verantwortung als Griechenland haben.

(Quelle: Büchse der Pandora, Bloomberg)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    20. Februar 2015, 08:46 | #1

    Dass die Regierung Griechenlands sich als erstes ein Schlachtfeld ausgesucht hat, auf der sie verlieren muss ist bedauerlich, wohl aber der präkeren finanziellen Lage des Staates geschuldet; diese Lage die ihr von der voherigen Regierung hinterlassen wurde (ich erinnere an mein Bild des leeren Kühlschrankes“ ist wahrscheinlich dramatischer als wir alle vermuten.
    Hatte nicht Varoufakis gesagt, er wolle auf die letzten Milliarden aus dem Hilfsprogramm verzichten? Offensichtlich kann er das nicht. Die Demütigung des griechschen Volkes wird noch schlimmere Ausmaße annehmen: Denn bevor die letzte Tranche des Programms – sollte es zu einer Einigung kommen – freigegeben wird, werden als erstes die Vertreter der „Institutionen“ die letzten unterbliebenen aber fälligen Kontrollen nachholen. Es ist daher keinesfalls sicher, dass die noch im Programm befindlichen Milliarden auch zeitnah fliessen werden, denn die Kontrollen werden wegen der Versäumnisse der Regierung Samaras‘ nicht positiv beendet werden können.
    Ja, es wird eine – wenn man das so formulieren will – bedingungslose Kapitulation vor den Hardlinern der EU, allen voran Schäuble verlangt. Als Deutscher finde ich diese Vokabel nicht erschreckend.
    Letztlich wird sich nur so der notwendigerweise einstimmige Beschluss innerhalb der EU und eine Zustimmung in den nationalen Parlamenten der Länder , bei denen für die Verlängerung des Progamms eine Ratifizierung notwendig ist, herstellen lassen.
    Ist die Griechische Regierung und das griechische Volk nicht Willens das zu ertragen, dann muss sie einen anderen Weg gehen, wie immer dieser auch aussehen mag.

  2. Petra
    20. Februar 2015, 17:49 | #2

    Unser Finanzminister Schäuble ist leider nichts anderes gewöhnt. Grundsätzlich werden in Deutschland vor den Wahlen große Versprechen abgegeben und nach den Wahlen weiß man nichts mehr davon. Das ist mittlerweile üblich in Deutschland.
    Die Armut in Deutschland hat mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent ein neues Rekordhoch erreicht und umfasst rund 12,5 Millionen Menschen. Das zeigt der neue veröffentlichte Armutsbericht auf. Doch das ist offensichtlich noch immer nicht ausreichend, dass unsere Regierung endlich ihre Politik ändert.
    Herr Schäuble wird lernen müssen, dass er endlich umdenken muß. Die neue griechische Regierung tut endlich in Europa einmal das wofür man Regierungen wählt. Zum Wohle der Bevölkerung arbeiten.

  3. Wildkatze
    20. Februar 2015, 18:04 | #3

    Die Arroganz der deutschen Medien und Politiker scheint um sich zu greifen! Sicherlich wäre die Situation Griechenlands bei einem Euro-Austritt keine einfache – für die ersten Jahre jedenfalls. Aber auch Deutschland wird seine Arroganz teuer zu stehen kommen, und das nicht nur wegen des Fälligwerdens der geleisteten Bürgschaften. Das Vertrauen der Märkte in ein Land, das nicht mit ökonomischer Vernunft sondern mit Eitelkeiten und Emotionen handelt, wird nicht mehr das selbe sein. Ich fürchte, wir erleben soeben den Anfang vom Ende des Euros – die wirklich Leidtragenden in dieser Geschichte werden dann Länder wie z. B. Slowenien sein. Aber soweit scheint Deutschland in seiner grenzenlosen Überheblichkeit nicht zu denken. Hochmut kommt vor dem Fall!

