Ist Griechenlands Verschuldung wirklich nicht tragfähig?

18. Januar 2015 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.245

Im Vergleich zu anderen Ländern erscheint die öffentliche Verschuldung Griechenlands weniger bedrohlich als die abstrakten Zahlen vermitteln mögen.

Bezüglich der Verschuldung Griechenlands, die sich derzeit bei 175% des Brutto-Inlandsprodukts befindet, ergeben sich viele Diskussionen aus der Annahme, sie sei nicht tragfähig und könne nicht getilgt werden. Dieses Argument ist reichlich zweifelhaft.

Grundsätzlich tilgen die souveränen Staaten ihre Schulden nie. Sie refinanzieren sie mittels der Emission neuer Verschuldung. Von diesem Standpunkt gesehen begegnet Griechenland in diesem Moment keinen ernsthaften Problemen, da seine Verschuldung zu einem großen Teil von offiziellen Gläubigern wie dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (dem Rettungsfonds der 500 Mrd. Euro der Eurozone) und anderen Mitgliedstaaten der Eurozone gehalten wird. Die Verschuldung hat eine relativ lange Laufzeit, die als Teil der Bedingungen, die das Konsolidierungsprogramm begleiten, auf 30 Jahre prolongiert werden kann. Sie könnte noch mehr verlängert werden, falls dies nötig sein wird und sofern die Bedingungen eingehalten werden. Im Verhältnis zu den Ländern der Eurozone, die dem Markt jedes Jahr Milliarden Euro präsentieren müssen, bestehen für die griechische Verschuldung allgemein weniger Refinanzierungs-Gefahren.

Nur mit der Tragfähigkeit wäre ein neuer „Cut“ schwer zu rechtfertigen

Zweitens hängt die Tragfähigkeit der Verschuldung von den Dynamiken im Verlauf der Zeit und nicht von dem allgemeinen Niveau ab. Ein hohes Verhältnis der Verschuldung zum BIP kann tragfähiger sein als ein niedriges, wenn von dem ersten erwartet wird, dass es sich stabilisieren und im Verlauf der Zeit sinken wird, während das zweite weiterhin ungebremst steigt. In Wirklichkeit ist die Tragfähigkeit der Verschuldung entgegengesetzt analog zu dem Niveau der Zinssätze, die für die Verschuldung gezahlt werden, und analog zu dem erwarteten Rhythmus des Wachstums der Wirtschaft und der erzielten primären Haushaltsbilanz.

Im Vergleich zu gewissen anderen Wirtschaften der Eurozone befindet Griechenland sich auf diesen Bereichen in einer relativ guten Lage. Der Zinssatz der Verschuldung befindet sich 2015 bei ungefähr 4% des BIP, also niedriger als bei Ländern wie Irland, Portugal und Italien sowie entsprechend auch den USA. Dies beruht darauf, dass die offiziellen Gläubiger akzeptiert haben, dass der Zinssatz der Kredite gesenkt wird und Niveaus der besten Gläubiger der Eurozone erreichte. Zusätzlich wird erwartet, dass Griechenland die Primärbilanz auf 4,1% des BIP verbessern wird (um 1,4% mehr als im vergangenen Jahr), also besser als Portugal und Italien. Aus diesem Grund wird erwartet, dass die Verschuldung Griechenlands um 7 Prozentpunkte des BIP in diesem Jahr und um 11 im Jahr 2016, auf 135% des BIP im Jahr 2019 und insgesamt um 40 Prozentpunkte in 5 Jahren, also mehr als von dem Fiskalabkommen verlangt sinken wird. In Portugal wird erwartet, dass sie nur um 2 Punkte in diesem Jahr und 1,5 im nächsten Jahr sinken wird. In Italien ist die Verschuldung während der Dauer dieses Jahres bei 135% des BIP zu stabilisieren, in Spanien dagegen während des kommenden Jahres. In Irland wird erwartet, dass die Verschuldung in diesem Jahr um 1 Punkt und 2016 um 2,5 sinken wird.

