Griechenland: Belagerung, Guthaben und … die Geldflieger der EZB

12. Dezember 2014 / Aktualisiert: 06. Februar 2017 / Aufrufe: 1.130

Die EZB wird bis auf weiteres die Liquidität der Banken in Griechenland sicherstellen und damit auch der erwarteten Kapitalflucht der Anleger und Sparer entgegen wirken.

Die Europäische Zentralbank wird in der Rolle des Garanten der Liquidität des griechischen Kreditwesens bleiben, sogar auch wenn es nötig sein wird, wieder Flugzeuge mit Bargeld zu schicken, damit die ATMs der Banken in Griechenland nicht leer werden.

Dies betonen Bankfunktionäre angesichts der wenigstens dreimonatigen „Belagerung“, in der sich die griechische Wirtschaft wegen der beschleunigten Wahl eines neuen Staatspräsidenten und der großen Wahrscheinlichkeit befinden wird, dass schon am 25 Januar 2015 vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden könnten.

Frage ist nicht der Umstand, sondern der Umfang der Kapitalflucht

Die heftige politische Unruhe, die nach der zweimonatigen Verlängerung des (regulär Ende 2014 auslaufenden) Memorandums und der Bekanntgabe der Beschleunigung der Verfahren für die Präsidentschaftswahl und der Festlegung des ersten Wahlgangs auf dem 17 Dezember 2014 ausbrach, ruft Erinnerungen an die Periode der doppelten Wahlen im Jahr 2012 wach, als die Griechische Bank und die Europäische Zentralbank einen speziellen Plan zur Umsetzung brachten, um dem Kapitalabfluss von den Banken mittels spezieller Entsendungen mit Bargeld beladener  Flugzeuge zu begegnen.

Auf den Kapitalmärkten ist die Tendenz hauptsächlich der ausländischen Investoren bereits sichtbar. Der Absturz der griechischen Börse am 10 Dezember 2014 mit einem Rückgang von über 11% um 14:00 Uhr und der Anstieg der Rendite der 10-jährigen griechischen Staatsanleihen auf 7,5% zeigen laut den Analytikern, dass die Investoren nicht von dem „guten“ Szenarium der Wahl eines Staatspräsidenten durch das gegenwärtige Parlament überzeugt sind, sondern als wahrscheinlichste Entwicklung das Fehlschlagen des Verfahrens und die umgehende Ausrufung vorgezogener Neuwahlen betrachten, aus denen – auf Basis der Meinungsumfragen – als stärkste Partei die SYRIZA hervorgehen wird.

Wie Bankfunktionäre meinen, haben die Sparer sich bisher nicht gesputet, auf die Entwicklungen zu reagieren, jedoch werden Befürchtungen zum Ausdruck gebracht, dass der Griechenland bevorstehende Zeitraum der Ungewissheit früher oder später zu dem Abzug von Geldern führen wird. Die Frage sei somit nicht, ob Guthaben abfließen werden, sondern wie groß die Flucht sein wird.

Die beiden „gefährlichen“ Kategorien von Anlegern, die bisher ihre Gelassenheit bewahren, sind jedenfalls die kleinen und mittleren Sparer, die einen Hang zur … Sicherheit der Matratzen haben, sowie die Finanzdirektoren der multinationalen Konzerne, die in Krisenzeiten ihre verfügbaren Mittel ins Ausland transferieren und mit einem Tastendruck Millionen bewegen.

Die SYRIZA darf sich nicht von Draghi erpressen lassen

Informationen zufolge werden die Griechische Bank und die EZB sich in dieser schwierigen Periode mit einem Hauptziel abstimmen, nämlich dass die Liquidität im System aufrecht erhalten wird. Der Beschluss zur Verlängerung des griechischen Programms (sprich Memorandums) um zwei Monate gestattet der EZB darin fortzufahren, den griechischen Banken, die bereits mehr als 40 Mrd. Euro geschöpft haben, Liquidität zu gewähren, ohne dass sich – bis auf weiteres – das Thema stellt, sich an den nationalen Mechanismus der „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA) zu wenden, der für die Banken höhere Kosten hat.

Es bestehen jedoch weiterhin ernsthafte Fragen bezüglich der Rolle der EZB in direkter Wechselbeziehung mit den politischen Entwicklungen. Wie wird beispielsweise die EU-Bank einer SYRIZA-Regierung begegnen, die in eine direkte Konfrontation mit den Gläubigern gerät? Wie Bankfunktionäre äußern, können bezüglich dieses Themas vorab keine Zusagen gegeben werden, da auch die EZB ihre Haltung analog zu den Entwicklungen bestimmt und jedenfalls aufhören wird, den griechischen Banken Liquidität zu gewähren, falls die zweimonatige Verlängerung des Memorandums verstreichen sollte, ohne dass eine Einigung / Vereinbarung (mit der Troika) zustande kommt.

In diesem Fall wird die Gewährung von Liquidität mittels des ELA fortgesetzt werden. Es wird sich jedoch nicht um eine sichere und gesicherte, sondern eine beständig der Widerrufung unterliegende Bereitstellung handeln, da der Vorstand der EZB die Möglichkeit hat, den Banken jederzeit den Geldhahn zuzudrehen. Dies wird allerdings natürlich keine leichte Entscheidung sein, da angenommen wird, dass eine solche Entwicklung Griechenland praktisch aus der Eurozone hinausbringen wird.

Der Wirtschaftsprofessor Yanis Varoufakis erklärte (gegenüber dem TV-Sender ANT1), die Übernahme der Regierung durch die SYRIZA könne zum Ergebnis haben, dass es in Griechenland ein Liquiditätsproblem geben wird. Konkret meinte er: „Die EZB kann den griechischen Banken ein Liquiditätsproblem schaffen. Sie hat es in Irland getan, sie hat es in Zypern getan.“ – und fügte an, die SYRIZA sei nicht wert, gewählt zu werden, wenn sie einer solchen Erpressung des Mario Draghi nachgeben wird. (An anderer Stelle meinte Varoufakis, Tsipras solle einfach das Telefon auflegen, falls Draghi ihn zu erpressen versuchen werde.)

(Quelle: sofokleous10.gr)

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  1. BravoZulu
    13. Dezember 2014, 23:39 | #1

    Herr Tsipras hat einen direkten Draht zu Oskar Lafontaine, der ihm den richtigen Umgang mit den Geldsäcken bereits beigebracht hat. Herr Tsipras weiß, wie man die EZB bei den Hörnen packen muss, um diese für seine Vorstellungen von der Abtragung der Kredite einsichtig zu machen. Man kann einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen. Da gibt es nichts zu holen.

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