Griechenland: der Stich des Skorpions …

26. Oktober 2014 / Aufrufe: 1.177

Der Stich des Skorpions – alias der Regierung Samaras in Griechenland – und die gerissene Falle für die SYRIZA.

Es ist wie in der Anekdote mit dem Skorpion (siehe weiter unten), der den Frosch sticht, der ihn auf seinem Rücken ans andere Flussufer bringt, und dem Frosch kurz bevor sie beide untergehen sagt: „Ich weiß, dass auch ich sterben werde, aber ich konnte nicht anders und musste Dich stechen. Es liegt in meiner Natur.

Premierminister Antonis Samaras wollte sich vorgestern (24 Oktober 2014) aus Brüssel der SYRIZA öffnen: „Jetzt, wo wir die Gratulationen der Europäer erhalten, denke ich, dass es für Griechenland signifikant und sicher wäre, wenn es zumindest in einem gewissen Grad eine minimale Zustimmung der Opposition gäbe„, meinte Herr Samaras, konnte sich jedoch nicht lange zurückhalten und fuhr fort: „Stattdessen sehe ich eine absolute Verweigerung, und das einzige, was man tun kann, ist, die Einwände jeder Komponente (der SYRIZA) zu dechiffrieren.

Samaras gibt den Gläubigern eine weitere Waffe in die Hand

Die Wahrheit ist, dass der Premierminister keinerlei ehrliche Absicht hegte, einen Verständigungskanal zu der Opposition zu öffnen, zumal auch letztere kein entsprechendes Interesse zeigt. Diese Öffnung erfolgte, um den Europäern etwas vorzuspielen, bei denen Samaras sein Bild zu reparieren versucht, das auch durch die Abenteuerlichkeiten bezüglich einer Loslösung von dem Memorandum und dem darauf folgenden Mini-Krach ramponiert wurde. Die Gläubiger halten den Wahlsieg der SYRIZA inzwischen für gegeben und betrachten wohlwollend jeden Zug einer Verständigung, welche die Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen auch durch die nächste Regierung sicherstellen würde.

Falls es hier einen giftigen Stich des Skorpions geben wird, wird sich dieser nämlich nicht auf die parteiübergreifende Einigung in Griechenland, sondern auf die neue Vereinbarung beziehen, welche die (derzeitige) Regierung mit den (europäischen) Partnern abzuschließen versucht. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Kreditlinie, aus der Griechenland Geld schöpfen kann, aktiviert werden wird, falls das Land sich nicht über die Märkte zu finanzieren vermag, ohne dies selbst verursacht zu haben. Zeigt jedoch die neue griechische Regierung volkswirtschaftliche Disziplinlosigkeit und eine Lockerung bei den Reformen, wird dann – laut der Aussage Berlins – der Hahn zugedreht oder jedenfalls angedroht werden, dass er zugedreht werden könnte (mehr in der Analyse: Nun nennen sie es „Räson“).

Win-Win-Situation für Samaras und Gläubiger

Es ist nicht sicher, dass es zu einer endgültigen Vereinbarung kommen wird, da vorher die Bewertung durch die Troika und die getreue Umsetzung der Vereinbarungen anstehen, die nach dem ungeordneten Rückzug der Regierung Samaras bei dem heroischen Ausstieg aus dem alten Memorandum nun von den Gläubigern gebieterisch verlangt wird. Jedenfalls dient das neue Memorandum – weil es sich um ein solches handeln wird, wenn auch unter anderer Bezeichnung – den Interessen beider Seiten:

Die Regierung Samaras wird es im Inland als Ende der Memoranden und Vereinbarung über den Rückzug des IWF verkaufen, dessen weitergehende Anwesenheit als „technische Hilfe“ zu präsentieren versucht wird. In dem sehr wahrscheinlichen Fall der vorgezogenen Neuwahlen wird die Regierung das Wahldilemma auf diese Vereinbarung setzen. Vorher werden sie vielleicht versuchen, die Vereinbarung  in der Hoffnung auf einen Schulterschluss auch mit fraktionslosen Abgeordneten noch durch das (derzeitige) Parlament zu bringen, sozusagen in einer Vorpremiere – unter günstigeren Bedingungen – der (spätestens Mitte Februar 2015 anstehenden) Abstimmung über den neuen Staatspräsidenten.

Die Europäer wiederum würden natürlich vorziehen, dass auch die SYRIZA der neuen Vereinbarung zustimmt, daher auch die augenscheinliche Öffnung Samaras‘. Unter Berufung auf eine frische Vereinbarung mit Griechenland – und zwar ohne den „bösen“ Namen des Memorandums – werden sie in der Verhandlung mit einer Regierung der Linken jedenfalls eine weitere starke Waffe in ihren Händen haben.

(Quelle: tvxs.gr, Autor: Stelios Kouloglou)

Der Skorpion und der Frosch

Es war einmal ein Skorpion, der sich an einem warmen Tag auf der Suche nach Nahrung in der Mittagshitze weit von seinem Nest entfernt hatte und den Rückweg nicht mehr finden konnte. Auf seiner Suche nach einem neuen Pfad gelangte er an dem Ufer eines Flusses an und erkannte auf der anderen Seite sofort die Stelle, an der sein Nest lag. Es gab jedoch ein Problem, er konnte nämlich nicht schwimmen!

Die Lösung ließ nicht lange auf sich warten, es näherte sich ein Frosch, dem der Skorpion zurief:“Bitte hilf mir, ich kann nicht mehr weiter, die Hitze hat mich erschöpft und meine Familie befindet sich dort drüben, bitte bring mich auf die andere Seite.“ Daraufhin entgegnete der Frosch: „Ausgeschlossen! Du bist ein Skorpion, wenn ich mich Dir nähere, wirst Du mich stechen.“ Der Skorpion erwiderte: „Nein, nein, ich werde es nicht tun, ich verspreche Dir, Dich nicht stechen zu werden, wenn Du mich huckepack nimmst und mir hilfst, ans andere Ufer zu kommen.

Und so lud sich der Frosch schließlich den Skorpion auf den Rücken und begann zu schwimmen. Als er die Strecke fast zurückgelegt hatte, Stach ihn der Skorpion auf einmal. Völlig entgeistert meinte der Frosch zu dem Skorpion: „Hey! Du hast mich gestochen, nun werden wir beide sterben. Du hattest mir doch versprochen, mich nicht stechen zu werden!“ – woraufhin ihm der Skorpion entgegnete: „Aber als Du mich huckepack nahmst, wusstest Du doch, was ich war, es ist nicht meine Schuld, es ist meine Natur!

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