  4. Peter Adam
    20. Februar 2015, 19:09 | #4

    Nun, es scheint als ob Griechenland am Ende des Weges angelangt sei und es nun nur darum geht die Bevormundung der EU zu akzeptieren oder eine eigene Währung zu betreiben. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach sollte Herr Varoufakis, ebenso wie Herr Tsipras, hart bleiben und sich ebenso keinerlei milliarden an Hilfsgeldern von Russland holen. Ich hatte es schon vor sehr langer Zeit (schon zu Anfang der Krise) gefordert, und jetzt scheint eigentlich der passende Moment gekommen zu sein: RAUS AUS DEM EURO UND DER EU !!
    Damals hat man mich mit (in meinen Augen schwachsinnigen) Argumenten hier aus dem Blog vergrault … .Nun könnte Ich euch zurufen: SCHAUT SELBST … Ihr wolltet es nicht wahrhaben, aber nun ist es soweit. Ich sehe Griechenland lieber selbstständig mit der Drachme agierend als vor Deutschland und seinen Neoliberalen Mitverschworenen zu Kreuze zu kriechen. Ein Kredit aus Russland oder gar China wäre ebenfalls ein Minus-Geschäft, denn es hieße fremde Bedingungen zu akzeptieren. Griechenlands Weg sollte meiner Meinung nach ein eigenständiger Weg aus der Krise sein. Ich habe vollstes Vertrauen in mein Heimatland. Eine assoziierung mit der EU wäre aber in Hinblick auf kommende Zeiten, nachdem die neue Regierung ohne jeglichen Druck die notwendigen Reformen durchgeführt hat, wünschenswert. Als Prognose kann ich nur sagen das Griechenlands Weg nur über die sogenannten BRIICS-Staaten führen kann. Denn ganz ehrlich gefragt: Was hat der Euro (außer am Anfang) denn positives bewirkt? Die Reichen haben sich die Taschen gefüllt und haben die einfachen Arbeiter danach im Stich gelassen, haben die Klientelpolitik zu ihrem persönlichen Vorteil mit ihren Strohmännern in den vorangegangenen Regierungen aufrecht erhalten und so dazu beigetragen das unser Volk auf den Status einer dritte-Welt-Nation abgerutscht ist … . Nun beginnt wohl ein sehr harter Drogenentzug für alle Griechen, aber endlich scheint mir ein Licht am Ende des Tunnels sichtbar zu sein …

  5. Heidi Preiss
    20. Februar 2015, 20:48 | #5

    Hilfsmittel der Politik: Nationalismus und Rassismus. Es geht ja nicht mehr um gierige, lügende und korrupte Banken, sondern um gierige, lügende und korrupte Südländer. Tragisch, wie erfolgreich diese populistische Strategie in allen Klassen der deutschen Gesellschaft ist.
    Fünf Jahre lang haben Merkels EU-Schergen Griechenland mit ihrer Politik geknebelt. Die Staatsverschuldung ist von 107 auf über 170 % explodiert, die Verelendung der Bevölkerung hat sich verdreifacht, die Gesundheitsversorgung ist auf Dritte Welt-Niveau, von der Wirtschaft ganz zu schweigen. Die Deutschen haben damals in solch einer Situation die NSDAP gewählt, da sind die Griechen doch deutlich intelligenter mit ihrer Wahl der Syriza.
    Übrigens, auf Nachdenk-Seiten ist das hinterhältige Schmierentheater bei der EU-Verhandlung gegen die griechische Regierung sehr interessant aufgeführt.

  6. Bernhard
    21. Februar 2015, 11:36 | #6

    Ich möchte nur zu einem hier veröffentlichten Kommentar anmerken, was „Armutsgrenze“ in Deutschland (15,5%) bedeutet. Die Armutsgrenze in Deutschland liegt bei etwa 980 € pro Monat bzw. 11.757 € pro Jahr. Dass muss doch einem Griechen als reinster Hohn vorkommen.

