10 Mrd Euro „Matratzengeld“ in Griechenland

16. Februar 2015 / Aufrufe: 2.156

Die Bürger in Griechenland haben schätzungsweise 10 Milliarden Euro Bargeld in Schließfächern, in Schatullen und unter Matratzen gebunkert.

Der größte Teil der Bankguthaben, die in den beiden letzten zweieinhalb Monaten wegen der Ungewissheit das griechische Banksystem „verließen“, befinden sich innerhalb Griechenlands und in Investment-Produkten. Wie die Banken einschätzen, wurde nur ein kleiner Teil bzw. ungefähr 20% der abgezogenen Gelder zu Banken im Ausland geleitet.

Wie Bankfunktionäre betonen, könnte der größte Teil der 20 Mrd. Euro, die seit Ende November 2014 bis heute die Banken verlassen haben, relativ schnell zurückkehren, wenn am heutigen Montag (16 Februar 2015) die griechische Regierung eine neue Vereinbarung mit den Partnern erzielt, die den europäischen Kurs des Landes bestätigen und der Ungewissheit ein Ende setzen wird.

Etwa 10 Mrd. Euro sind als Bargeld im Land geblieben

Einschätzungen der Banken zufolge sind ungefähr 50% der abgezogenen Guthaben (was ungefähr 10 Mrd. Euro entspricht) in der Form von Bargeld im Land verblieben und befinden sich in Schließfächern, in Truhen … unter Matratzen usw. Viele Haushalte entschieden sich wegen der Beunruhigung über den Ausgang der Verhandlungen und der Gefahr eines Bruchs, für alle Fälle eine Reserve außerhalb der Banken zu haben. Die „größeren Portefeuilles“, die ihre Guthaben (nicht zuletzt in Angst vor steuerlichen und sonstigen Kontrollen) nicht ins Ausland transferieren wollten, verlagerten ihre Gelder in Schließfächer.

Zusätzlich wurde ein Anteil von 30% der Abflüsse (bzw. ungefähr 6 Mrd. Euro) in Investment-Produkte geleitet, und zwar hauptsächlich in Investment-Fonds. Es handelt sich ebenfalls um Kunden, die in Angst vor einen „Unfall“ beschlossen, sich aus Gründen der Sicherheit in Fonds einzukaufen, hauptsächlich in ausländische Anleihefonds. (Anmerkung: Im übrigen schichteten etliche Anleger ihre Portefeuilles einfach auch nur wegen der negativen Zinsentwicklung um und legten aus ausgelaufenen Festgeldanlagen herrührende oder vorübergehend „geparkte“ Gelder in lukrativeren Finanzprodukten an.)

Schließlich sind 20% der „abgeflossenen“ Guthaben, ungefähr 4 Mrd. Euro, zu Banken im Ausland geleitet worden. Es handelt sich hauptsächlich um Kapital von Unternehmen. Wie Bankfunktionäre gegenüber der „Kathimerini“ anmerken, ist ein Teil dieser abgezogenen Geldern jedoch innerhalb der einheimischen Bankkonzerne geblieben, also zu den in Zypern, London, Luxemburg, Malta usw. unterhaltenen Tochterniederlassungen bewegt worden.

Hoffnung auf schnelle Rückkehr der Gelder ins Banksystem

Die heftige Verschlechterung der Liquiditätsverhältnisse in den beiden letzten Monaten beruht auf der Unruhe und der Ungewissheit, die erst die vorgezogenen Parlamentswahlen und jetzt die „Geburtsschwierigkeiten“ der neuen Regierung hervorriefen, zu einer Einigung mit den Partnern zu gelangen. Im vergangenen Dezember gingen wegen der Beunruhigung die Guthaben um 4 Mrd. Euro zurück, im Januar 2015 um ungefähr 12 Mrd. Euro und seit Anfang Februar 2015 bis heute wird der Rückgang der Guthaben auf 3 Mrd. Euro veranschlagt. Abgesehen von dem großen Aderlass der Guthaben wird die Liquidität der griechischen Banken aber auch durch zwei weitere sehr signifikante Faktoren eingeschränkt: die Schatzbrief-Emissionen des Fiskus und die Unterbrechung von Transaktionen auf dem Interbankenmarkt.

Bankfunktionären zufolge werden sich die Beunruhigung legen und die Umstände schnell normalisieren, wenn die Regierung in den kommenden Tagen mit den Partnern einen neuen Kooperationsrahmen vereinbart. Wenn dies erfolgt, wird dann der größte Teil der abgeflossenen Gelder schnell wieder in das Banksystem zurückkehren. Sollte es jedoch in den Verhandlungen zwischen Regierung und Partnern zu einem Bruch kommen und die EZB – sei es auch nur vorläufig – den Zugang der griechischen Banken zu den Liquiditätsmechanismen des Eurosystems unterbrechen, werden die Auswirkungen für das Banksystem und natürlich auch für die Gesamtheit der Wirtschaft direkt und dramatisch sein.

Goldman Sachs bleibt bezüglich der Banken neutral

Die am vergangenen Donnerstag erfolgten Schritte des Vorankommens in den Gesprächen zwischen Griechenland und Partnern und die Aussicht auf die Erzielung einer Einigung am kommenden Montag, dem 16 Februar, riefen an der Börse Begeisterung hervor. Der allgemeine Indes verzeichnete einen Sprung um 5,61%, während der Banken-Index Gewinne von 12,7% verzeichnete. Die Aktie der Nationalbank stieg um 16,10%, der Alpha Bank um 12,86%, der Piräus Bank um 12,5% und der Eurobank um 8,3%.

Das Haus Goldman Sachs merkt in einem eigenen Bericht an, bezüglich der Aktien der griechischen Banken eine neutrale Position beizubehalten, und unterstreicht dabei, die Unbeständigkeit werde anhalten, solange Athens Verhandlungen mit den Gläubigern andauern. Wenn Griechenland in der Eurozone bleibt, haben die Aktien der Banken dann einen signifikanten Zuwachsspielraum, merkt das Haus an.

(Quelle: Katimerini)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    16. Februar 2015, 08:41 | #1

    Es ist schon merkwürdig: Einerseits unterstützen laut Umfragen 80 % der Griechen die Haltung der Regierung Griechenlands gegenüber der Eurogruppe, auf der anderen Seite schwächen sie die Verhandlungsposition. Einen medial wirksamen Bankenrun werden wir noch sehen, wenn die Verhandlungen heute scheitern …

  2. Dieter Sendker
    16. Februar 2015, 09:54 | #2

    Und der dritte Grund sind die ungerechtfertigten Kontenpfaendungen verschieder Institutionen des Staates ohne jegliche rechtliche Grundlage oder gerichtliche Entscheidungen.

  3. LiFe
    16. Februar 2015, 16:06 | #3

    Der vierte Grund waren die Einfrierungen der Steuerrückzahlungen.

  4. branka
    16. Februar 2015, 20:53 | #4

    mir stehen die Haare zu Berge … immer wird geschrieben „die Griechen“ … so einfach pauschal … 99% der Menschen haben NICHTs von dem ganzen Geld …, das muss jeder wissen … also …!

  5. LiFe
    18. Februar 2015, 20:45 | #5

    jetzt heißt es aufgepasst, Brüssel könnte eine Matratzensteuer erheben!

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