CHF-Kreditnehmer in Griechenland fühlen sich gelinkt

19. Januar 2015 / Aktualisiert: 05. Juli 2017 / Aufrufe: 1.202

Nach der Abkopplung des Schweizer Franken von dem Euro sehen sich in Griechenland rund 75000 Kreditnehmer mit enormen Mehrbelastungen konfrontiert.

Exklusiven Informationen des „PressProjects“ (TPP) zufolge werden in den kommenden Tagen bei den Gerichten in Griechenland tausende Klagen (bzw. Sammelklagen) gegen die systemischen Banken von den 75.000 Kreditnehmern eingereicht werden, die nach der Entscheidung der Schweizer Zentralbank, den Kurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro freizugeben, praktisch in der Luft hängen.

Parallel wurde die Schlinge um den Hals der Bürger, die Baukredite in Schweizer Franken aufnahmen, inzwischen auch in die Wahlkampfarena eingebracht: von der Nea Dimokratia (ND) wurden bereit „Regelungen“ nach den Wahlen angekündigt, während die SYRIZA anführt, das Programm der neuen Regierung werde auch die Kredite in Schweizer Franken umfassen.

Kreditnehmer fordern Neuberechnung ihrer Kredite

Nach dem überraschenden Entschluss der Zentralbank der Schweiz werden in den Medien Analysen und Ansichten von Volkswirten und Juristen zu dem Thema publiziert, das rund 75.000 Bürger / Kreditnehmer in Griechenland betrifft, die „aufgeworfen“ sind. TPP gibt den Kreditnehmern ein Forum um zu erklären, wie sie von den Banken in die Falle gelockt wurden und heute eine ungeheure Belastung erfahren, da sie sehen, dass (in Euro) ihre Kapital-Restschuld plötzlich höher als das anfängliche Kapital ist, das sie sich von den Banken geliehen hatten. Es handelt sich um Baukredite, die zwischen 2006 – 2009 abgeschlossen wurden.

Die Vorsitzende der Verbands der Nehmer von Krediten in Schweizer Franken, L. Mathioudaki, erklärt gegenüber TTP, „mit den Klagen vor der Justiz wird von den Kreditnehmern verlangt werden, dass die Kredite auf Basis des Auszahlungskurses neu berechnet werden, die bisherigen Tilgungszahlungen verrechnet werden und sich danach ein neuer Restkreditbetrag ergibt„.

Banken wälzten das Kursrisiko auf die Kreditnehmer ab

Frau Mathioudaki erklärt: „Die Informierung durch die Banken war unlauter, mangelhaft und zielte darauf ab, diesen Krediten den Charakter eines simplen Baukredits mit Reiz den niedrigen Zinssatz (wegen LIBOR) zu verleihen, obwohl die Kredite in Devisen Kredite sind, die direkt mit dem Devisenmarkt verknüpften Investment-Produkten mit hohem Risiko gleichen! Die Banken strichen die günstigen Punkte des Vertrags heraus und verbargen vor den Kreditnehmern, auf langfristiger Basis (20 – 30 Jahre) den Stürmen des Devisenmarkts begegnen zu müssen, was nur sie selbst trifft, weil die Banken die Devisenbeträge für die Kredite mit Finanzderivaten oder Versicherungen ‚festgemacht‘ haben.

Der Verband der Kreditnehmer betont ebenfalls, dass die Banken die „Kirsche“ der niedrigen Rate bei dem Kredit auf Basis des Schweizer Franken hervorhoben und den arglosen Kreditnehmern versicherten, der Kurs CHF/Euro werde wegen des internationalen Gewichts des Euro als Devise und der Stabilität des Schweizer Franken in den kommenden … 20 – 30 Jahren geringe Schwankungen haben! Weiter beharrten sie darauf, der Vorteil aus dem niedrigen Zinssatz überwiege den Verlust aus der Schwankung des Wechselkurses (die in den letzten 5 Jahren unbedeutend war!).

Die Kreditnehmer führen ebenfalls an, „die Banken erteilten die Baukredite und trugen dafür Sorge, in irgend einem Punkt des Vertrags das Wechselkursrisiko auf den Kreditnehmer abzuwälzen, um sich darauf heute als vorvertragliche Informierung zu berufen! Und zu behaupten, der Vertrag sei auf Initiative und mit ausschließlicher Verantwortung des Kunden erfolgt, ohne Anleitung, Ermunterung und Rat der Bank. Verstehen und befolgen sie so die vorvertragliche Informierung und die Ausgleichmaßnahmen gemäß PD TtE 2501/2002?

Sie betonen sogar, „die Banken mobilisierten (natürlich gegen entsprechende Vergütung) jede Art von Vermittlern – Beratern (Buchhalter, Rechtsanwälte, Versicherungsvertreter und sogar auch Autoverkäufer (!), um auf jede Weise die Top-Baukredite zu vertreiben: die Kredite in Schweizer Franken! Jene waren die denkbar Ungeeigneten, um Kredite in Devisen zu lancieren! Es war die Epoche, wo man wegen eines Kredits die Bank betrat und gesagt bekam ‚Schweizer Franken‘! Hatte man bereits einen Kredit in €, wandelten sie auch diesen um. Daher auch der bekannte Werbespot eines bekannten führenden Kreditinstituts: ‚Sie träumen von einem eigenen Haus … […] Der flexible Swiss-Baukredit sichert Ihnen einen niedrigen variablen Zinssatz mit der Sicherheit der Schweizer Währung …‘

Spekulation, mangelhafte Beratung und lukrativer Profit der Banken

In einer Bekanntmachung führen die Kreditnehmer ebenfalls an, die Banken haben sich vor der Justiz zu verantworten, weil:

  • Sie spekulierten, indem sie die Leute zur Aufnahme von Krediten in CHF trieben und ihnen mit dem „Ratenschutzprogramm“ Sand in die Augen streuten anstatt Maßnahmen, Kosten und Methoden zum Ausgleich des Wechselkursrisikos zu bieten.
  • Sie gewährten nicht – wie geschuldet – eine spezielle, ausreichende und gründliche Informierung über die Größe und die Konsequenzen des Währungsrisikos auf langfristiger Basis, noch über die Methoden und Kosten, diesem zu begegnen.
  • Sie hielten bei der Erteilung der konkreten Kredite nicht ihre von dem regulativen Rahmen vorgesehenen Verpflichtungen ein. Kein Kreditnehmer hätte gewählt, einen Kredit in CHF aufzunehmen, wenn er von den zuständigen zertifizierten Sachbearbeitern vollständig, speziell und ausführlich über die Risiken informiert worden wäre.
  • In der strittigen Periode verfügte die Bank (Anmerkung: gegen sich die erste Sammelklage richtet) über keine Angestellten mit beruflicher Qualifizierung B1. Heute profitieren sie außer von den Zinsen von der Differenz zwischen dem aktuellen Wechselkurs, zu dem die Kreditnehmer die monatliche Rate zahlen, und dem Wechselkurs, zu dem sie sich selbst mit Finanzierungsmitteln der Beträge dieser Kredite bei deren Auszahlung versicherten.
  • Zusätzlich profitieren sie weiterhin von der Provision für den Kauf Schweizer Franken bei jeder monatlichen Zahlung der Rate. Und die Differenz zwischen hohem Ankaufspreis – niedrigem Verkaufspreis belastet den Kreditnehmer.

(Quelle: ThePressProject.gr, Autorin: Dina Karatzi)

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