So werden die Gläubiger Griechenlands Pentozalis tanzen

15. Dezember 2014 / Aufrufe: 1.897

Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis schließt sich Alexis Tsipras Aussage an, Griechenland könne die Gläubiger dazu bringen, nach seiner Pfeife zu tanzen.

Alexis Tsipras, Parteivorsitzender der SYRIZA in Griechenland, schlug am vergangenen Samstag (13 Dezember 2014) in einer Rede in Heraklion / Kreta harte Töne an und meinte unter anderem „Die Griechen sind ‚harte Nüsse‘, sie lassen sich nicht erpressen und nicht terrorisieren – Wehe den Ausländern, wenn die Griechen der Trotz ergreift„, sowie auch, „wir werden die Trommel schlagen und sie werden tanzen“ oder – wo wir uns gerade auf Kreta befinden – wir werden die Lyra spielen und sie werden ‚Pentozalis‘ tanzen„.

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis griff letzteres in einem auf protagon.gr veröffentlichten Kommentar auf, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Varoufakis: So werden sie Pentozalis tanzen

Als Kreter – sei es auch Pseudo-Kreter – applaudiere ich der Allegorie des Alexis Tsipras über Lyra und Pentozalis. Es wäre schön, wenn eine griechische Regierung den Reigen der Märkte führen würde anstatt kontinuierlich in einem jämmerlichen Narrentanz institutioneller Gläubiger und raubgieriger „Investoren“ mitgeschleppt zu werden.

Zur Essenz: Seit 2010 bestreitet die griechische Regierung, dass der Staat pleite ist, und präsentiert die Verlängerung dieses Bankrotts mittels des größten Kredits in der Geschichte auf immer und ewig als … „Rettung“. So die schwarzen Löcher vergrößernd und den privaten Sektor in den Bankrott treibend (indem sie ihn auspresst, damit – angeblich – die Kredite getilgt werden) ist das einzige, was sie tun kann, auf die Entstehung einer neuen Blase auf dem Anleihenmarkt (zumal die ungeheure Verschuldung niemals wirklich bedient werden kann) und an den Börsen zu bauen (da Banken und Unternehmen wegen des gesamten Bankrotts der Sozialwirtschaft wie auch der Staat nicht auf realen Grundlagen aufzubauen vermögen). So endeten wir als Opfer, die kontinuierlich zu Melodien tanzen, die wir verabscheuen.

Wie kann die griechische Regierung von einem in Ketten gefesselten Schuld-Auslandssklaven, der zu den Weisen der Gläubiger tanzt, endlich zum Lyra-Spieler werden? Nur mittels einer wirklichen Verhandlung, die jedoch nur erfolgen wird, wenn wir bereit sind, zu Bedingungen einer stetigen Ausweitung des Gesamtbankrotts in die Zukunft NEIN zu sagen. Solange diese Verhandlungen andauern, werden die Märkte und Spekulanten sich im Zustand des Schlaganfalls befinden. Wenn sie – mit Griechenland als wieder überlebensfähiges Land – zum Abschluss kommen, werden sich dann die Märkte wirklich sputen, zu unseren Melodien zu tanzen, vom Pentozalis bis hin zum Walzer.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Yanis Varoufakis)

Relevante Beiträge:

  1. Olaf Storz
    15. Dezember 2014, 14:01 | #1

    Das übliche Wahlkampfgetöse, in dem in Griechenland wie immer vielen sehr viel versprochen wird und jeder Wahlkämpfer den starken Mann markiert. Selbst wenn Tsipras an die Macht käme und selbst wenn er einen weiteren Schuldenschnitt relativ schnell durchsetzen würde: Ohne weitere Verringerungen der Staatsausgaben und deutliche Steigerung der Investitionsattraktivität kann Griechenland nicht ohne permanente Neukredite überleben.