Die Dynamiken betrachtend, erscheint Griechenlands Verschuldung tragfähiger als die etlicher anderer Länder. Man könnte sagen, die Kosten für die Bedienung der Verschuldung seien sehr hoch für eine Wirtschaft, die seit Beginn der Krise eine signifikante Schrumpfung erlitten hat. Im Vergleich zu der Periode vor der Krise ist Griechenlands Pro-Kopf-BIP tatsächlich um ungefähr 25% gefallen, also mehr als in jedem anderen Land der Eurozone, wie konkret in Italien (13%), Spanien (9%) oder Portugal (6%). Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt das durchschnittliche Einkommen Griechenlands jedoch um 8% höher, als es zu Beginn der Währungsunion war, das selbe wie in Spanien und Frankreich und mit dem Mittelwert der Eurozone und besser als in Italien und Portugal. Der Grund ist, dass während der 8 Jahre vor der Krise – zwischen 1999 und 2007 – dass Durchschnittseinkommen in Griechenland um 36%, also das Dreifache des Wertes in der Eurozone stieg, was ganz klar nicht tragfähig war und half, die „Blase platzen“ zu lassen.

Allgemein erscheint die Verschuldung Griechenlands nicht so schlimm wie die simple Berechnung von „175% des BIP“ vermittelt. Das Verlangen nach einer essentiellen Streichung der Verschuldung ist folglich auf Basis allein der Tragfähigkeit schwer zu rechtfertigen. Es scheint eher die Schaffung von Raum zur Finanzierung einer expansiveren Fiskalpolitik zum Ziel zu haben. Etwas derartiges beinhaltet jedoch das Risiko der Rückkehr zu Politiken von vor der Krise, mit Anstieg der staatlichen Ausgaben und Verzicht auf die Reformen, die nötig sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft zu verbessern und sie zu einem stabilen Mitglied der Wirtschaftsunion zu machen. Der Unterschied würde in der Finanzieren liegen, die diesmal von den Steuerzahlern der Eurozone und nicht den Kapitalmärkten kommen würde.

Leider zeigt die Geschichte, dass das Resultat einer solchen Politik das Verlangen nach einer neuen Entschuldung innerhalb weniger Jahre sein würde.

(Quelle: sofokleous10.gr)

  1. KHD
    18. Januar 2015, 11:04 | #1

    Die Aussage dieses Artiekl verzerrt erheblich ide Realität. Griechenland ist faktisch grösster Transferempfänger der EURO Zone. Nur das allein lässt solche, weltfremden Fantasierechnungen und Vergleiche mit Nicht-Transferempfängern zu. Genau diese fatalen „Logiken“ sind schon Bestandteil der heutigen Politik in Griechenland und werden es verstärkt nach der Wahl werden. Die Transfers der EURO Länder werden zunehmend als selbst verantwortete Realität wahrgenommen – wie dieser Artiekl belegt – und führen letztlich zu politischen Entscheidungen, die die Transfers erhöhen lassen müssen oder die EURO Union auflösen werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Politik auf das letztere Ziel hin konvergiert.

  2. Ronald
    18. Januar 2015, 11:56 | #2

    Sehr interessanter Artikel. Insbesonder das Fazit des letzten Absatzes möchte ich klar unterstreichen. Meiner Meinung nach liegt in der mangelnden Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit das größte Versäumnis der Regierung Samaras. Die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet eben nicht das ständige Kürzen (insbesondere der Mindestlöne) sondern die Schaffung eines investitionsfreundlichen Klimas. Und hier steht sich der Staat wegen der ausgeuferten Bürokratie – ich werde nicht müde dies zu wiederholen – selbst im Wege. Nicht das Volk, sondern die Bürokratie muss reformiert werden. An dieser Stelle hoffe ich auch nicht auf Tsipras. Er hat zwar die Modernisierung des Staates angekündigt, will aber gleichzeitig die entlassenen Staatsbediensteten wieder einstellen. Da passt einfach eins nicht zum anderen (es sei denn, er steckt die Leuteb alle in die Steuerfahndung).

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