  7. Peter Kästner
    21. Februar 2015, 16:33 | #7

    Versuch das komplizierte Thema der Schuldenpolitik einfach zu erklären:
    In früheren Zeiten war die Geldmenge eines Landes durch den Goldschatz gedeckt, auf jeder Banknote stand geschrieben: z.B. 100 Mark zahlt die Deutsche Reichsbankkasse in Berlin dem Einlieferer dieser Banknote ohne Legitimationsprüfung. Damit war gemeint 5 zwanzig Goldmarkmünzen. Mit Abschaffung der Golddeckung richtete sich die Geldmenge am Bruttosozialprodukt aus. Heute wird hauptsächlich wie in den USA eine unbegrenzte Geldmenge über das eigene Sozialprodukt hinaus gedruckt im Vertrauen auf künftige Wirtschaftsleistung, der Staat verschuldet sich selber und absichtlich nicht nur bei anderen Gläubigern also anderen Staaten, sondern in sich selbst indem er die Geldmenge erhöht sprich mehr druckt wie seine Wirtschaftsleistung entspricht, dies wiederum erfordert ständiges Wirtschaftswachstum um die Geldmenge nicht völlig wertlos werden zu lassen.
    Die gedruckte Geldmenge wird nun nicht einfach verteilt, sondern nur gegen Verschuldung weiter gegeben, der Schuldner hat dann durch Arbeitsleistung nicht nur den Schuldbetrag abzutragen sondern auch noch einen Zinns wodurch eine Wertschöpfung entsteht die es ermöglicht noch mehr Geld zu drucken.
    Ein Beispiel: Der VW-Arbeiter stellt ein Auto her, er schafft also ein Produkt was eigentlich sein Eigentum ist zumindest ein Teil davon, sein Lohn ist auch nicht so hoch das er das Auto auf einmal kaufen kann. Was macht nun der VW Konzern er gründet eine eigene Hausbank, mit Geld was natürlich nicht vom Himmel fällt sondern mit einem Teil des einbehaltenen Lohnes vom VW-Arbeiter, jetzt kann er dem Arbeiter einen Kredit gewähren damit er sein Produkt kaufen kann. Der Arbeiter muss jetzt nicht nur die Leistung für die Produktion ständig neuer Autos erbringen sondern auch noch seine Schuld, die eigentlich keine Schuld ist, an die VW-Bank abtragen entweder durch Einsparung und Verzicht oder höhere Arbeitsleistung zB. Überstunden. Alle Schuld entsteht nur durch ein Ungleichgewicht indem Einer mehr Geld hat wie ein Anderer, was nicht heißen soll, dass alle das Gleiche verdienen sollten!
    Das Prinzip des Ungleichgewichtes ist entstanden durch die Arbeitsteilige Gesellschaft und hat seine Wurzel in der unendlichen Gier des Menschen, die scheinbar nicht zu befriedigen ist so wie auch sexuelle Lust ständig neu befriedigt werden muss. Schon Goethe sagte: „Des Menschen Wünsche stehen nie still je mehr er hat je mehr er will und mir Erreichung all der Wünsche verbringt er die wertvollste Zeit seines Lebens“. Der einigermaßen gesunde und normale Mensch braucht keine 10, 20 oder 50 Milliarden Euro / Dollar, denn er selbst ist ein begrenztes Wesen, er kann auch nicht unendlich genießen. Die wirkliche Triebfeder scheint mir ein Machtanspruch zu sein um sich dadurch eine Befriedigung zu verschaffen die er auf Grund seines krankhaften Seins sonst nicht mehr ausleben kann, anders ausgedrückt ihm genügt nicht in ein Museum zu gehen um sich an einem schönen Gemälde zu erfreuen er der kranke Mensch muss es besitzen. Dieses Systemverhalten ist auf Länder und Staaten übertragbar. Auch zwischen Ländern besteht ein schon natürliches Ungleichgewicht; Flächenstaaten mit fruchtbaren Boden – Inselstaaten mit steinigen unfruchtbaren Böden vielleicht noch ohne Bodenschätze – Naturkatastrophen – unterschiedliche Kulturen und Gewohnheiten usw. Diese Ungleichheiten wecken Begehrlichkeiten, schaffen Verschuldung und Abhängigkeit im schlimmsten Fall Kolonisierung und Krieg. „Der Krieg ernährt den Krieg“ – Friedrich Schiller „Wallenstein –Trilogie“. Das ganze Prinzip der ständigen Neuverschuldung ist selbst auf Religionen übertragbar; Die Kirche als der Sündenvergeber (Mittler zwischen Gott und dem Menschen) einerseits und anderseits der arme Sünder der ständig seine Schuld neu abtragen und sie sich vergeben lassen muss um der unendlichen Schuld der Hölle zu entkommen. Erst wenn die Schuldenlast unerträglich wird kommt es entweder zur Massenverelendung dem Untergang ganzer Staaten und Imperien oder zu Revolutionen und neuen Kriegen, dies ist der Lauf der Menschheitsgeschichte und wird es bleiben. Das traurige ist nur und das ist der Unterschiet zur Geschichte, das die Menschheit heute ein Mittel besitzt welches – kommt es zum Einsatz – keinen Neuanfang mehr ermöglicht, die Wasserstoffbombe, die heutige Tragik es gibt Verrückte die glauben sie könnten als Sieger in diesem letzten Krieg hervorgehen. PK.

  8. Wildkatze
    21. Februar 2015, 19:19 | #8

    Ich bin enttäuscht vom Ausgang der Verhandlungen und habe den Eindruck, dass Griechen die irrtümliche Meinung vertreten, als Mitglied der Eurozone einem elitären Club anzugehören. Da wollen sie unbedingt dabei bleiben, koste es, was es wolle. Ob das klug ist? Ein Staat ohne eigene Währung wird NIE ein souveräner Staat sein können.

  9. luna
    21. Februar 2015, 21:25 | #9

    Die Enttäuschung ist groß, ganz sicherauch bei den Griechen. Es ist einfach nicht mehr zu ertragen, was Schäuble sich einbildet. Wenn das einer mit uns Deutschen machen würde (Sparpolitik in Griechenland) wäre unsere Regierung nicht lange am Leben. Für die griechische Bevölkerung wäre die Rückkehr zur Drachme ein schwieriger, aber auf lange Sicht ein besserer Weg.

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