  2. ronald
    15. Dezember 2014, 14:08 | #2

    Alexis Zorbas (die Seilbahnszene) hat uns gelehrt: Getanzt wird nach dem Zusammenbruch und zwar gemeinsam. Der Text ist wie folgt anzupassen: „Iermanos, hast Du schon einmal etwas so fantastisch zusammenbrechen sehn?“

  3. H.Trickler
    15. Dezember 2014, 14:46 | #3

    Die Vorstellung dass die Gläubiger nach der Pfeife des Schuldners tanzen würden, ist blauäugig bezw. dumm. Natürlich kann Griechenland jederzeit und ohne die Gläubiger zu fragen den Staatsbankrott ausrufen. Das wäre schon vor Jahren am Beginn der Krise für die Regierung Papandreou möglich (und vermutlich sinnvoll) gewesen. Von diesem Punkt an sind die Gläubiger aber völlig frei, zu unternehmen was immer sie als zweckmässig erachten. Im Gegensatz dazu ist die Griechische Regierung dann sehr harten Liquiditäts-Problemen ausgesetzt. Natürlich kann sie Drachmen in beliebiger Menge drucken, aber die alles entscheidende Frage ist dann, zu welchem Kurs diese im Ausland überhaupt als Zahlung akzeptiert werden. Und gewisse Waren wie z.B. Oel und Benzin müssen importiert und dann im Voraus bezahlt werden. Ausserdem bleibt dann das Problem, dass für gewisse frühere Staatsanleihen vertragliche Verpflichtungen bestehen, welche bei einem derartigen einseitigen Konkurs nicht erlöschen. Alle solchen Fragen müssen gut überlegt sein, und die gegenwärtige Diskussion in den Medien ist viel zu oberflächlich!

  4. Roland Wolf
    15. Dezember 2014, 15:31 | #4

    Spielen wir die Szenarien doch mal durch.

    – Die neue Griechische Regierung droht glaubwürdig mit Ausstieg, die Gläubiger kalkulieren die Kosteneines solchen und machen ein Angebot das eine Streckung der Tilgung und eine Senkung der Zinsen einbringt. Kann klappen wenn keine Seite „zu hoch pokert“ und kann dann von beiden Seiten als Erfolg dargestellt werden. Problem verschoben auf St. Nimmerlein. Die Troika kann hier nicht zu weit nachgeben da sonst die anderen Staaten die vergleichbare Kredite erhalten haben ebenfalls Verbesserung fordern.

    – Die neue Regierung fordert einen Haircut, denn darauf hat sich Syriza weitestgehend festgelegt. In dem Falle stehen mindestens zwei Verhandlungspartner da die in Ihren Statuten diesen Fall nicht vorgesehen haben: den IWF und die EZB. Ich bezweifele dringend das die EU die Schulden Griechenlands beim IWF übernimmt und die EZB wird auch nicht mitmachen.
    In diesem Falle ist der Weg relativ klar. Griechenland stellt die Zahlungen ein (ganz oder teilweise). Die EZB stellt die Liquiditätshilfe ELA ein, die griechischen Banken werden insolvent, Griechenland tritt aus dem Euroraum aus.

    Ab hier wird es spannend, das ist bislang selten probiert wirden. Griechenland wird wieder die Drachme einführen, die wertet gegenüber dem Ausland erhablich ab. Jetzt könnte die Griechische Industrie und Landwirtschaft wie blöde exportieren rsp. den Inlandsmarkt versorgen. Die Frage ist nur-welche? Ohne respektlos klingen zu wollen, aber es gibt nicht so viel Industrie in Griechenland und Investoren zu finden wird nicht leicht. Darüber hinaus müssen bestimmt Produkte importiert werden, z.B. Öl und Gas. Das heisst das Griechenland einen erhebliche Inflation bekommt da diese Preise steigen. Das trifft die Einkommensschwachen natürlich am härtesten, während viele Reiche ihre Euros noch vor dem Zwangsumtausch ins Ausland verbringen.

    Ob das die beste Lösung ist weis ich nicht.

