Warnung vor Antibiotika-Missbrauch in Griechenland

26. November 2014 / Aufrufe: 3.190

Bei dem Konsum von Antibiotika liegt Griechenland in ganz Europa auf dem ersten Platz, gefolgt von Frankreich und Italien.

Griechenland wird bei der Resistenz vieler Bakterien gegen Antibiotika zum „Champion“ Europas erklärt und es ist absolut notwendig, dass es umgehend eine richtige Informierung und Verhaltensanpassung sowohl der Patienten als auch der Ärzte gibt, da anderenfalls Menschen hilflos durch Superbakterien sterben werden, die nicht „gezähmt“ werden können.

Dieses düstere Bild umreißt der – Daten aus 30 europäischen Ländern, darunter auch Griechenland umfassende – letzte Bericht des Europäischen Zentrums für Prävention von Krankheiten in Zusammenhang mit der Resistenz der Mikroben gegen die Antibiotika. Im Gespräch mit der Zeitung „Vima“ betont der Generaldirektor des ECDC, Dr. Marc Sprenger, Griechenland zeige bezüglich gefährlicher Bakterien wie Escherichia coli (E.coli), aber auch Klebsiella pneumoniaeein im Vergleich zu dem übrigen Europa ein Bild größerer Resistenz, was äußerst beunruhigend ist.

15% der Griechen nehmen Antibiotika ohne Rezept ein

Wie Dr. Sprenger konkret anführt, „zeigt sich in den Mittelmeerländer im Vergleich zu den übrigen Ländern Europas allgemein eine größere Resistenz gegen die Antibiotika, und dies steht – wie wir auch aus anderen Studien gesehen haben – mit dem exzessiven Gebrauch von Antibiotika in der Gemeinschaft in Zusammenhang. Der Antibiotika-Konsum in Ihrem Land ist der höchste in Europa und dieses ‚Warnglöckchen‘ muss in zwei Richtungen schlagen: sowohl in Richtung der Bevölkerung, die zu lernen schuldet, dass es keinen Sinn hat, wegen einer Erkältung Antibiotika einzunehmen, als auch in Richtung der Ärzte, die ihren Patienten nicht leichtfertig Antibiotika verschreiben dürfen„.

Oft werden natürlich die Ärzte umgangen und der Patient mit einer Erkältung oder Grippe bzw. allgemein mit viralen Erkrankungen, bei denen die Antibiotika nutzlos sind, besorgt sich das Antibiotikum aus der Apotheke. Eurobarometer hatte gezeigt, dass 15% der Bevölkerung in Griechenland sich Antibiotika ohne ärztliches Rezept aus der Apotheke besorgen, wogegen der europäische Durchschnitt 3% beträgt. „Während in den Ländern mit niedrigem Antibiotika-Konsum die Prozentsätze nicht über 10 – 15 DDD (definierte Tagesdosen) liegen und der europäische Durchschnittswert bei 22 DDD liegt, beträgt der entsprechende Anteil für Griechenland 32 DDD„, kommentiert Dr. Sprenger.

Krankenhaus-Bakterien „geht es blendend“

Und von der Gemeinschaft lassen wir uns zu den Krankenhäusern gehen, wo die Superbakterien einen großen „Feind“ darstellen und in Behandlung befindliche Patienten sogar auch das Leben kosten. „Was den Verbrauch von Antibiotika innerhalb der Krankenhäuser betrifft, befindet Griechenland sich bei dem europäischen Mittelwert von 2 DDD je 1.000 Einwohner pro Tag. Mit der Tatsache als gegeben, dass es jedoch den Krankenhaus-Bakterien innerhalb von Krankenhäusern ‚blendend geht‘, muss es eine Verbesserung auch auf dieser Ebene geben, mit allererster Aufgabe die Einhaltung der Hygieneregeln„, merkt der Direktor des ECDC an. Wie er sagt, liegt im benachbarten Italien, wo die Superbakterien ebenfalls „mähen“, die Resistenz des für viele Patiententode wegen Lungenentzündung „schuldige“ Klebsiella pneumoniae gegen Colistin (Antibiotikum der letzten Generation) in einer Größenordnung von 40%. „Obwohl wir nicht den konkreten Prozentsatz haben, liegen die Dinge auch in Griechenland höchstwahrscheinlich ähnlich.

