Hinweise zum obligatorisch bargeldlosen Zahlungsverkehr in Griechenland

5. Oktober 2014 / Aufrufe: 6.021

Hinweise zur Umsetzung des obligatorisch bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Griechenland bei Geschäftsvorgängen im Wert von über 500 Euro.

Mit einem Runderlass gibt das Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen (GGDE) in Griechenland Anweisungen in Zusammenhang mit der Verpflichtung zur bargeldlosen Zahlung bei Vorgängen, die sich auf den Kauf von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen im Wert von über 500 Euro beziehen, sofern ihre teilweise oder vollständige Begleichung nicht unter Nutzung eines Bankzahlungsmittel erfolgte, aber bei den Ausgaben eines Unternehmens abgesetzt werden soll.

Das signifikanteste mit dem Runderlass bekannt gemachte Element ist, dass im Fall, in dem es zwei Unternehmen mit gegenseitigen Forderungen gibt, nur jenes Geld bei der Bank einzahlt, das den größeren Betrag schuldet, nachdem vorher die erforderliche Verrechnung erfolgt.

Bargeschäfte gelten nicht automatisch als Scheingeschäfte

Wie bekannt ist, kann in Griechenland keinerlei Art von Ausgabe steuerlich abgesetzt werden, die sich auf den Kauf von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen aus dem In- oder Ausland im Wert von über 500 Euro bezieht, sofern die teilweise oder vollständige Bezahlung nicht unter Nutzung eine bargeldlosen Zahlungsmittels („Bankzahlungsmittels“) erfolgte. Außerdem gelten die unter Missachtung der Bestimmungen über die obligatorische bargeldlose Abwicklung getätigte Geschäftsvorgänge als illegal und den Beteiligten drohen empfindliche Sanktionen.

Unter die Bedeutung des Kaufs von Gütern und des Empfangs von Dienstleistungen fallen die Käufe von Rohstoffen und Hilfsmaterialien, Waren, Materialien, Investitionsgütern usw., die Ausgaben des Unternehmens jeder Natur und die Dienstleistungen jeder Natur, die das Unternehmen in Anspruch nimmt, unter der Voraussetzung, dass die Voraussetzungen des Artikels 22 des Gesetzes N. 4172/2013 erfüllt sind und sie nicht unter einen der übrigen Fälle des gegenwärtigen Artikels fallen.

Erfolgt die Begleichung der obigen Ausgaben nicht unter Nutzung eines Bankzahlungsmittels, stellt dies allerdings von sich allein hinsichtlich des Geschäftsvorgangs keine Vorspiegelung (eines Scheingeschäfts) dar und hat nicht die Festsetzung des Einkommens gemäß den Bestimmungen des Artikels 28 des selben Gesetzes zur Folge, sofern nicht auch andere Gründe einhergehen.

Der gesamte Wortlaut des in Rede stehenden Runderlasses (POL 1216) wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben.

POL 1216 – Bekanntmachung der Bestimmungen des Falls b‘ des Artikels 23 des Gesetzes N. 4172/2013

Wir geben Ihnen die Bestimmungen des Falls b‘ des Artikels 23 des Gesetzes N. 4172/2013 (FEK 167 A) in Zusammenhang mit der steuerlichen Absetzung oder nicht jeder Art von Ausgabe, die sich auf den Kauf von Gütern oder den Bezug von Dienstleistungen im Wert von über 500 Eur0 bezieht, sofern ihre teilweise oder vollständige Begleichung nicht unter Nutzung eines Bankzahlungsmittels erfolgte, und erteilen Ihnen die nachstehenden Anweisungen für ihre korrekte und homogene Anwendung:

1. Mit den Bestimmungen des Artikels 23 des N. 4172/2013 werden die Aufwendungen bestimmt, die von den Bruttoeinnahmen der eine unternehmerische Aktivität ausübenden natürlichen Personen sowie auch der juristischen Personen und Körperschaften abgesetzt werden können.

2. Spezieller wird mit dem Fall b‘ des obigen Artikels bestimmt, dass keinerlei Art von Ausgabe steuerlich absetzbar ist, die sich auf den Kauf von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen aus dem In- oder Ausland im Wert von über 500 Euro bezieht, sofern die teilweise oder vollständige Bezahlung nicht unter Nutzung eines Bankzahlungsmittels erfolgte.