  5. Tok1969
    15. Dezember 2014, 23:08 | #5

    Es ist immer wieder spannend zu beobachten und zu lesen, welch grosses Gewicht dieses kleine unbedeutsame Land in der grossen Finanzwelt zu spielen scheint. Italien, Frankreich, Spanien, ja, auch schlimm, aber anscheinend kalkulierbar …! Was macht Griechenland aus, das 2% des europ. BSP erwirtschaftet? Es ist das Zuenglein an der Waage … um unsere Kanzlerin (sehr) frei zu zitieren: scheitert Griechenland (und die aufgezwungenen Massnahmen), dann scheitert Europa …! Lassen wir doch mal die Spielchen „was passiert wenn …“ aussen vor: bis jetzt ist von dem Prognostizierten auch nicht viel eingetreten! Waehlen wir also eine neue Partei, die nach neuesten Umfragen sogar Alleinregierend sein koennte … und was dann? Herr Tzipras mag das Lied anspielen, getanzt wird aber nach dem Motto: wer bezahlt, gibt den Ton an … und hier tanzen uns die Geldgeber auf unseren bekannt grossen Nasen herum! Ob ein weiterer Schuldenschnitt kommt oder nicht, ohne den Schulterschluss mit den eurp. Nachbarn ist Griechenland nicht ueberlebensfaehig. Es braucht langfristige Investitionen, die Bedienung des innlaendischen Binnenmarktes durch im Land produzierte Gueter und Waren – eine offene Exportwirtschaft in die Laender, die auch noch ordentliche Preise fuer gr. Produkte zahlen. Was nuetzt es, ein Embargo gegen das Land aufrecht zu ehalten, das gutes Geld fuer gute Produkte zu zahlen bereit war, und gleichzeitig verlangt die europ. Union, diese Produkte fuer einen Bruchteil dessen auf dem eurp. Markt zu veraeussern, aber gleichzeitig seiner Schuldentilgung in gleichbleibender Hoehe nachzukommen? Das ist das Futter, das diese Parteien benoetigen um auf sich aufmerksam zu machen … um das Misstrauen gegen die europ. Idee zu schueren und zu glauben, dass ein guter Redner das Ruder rumreissen koennte! Kann er aber nicht, koennen nur wir gemeinsam, unter dem Dach eines gemeinsamen Europas, das aber Luft zum Atmen und Leben lassen sollte.

