Fischer: SYRIZA in Griechenland ist hohes Risiko

18. Januar 2015 / Aufrufe: 1.858

Joschka Fischer charakterisiert einen Wahlsieg der SYRIZA-Partei in Griechenland als hohes Risiko und meint, sie könne eine neue Krise in der Eurozone auslösen.

Der ehemalige Außenminister Deutschlands vertritt, das Wahlergebnis in Athen könnte eine ungeheure politische Krise auslösen. Auch kritisiert er die Eurogruppe wegen ihrer Unfähigkeit, der Krise ein Ende zu setzen.

Krise nach der Krise„. Die ist der Titel eines in der FAZ beherbergten Leserbeitrags des ehemaligen Außenministers Deutschlands über eine Koalitionsregierung der Sozialdemokraten und Grünen. Wie die Deutsche Welle berichtet, kündigt Joschka Fischer eine neue Krise nach der Krise in der Eurozone anlässlich der vorgezogenen Parlamentswahlen in Griechenland und des möglichen Siegs der SYRIZA an.

Angst vor Schneelawine in den südlichen Ländern Europas

Griechenland ist natürlich ein (zu) kleines Land, um ein reales Risiko in der Eurozone darstellen zu können, auch wenn niemand die Reaktionen der Märkte vorauszusehen vermag„, merkt Joschka Fischer an, „jedoch könnte das Wahlergebnis in Athen eine riesige politische Krise auslösen, die auf Italien und Frankreich, die zweite und dritte Wirtschaft der Eurozone überspringt„.

Der ehemalige deutsche Außenminister setzt seine Überlegungen fort und vertritt, selbst wenn es ein Wunder geben und die SYRIZA die Wahlen nicht gewinnen würde, existiere immer die Gefahr der Krise, die aus der Politik als solche und mit dem Euro als Ziel herrühre, und führt als Beispiel die Unzufriedenheit der Italiener inzwischen nicht mehr nur gegenüber der Austeritäts-Politik, sondern auch der gemeinsamen Währung selbst an. „Hier zeichnet sich ein grundsätzlicher Konflikt mit Deutschland in einer Periode ab, wo sich in den Parlamenten und auf den Straßen des Landes eine rechte nationalistische anti-europäische Kraft bildet, welche die Handlungsspielräume Berlins signifikant einschränkt„, betont Fischer. „Diese deutsch-italienisch – und, noch schlimmer, deutsch-französisch – zu werden drohende Auseinandersetzung ist gefährlich, weil sie nicht nur die Eurozone, sondern das gesamte europäische Gebäude in Gefahr bringt.

Joschka Fischer kritisiert die Eurogruppe wegen ihrer Unfähigkeit, die Krise zu beenden, und behauptet, außer „rituellen“ Austeritäts-Aufrufen habe sie keine konkjunkturelle Perspektive geboten – mit dem Ergebnis, dass in vielen Ländern der EU die Geduld versiegt ist.

Bezüglich der vorgezogenen griechischen Neuwahlen bezeichnet er die mögliche Wahl der SYRIZA als „hohes Risiko“. „Wenn die SYRIZA nicht eines gigantischen Betrugs zu Lasten ihrer Wähler beschuldigt werden will, muss sie zumindest auf der Neuverhandlung der Bedingungen mit der Troika beharren. Im Fall eines Misserfolgs schuldet eine mögliche SYRIZA-Regierung, einseitig die Konsequenzen auf sich zu nehmen„, schreibt Fischer. „Es zeichnet sich jedoch bereits jetzt ab, dass eine eventuelle Neuverhandlung die Wirkung einer Schneelawine in den Ländern der europäischen Südens haben würde, mit einem neuen Aufflammen der Eurokrise.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. H.Trickler
    18. Januar 2015, 23:21 | #1

    Fischer hat Recht, dass die Ansteckungsgefahr für die anderen PIGS und Frankreich das eigentliche Risiko für den Euro darstellen. Mit neu gedrucktem Geld von Draghi wird nur ein bisschen Zeit gekauft, kein einziges Problem wirklich gelöst, aber viele neue Probleme für die Zukunft geschaffen.

  2. Paul Gourgai
    19. Januar 2015, 01:33 | #2

    Die Unfähigkeit der Eurogruppe, die Krise zu beenden„, wird ja nicht geringer, wenn man Fischers Rat folgend sich ganz schrecklich vor Neuverhandlungen fürchtet, um so weiter zu tun wie bisher; mit den bekannten unsozialen Folgeerscheinungen, die den Herrn Exaußenminister nicht sonderlich zu interessieren scheinen.

  3. Rudi
    19. Januar 2015, 08:06 | #3

    Die Einführung des Euro ohne gemeinsame Steuer-, Sozial- und Lastenausgleichspolitik war äußerst kurzsichtig und nutzte nur denen, für die Fischer heute Reklame läuft. Fischer hat sich damals nicht gemuckt, obwohl er mit an der Regierung war. Erst haut er mit der Agenda 2010 den kleinen Mann in die Pfanne und jetzt, als Wirtschaftslobbyist für Siemens, BMW etc., klopft er große Sprüche. Er ist für mich das Musterbeispiel für die Verwandlung vom Paulus zurück zum Saulus. Wäre er lieber Taxifahrer geblieben.

  4. LiFe
    19. Januar 2015, 19:59 | #4

    na ja, sein Nabucco Pipeline Projekt war auch ein Flop.

  5. BravoZulu
    3. Februar 2015, 16:48 | #5

    Warum muss eigentlich jeder Armleuchter von Politiker seinen Senf dazugeben? „Hättest du geschwiegen, währest du Prophet geblieben!“

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