Für die Anwendung dieses Falls fallen unter die Bedeutung des Kaufs von Gütern und des Empfangs von Dienstleistungen die Käufe von Rohstoffen und Hilfsmaterialien, Waren, Materialien, Investitionsmitteln usw., die Ausgaben des Unternehmens jeder Natur und die Dienstleistungen jeder Natur, die das Unternehmen in Anspruch nimmt, unter der Voraussetzung, dass die Voraussetzungen des Artikels 22 des N. 4172/2013 erfüllt sind und sie nicht unter einen der übrigen Fälle des gegenwärtigen Artikels fallen.

Die Begleichung der obigen Ausgaben ohne die Nutzung eines Bankzahlungsmittels stellt für sich allein hinsichtlich des Geschäftsvorgangs keine Vorspiegelung dar und hat nicht die Bestimmung des Einkommens gemäß den Bestimmungen des Artikels 28 des selben Gesetzes zur Folge, sofern nicht auch andere Gründe einhergehen.

3. Es wird klargestellt, dass die Voraussetzung dieses Fall (Begleichung unter Nutzung eines Bankzahlungsmittels) für die nachfolgenden Kategorien von Ausgaben nicht erforderlich ist:

  1. Gehälter, Tagelöhne an Beschäftigte, Bezüge an Direktoren oder Mitglieder des Vorstands einer Gesellschaft oder jeder anderen juristischen Person oder juristischen Körperschaft, außerordentliche Zahlungen an Beschäftigte, an Angestellte gezahlte über die vertraglichen oder gesetzlichen Bezüge hinausgehende Vergütungen und von dem Arbeitgeber an den Arbeitnehmer feste monatliche Vergütungen, die einen verdeckten Lohnzuschlag darstellen, da die obigen Ausgaben sich nicht auf die Inanspruchnahme von Dienstleistungen, sondern die Erbringung von Lohnarbeit handelt.
  2. Mieten für Immobilien, da es sich nicht um eine Inanspruchnahme von Dienstleistungen, sondern die Nutzung eines Mietobjekts handelt (Kapitalertrag für den Vermieter, s. Artikel 39 N. 4172/2013).
  3. Zinsen für verwandte Ausgaben, sofern sie nicht die begrifflichen Charakteristika der Dienstleistungserbringung beinhalten.

Als Transaktionswert wird der Nettobetrag des Wertes des Geschäftsvorgangs vor MwSt. berücksichtigt.

4. Als Bankzahlungsmittel zum Zweck der Umsetzung der veröffentlichten Bestimmungen versteht sich:

  • Einzahlung auf ein Bankkonto des Lieferanten, entweder in bar oder per Transfer zwischen Konten (Überweisung).
  • Verwendung von Kredit- oder Debit-Karten der Firma, welche die Zahlung durchführt.
  • Ausstellung eines Bankschecks des Unternehmens oder die Abtretung von Schecks Dritter.
  • Verwendung von Wechseln, die per Bank beglichen werden.
  • Verwendung einer Post- / Expressanweisung oder Einzahlung auf ein Zahlungskonto der griechischen Postbank.

5. Falls Anzahlungen auf den Wert der zu kaufenden Güter oder Dienstleistung geleistet wird oder wenn Teilzahlungen erfolgen, die sich auf Geschäftsvorgänge in Gesamthöhe von über 500 € beziehen, ist die Nutzung eines Bankzahlungsmittels unabhängig von dem Betrag jeder partiellen Zahlung oder Anzahlung erforderlich.

6. Falls die Vertragsgegner gleichzeitig Lieferanten und Kunden sind, ist gestattet, dass zu beiderseitigen logistischen Verrechnungen schreiten, sofern dies nicht gegen die Bestimmungen anderer Gesetze ist. Ist die nach der Verrechnung verbleibende Differenz größer als 500 Euro, ist ihre Begleichung mittels eines Bankzahlungsmittels erforderlich, damit die Gesamtheit der Käufe anerkannt wird. Das selbe gilt auch im Fall des Verkaufs von Gütern zwischen zur Dokumentierung von Geschäftsvorgängen Verpflichteter per „Tausch“.

7. Ebenfalls wird klargestellt, dass auch im Fall des Verkaufs von Gütern oder Dienstleistungen im Wert von über 500 Euro für Rechnung eines Dritten die partiell oder vollständige Begleichung ausschließlich und allein per Bankzahlungsmittel zu erfolgen hat. Der Vertreter – Beauftragte muss also per Bankzahlungsmittel bezahlt werden und das Produkt (den Betrag) des Verkaufs unter Verwendung eines Bankzahlungsmittel an seinen Auftraggeber abführen, sofern sich je Abrechnung, nachdem er die ihm zustehende Provision abzieht, ein Betrag von über 500 Euro ergibt.