  6. GR-Block
    16. Dezember 2014, 14:15 | #6

    „Griechenland könne die Gläubiger dazu bringen, nach seiner Pfeife zu tanzen.“ – Welch ein Schwindel! Die EU tanzt schon seit 2009 einen schwindelerregenden Reigen, deren Musik allerdings keiner hört, der nicht im Sinne-betäubenden Nebel des EURO-Lobbyismus steckt. In der Mitte des Reigens steht GR und sucht verzweifelt nach einem Ausweg. Die anderen Völker stehen nur tatenlos drumherum und freuen sich, nicht selbst in der Mitte zu stehen. Teils rufen sie Durchhalteparolen teils verbreiten sie Häme. Eines tut beides gleichzeitig und saniert währenddessen seine Finanzen: ausgeglichener Haushalt, Beschäftigung weit über 50%. Donnerwetter!!! welch eine „Union“.
    Dabei wäre das monetäre Problem GRs schon vor 5 Jahren zu lösen gewesen. Wenn doch nur der Maastrichtvertrag um eine Austrittsklausel erweitert worden wäre. Einem Land zu erlauben, seine Märkte vor Eindringlingen zu schützen, wäre ein leichtes gewesen und hätte nichts gekostet. Wollte die EU helfen, hätte sie die Privatwirtschaft in Schach gehalten, anstatt die Verschuldung einer ihrer Partnerregierungen innerhalb nur 5 Jahren zu verdoppeln, um diese zunächst auf die Griechen und später auf die anderen Völker zu verteilen.
    Eine Maßnahme, deren Durchführung auch heute noch nützlich wäre. Selbstverständlich geht es nur, wenn alle mitmachen. Stattdessen dem Austretenden mit dem berühmten Angebot aus „Der Pate“ zu konfrontieren, führt automatisch zur Shakespeare’schen Schicksalsfrage für ein 11 (von 500) Mio Volk. Die vorübergehende Herausnahme eines Teils der griechischen Märkte aus dem Binnenmarkt ist immer noch die einzig mögliche „Rettungsmaßnahme“. Die allerdings wird verhindert, weil sie keine langfristigen Kredite erfordert, also keinen nachhaltigen Zinsabfluss generiert. Die EU setzt allen Anschein nach auf das amerikanische Konzept des föderalen Staates für die damalige Bundesrepublik Deutschland. Große Monopole und wenig Selbständigkeit.
    Manche Bundesländer sammeln die Arbeitsplätze und die anderen stellen ihre Märkte zur Verfügung. Die Einen „verdienen“ doppelte Einkommen und die Anderen bekommen jedes Jahr einen Container mit Geldscheinen geschickt. Jetzt muss man dies nur noch ehrlich bekennen, Herr Schäuble. Dann aber bin ich sicher, dass der von Papandreou und Samaras verschüttete Wunsch der Griechen, aus dem Binnenmarkt auszutreten, mehrheitlich Unterstützung unter den 500 Mio EU-Landsleuten findet. Die 1 Mio Selbständigen werden sofort dabei. Es darf nicht sein, dass die Märkte eines EU-Teilvolkes den Hunden zum Fraß vorgeworfen wird, wenn diese nicht gleichzeitig die entsprechenden Arbeitsplätze zur Verfügung stellen wollen!
    Also liebe deutschen Landsleute: hört auf Geld zu schicken, legt euch bei einem Ouzo (geht auf’s Haus) auf die faule Haut und lasst die Griechen arbeiten. Sie sind ja sowieso produktiver (halber Lohn bei gleicher Arbeit und Ausbildung). Gebt von euren inzwischen 43 Mio (!) Arbeitsplätzen nur zwei Millionen nach GR. Das hätte für uns alle nur Vorteile: die Griechen generieren bei nur 12.000 € Jahresgehalt und 20% Einkommensteuer rund 4,8 Mrd. € mehr Steuereinnahmen pro Jahr. Das würde das Defizit mehr als überkompensieren und D und GR hätten beide 50% Beschäftigung. Den Rest der Zeit könnten sie sich teils in D, teils in GR gemeinsam bis zur Besinnungslosigkeit besaufen und Pentozali (fünf-Schritt-Schwindel) tanzen. Als EU-Inländer würden alle die selben Preise zahlen, anstatt als Touristen abgezockt zu werden und aller anderer EURO-Schwindel hätte endlich ein Ende.

  7. Feuerstein
    18. Dezember 2014, 04:30 | #7

    Warum sollte GR aus dem Euroraum austreten wenn die griechischen Banken insolvent werden? Gut, sicherlich könnten die griechischen Banken dann keine Euro mehr auszahlen, aber es gibt genug andere ausländische Banken in GR, die Bargeld auszahlen und der Onlineverkehr würde sowieso kaum betroffen sein. Ich denke die Einstellung der Zahlungen aus Europa würde ich Griechenland erstmal gar nicht viel ändern, das ist ein reines Drohszenario, denn das meiste Geld versickert doch sowieso in dunklen Kanälen oder wird für irgendeinen Unsinn ausgegeben. Demonstrativ würden eine zeitlang die öffentlichen Verkehrsmittel still stehen und es gäbe kein Benzin an den Tanken, bis man alternative Versorgungswege aus Syrien ode wo auch immer gefunden hat, da sind die Griechen erfinderisch und schnell. Wenn dann SYRIZA die Reeder dafür zur Kasse bittet ist auch die Bezahlung sichergestellt. Interessant wird es auf jedenfall …

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