Banken in Griechenland stimulierten Kapitalflucht?

26. Februar 2015 / Aktualisiert: 12. Oktober 2018 / Aufrufe: 1.781

In Griechenland wurden Meldungen publik, Großanleger seien von Bankfunktionären angehalten worden, ihre Guthaben in Auslandsfonds in Sicherheit zu bringen.

koutipandoras.gr (Büchse der Pandora) bringt eine äußerst ernsthafte Meldung ans Licht der Öffentlichkeit, die einer umgehenden Erforschung durch die zuständigen Behörden bedarf. Konkret sollen – immer gemäß den Meldungen – Bankfunktionäre in den beiden letzten Wochen ihre Kunden ermuntert haben, ihr Geld mittels der Platzierung in ausländischen Investment-Fonds ins Ausland zu schaffen, anderenfalls würden sie ihr Geld verlieren.

Die Meldung bezieht sich auf Funktionäre des sogenannten „Private Bankings“ zweier der vier systemischen griechischen Banken. Dabei handelt es sich um jene Abteilungen der Banken, die sich an Kunden mit signifikanten Guthaben richten und wie ein formloser geschlossener „Club“ für wenige Kunden agieren.

Funktionäre griechischer Banken untergruben das eigene Banksystem

Die Bankfunktionäre sollen in den beiden letzten Wochen kontinuierlich ihre Kunden angerufen und ermuntert haben, ihre Gelder in ausländischen Investmentfonds anzulegen, um ihre Guthaben zu retten,, weil – laut den koutipandoras.gr vorliegenden – Meldungen „die Banken nach Rosenmontag geschlossen sein würden„. (Anmerkung: Der diesjährige Rosenmontag fiel in Griechenland auf den 23 Februar 2015, an dem auch das Ultimatum an die griechische Regierung bezüglich der Übersendung ihrer Vorschläge an die Eurogruppe auslief.)

Kurz gesagt, zu einer Stunde wo die griechische Regierung im Ausland ihren Kampf mit den europäischen Partnern ausfocht, unterminierten Funktionäre der mit Geldern des griechischen Volkes rekapitalisierten Banken die Stabilität des Banksystems. Charakteristisch ist, dass laut der JP Morgan in der vergangenen Woche Guthaben in Höhe von 3 Mrd. Euro von den griechischen Banken abgeflossen sind.

Der Rechtsanwalt Giannis Kyriakopoulos ist Empfänger nicht weniger Meldungen aus ganz Griechenland von Private-Banking-Kunden geworden. Diesen Meldungen zufolge erhielten die Kunden beharrliche Anrufe von Bankfunktionären, die sie aufforderten, ihr Geld in ausländischen Investment-Fonds anzulegen. Wie der Anwalt gegenüber koutipandoras.gr sogar betonte, stehen die Daten der Anzeigenden ihm selbst, aber – sofern sie verlangt werden – auch den zuständigen staatsanwaltlichen Behörden zur Verfügung.

Ernsthafte Fragen bezüglich der zuständigen Kontrollorgane

koutipandoras.gr veröffentlicht das einschlägige Schriftstück mit dem Investment-Fonds, in den Funktionäre einer konkreten Bank den Private-Banking-Kunden zu investieren nahelegten.

Der Investment-Fonds führt den Titel „Pictet-Sovereign Short-Term Money Market Eur“ und wird von der „Pictet Funds SA“ verwaltet, die Teil der Pictet-Gruppe ist, wie charakteristisch angeführt wird. Als Sitz der Pictet wird Luxemburg ausgewiesen, während als Investitionsziel des Investment-Fonds „die Erhaltung des investierten Kapitals, unter paralleler Erzielung der angemessenen Rendite und Liquidität“ angeführt wird.

Die Meldungen sind ernsthaft und bedürfen umgehender Untersuchung. Die griechischen Bürger scheinen in den letzten Tagen von Bankfunktionären in Verletzung jeder Regel der Banken-Ethik grundlos in Angst und Schrecken versetz worden zu sein. Die zuständigen Behörden und hauptsächlich die Aufsichtsbehörde – sprich die Griechische Bank – schuldet, umgehend eine Kontrolle durchzuführen, anderenfalls wird sie bloßgestellt sein.

Es stellen sich jedoch viele Fragen sowohl hinsichtlich der Geschäftsleitungen der Banken, aber auch der Verantwortlichen für Regulierungskonformität und interne Kontrolle der Banken, sowie ebenfalls auch des Kapitalmarkt-Ausschusses.

(Quelle: Büchse der Pandora, Autor: Vangelis Triantis)

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  1. Ronald
    3. März 2015, 00:12 | #1

    Wenn man sich den Verkaufsprospekt dieses Fonds ansieht, stellt man sehr schnell fest, dass dieses „Finanzprodukt“ nur geschaffen wurde um verängstigten Sparbuchbesitzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die „angemessene Rendite“ ist nämlich Null …

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