8. Im Fall von Geschäftsvorgängen, die an Tagen und zu Zeiten außerhalb der Geschäftszeiten der Banken stattfinden, oder falls aus objektiven Gründen die Begleichung mit einem Bankzahlungsmittel nicht möglich ist und bar gezahlt wird oder Wechsel übergeben werden, die außerhalb des Banksystems beglichen werden, muss, damit die Aufwendung bei den Ausgaben des Unternehmens steuerlich abgesetzt werden kann, ist die Firma, welche die Dienstleistung erbringt oder die Güter verkauft, verpflichtet, innerhalb von zwei (2) Werktagen ab der Ausstellung des Belegs (Barzahlungsquittung oder Beleg über den Erhalt von Wechseln außerhalb des Banksystems) den eingenommenen Barbetrag auf ein von ihr bei jeder beliebigen anerkannten Bank oder einem Kreditinstitut geführtes Konto einzuzahlen. Der Grund für das Unvermögen zur Begleichung unter Nutzung eines Bankzahlungsmittels ist auf dem gemäß der Verordnung über die Dokumentierung von Geschäftsvorgängen (KFAS) anzuführen und durch jedes geeignete Mittel nachzuweisen.

9. Im Fall des Warenkaufs mit der Methode der Nachnahme – Courierzustellung, wo der Courierdienstleister (Transportführer – „Kassierer für Rechnung Dritter“) den Transport von Gegenständen, Postpaketen usw. bei gleichzeitiger Entgegennahme – bei deren Übergabe – ihres Kaufpreises übernimmt, und im weiteren Verlauf die eingenommen Beträge an seinen Auftraggeber nicht je einzelnen Kunden (was wegen der Anzahl der bedienten Kunden praktisch unmöglich ist), sondern in einer Gesamtzahlung abführt, stellt – damit die Geschäftskunden in Umsetzung der obigen Bestimmung die Beträge dieser Aufwendung absetzen können und angesichts der Tatsache, dass diese Geschäftsvorgänge nicht namentlich je aufgewendeten Betrag erscheinen – die Zustellungsfirma zum Zeitpunkt des Erhalts der Barzahlung oder der Entgegennahme der Orderpapiere den von der KFS vorgesehenen Zahlungsbeleg aus, auf dem die vollständigen Daten des Kunden (Steuer-ID, Firmierung, Vor- und Nachname, Anschrift, Kontakttelefon) angeführt sind, und ist verpflichtet, die Gesamtbeträge innerhalb von zwei (2) Tagen ab der Ausstellung des Belegs auf ein Bankkonto der Gesellschaft einzuzahlen. Am Jahresende ist die Gesellschaft verpflichtet, eine Abrechnung mit den aufgewendeten Beträgen je (zur Dokumentation seiner Geschäftsvorgänge verpflichteten) Kunden auszustellen und auch die Nummer des Kontos anzuführen, auf das die Einzahlung erfolgte.

Das Vorstehende kommt auch in den Fällen zur Anwendung, in denen die Transaktionen über Handelsvertreter oder Kassierer usw. erfolgen.

10. Es wird betont, dass die Aufwendungen, die innerhalb des Steuerjahrs getätigt worden, jedoch nicht innerhalb dieses Jahrs beglichen worden sind, hinsichtlich ihrer Absetzungsfähigkeit in dem Steuerjahr endgültig beurteilt werden, in dem ihre Begleichung stattfindet. Falls im Jahr der Begleichung festgestellt wird, dass diese Aufwendungen ohne die Nutzung eines Bankzahlungsmittels beglichen wurden (z. B. in bar), ist das Unternehmen verpflichtet, eine modifizierende Deklaration für das Jahr abzugeben, in dem die Transaktion getätigt wurde, und die Beträge dieser Aufwendungen als positive logistische Differenz hinzuzufügen.

11. Unter die berücksichtigten Fälle fallen auch die Fälle der Begleichung von Ausgaben, die sich auf den Kauf von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen von Personen beziehen, die nicht zur Ausstellung eines Belegs gemäß der KFAS verpflichtet sind (§5 Artikel 6 der KFAS).

12. Das Vorstehende kommt gemäß § 2 des Artikels 72 des wie geltenden N. 4172/2013 auf Aufwendungen zur Anwendung, die sich auf Steuerperioden beziehen, die ab dem 01.01.2014 und nachfolgend beginnen.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

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  1. Dieter Sendker
    6. Oktober 2014, 15:54 | #1

    Wie sollen denn die Firmen bargeldlos bezahlen, wenn deren Konto gepfaendet wurde und sie auch keinen Zugriff auf eingehende Betraege haben?

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