Allgemein stellt laut Dr. Sprenger die Resistenz der Antibiotika eine ungeheure Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. „Jedes Jahr sterben in Europa 25.000 Menschen wegen der Antibiotika-Resistenz und in Griechenland sterben vielleicht Menschen wegen des gedankenlosen Konsums von Antibiotika. Die Dinge werden schlimmer, da es tatsächlich eine ungeheure Not hinsichtlich der Entwicklung neuer Antibiotika gibt – die Europäische Kommission finanziert sogar die Forschung nach neuen Antibiotika.“ Die Hauptlösung in diesem nach Menschenleben gezählten Problem ist jedoch, die bereits in unseren Händen befindlichen „Waffen“ nicht nutzlos zu machen. Weil keinerlei „Waffe“, auch die allerneueste nicht, fortan helfen können wird, wenn dieser exzessive Missbrauch von Antibiotika weitergeht.

Griechen sind Champions bei Antibiotika-Konsum

Im Thema der Verwendung von Antibiotika hält Griechenland einen traurigen Rekord. Zweite beim Verbrauch sind die Franzosen und dritte die Italiener. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass einer von vier Griechen Antibiotika einnimmt, ohne ein ärztliches Rezept zu haben. Viele nehmen wiederum Antibiotika ein, die ihnen von einer älteren Erkrankung in der Hausapotheke verblieben sind. Das Ergebnis dieses leichtsinnigen Verhaltens ist, dass die Mikroben gegen die weltweit im Umlauf befindlichen Antibiotika resistent werden und die Wissenschaftler keine Präparate zur Bekämpfung ernsthafter Infektionen in ihrem „Köcher“ haben.

Vorstehendes unterstrichen am vergangenen Donnerstag anlässlich des Europäischen Tags zur Information über die rationale Verwendung der Antibiotika (18 November 2014 ) die Generalsekretärin für öffentliche Gesundheit, Frau Christina Papanikolaou, die Leiterin des KEELPNO, Frau Jenny Kremastinou, die Professorin für Pathologie und Infektionen, Frau Eleni Giamarellou, der Professor Giorgos Daikos, die Assistenzprofessorin Anastasia Antoniadou und die Leiterin der Abteilung für mikrobielle Infektionen des KEELPNO, Frau Flora Kontopidou.

Gemäß den von ihnen an die Öffentlichkeit gegebenen Daten jüngster Untersuchungen haben in Griechenland einer von zwei Erwachsenen im vergangenen Jahr wenigstens einmal Antibiotika eingenommen. 16% der Befragten nehmen ein Antibiotikum ohne ärztliches Rezept ein und 10% nehmen das ein, was sie aus einem vorherigen Jahr zu Hause haben. Von den 25% der Befragten, die ein Antibiotikum einnahmen, ließen sich nachträglich ein ärztliches Rezept ausstellen.

36% der Befragten antworteten, in der Hausapotheke immer ein Antibiotikum für Notfälle zu haben. Die Spezialisten befürchten, dass dieser Anteil noch größer wäre, falls es nicht die wirtschaftliche Krise geben würde, da 7% im Jahr 2013 und 10% im Jahr 2014 antworteten, aus diesem Grund kein Antibiotikum für den Bedarfsfall zu Hause zu haben.

(Quelle: To Vima, To Vima)

  1. Hexe
    27. November 2014, 11:20 | #1

    Da es in den öffentlichen Krankenstationen und Krankenhäusern nicht einmal Seife zum Händewaschen auf den Toiletten gibt, und diese Einrichtungen einfach nur dreckig und schmutzig sind (ich spreche aus eigener Erfahrung), bleibt wohl nur die Abgabe von Antibiotika um schwere Infektionen zu vermeiden. Wenn diese nun nicht mehr nutzen, sollte man evtl. doch einmal über Seife und Putzeimer nachdenken. Die Alternative ist ansonsten nur eine: MRSA!

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