Griechenland: Armut macht fett

24. Oktober 2014 / Aufrufe: 836

Eine wissenschaftliche Studie in Griechenland zeigt, dass Kinder ärmerer Familien häufiger übergewichtig oder fettleibig sind.

Die wirtschaftliche Krise, in der die Griechen leben, führt wegen der Aufnahme kalorienreicher billiger Nahrung zu einem Anstieg des Körpergewichts, was wiederum zum Ergebnis hat, dass die Gesundheit einem erhöhten Risiko ausgesetzt wird.

Laut den Daten der europäischen Abteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Griechenland in der EU mit den höchsten Anteilen bei der Kinderfettleibigkeit den traurigen Spitzenplatz inne.

Die Gesundheit der morgigen Erwachsenen ist gefährdet

Wie die Vertreter des Griechischen Ärzteverbands für Fettleibigkeit (EIEP bzw. HMAO) anlässlich der Woche zur Sensibilisierung gegen die Fettleibigkeit (21 – 26 Oktober 2014) anführten, wird zum ersten Mal in einer Studie die Auswirkung der wirtschaftlichen Krise auf die Familiengesundheit dargestellt und das Ergebnis ist äußerst beunruhigend, da ein Anstieg der Kinderfettleibigkeit bei niedrigen Familieneinkommen beobachtet wird.

Auf das Verhältnis zwischen der Kinderfettleibigkeit und dem Familieneinkommen bezog sich Georgios Valsamakis, Endokrinologe und Vorstandsmitglied der EIEP. Gemäß den von ihm präsentierten Daten war der Körpermasseindex bzw. Body-Mass-Index [BMI = Gewicht : (Körpergröße in m)²] bei Jungen im Alter von 7 Jahren und einem festgestellten jährlichen Familieneinkommen von unter 12.000 Euro 18,1, während er bei Gleichaltrigen bei einem Einkommen von 30.000 Euro oder mehr 17,7 betrug. Entsprechend betrug der BMI bei Mädchen, die in Familien mit einem Jahreseinkommen von unter 12.000 Euro lebten, 17,83, während er bei Gleichaltrigen bei einem Einkommen von 30.000 Euro oder mehr 15,75 betrug. Der Fettleibigkeitsanteil bei 7 Jahre alten Jungen betrug 25,5% bei einem Familieneinkommen von unter 30.000 Euro und 6,7% bei 30.000 Euro und mehr, die entsprechenden Anteile bei den Mädchen waren 26,4% bei einem Familieneinkommen von unter 30.000 Euro und 12,5% bei einem Einkommen von 30.000 Euro und mehr.

Der Griechische Ärzteverband für Fettleibigkeit trug in Zusammenarbeit mit der Alexander-TH Thessalonikis Daten zusammen, die sich auf insgesamt 5.682 Kinder im Alter von 7 und 9 Jahren an 150 Schulen in ganz Griechenland bezogen, und aus der Auswertung der Daten ergab sich, dass 48,9% der Jungen und 44,8% der Mädchen der 2. Grundschulklasse ein Gewicht über dem Normalgewicht aufweisen, während die Anteile in der 4. Grundschulklasse bei den Jungen auf 57,2% und bei den Mädchen auf 50,0% steigen. „Der hohe Anteil der Kinderfettleibigkeit muss den Staat, die Gesundheitsträger, das Gesundheitspersonal, die Lehrkräfte, die Eltern und alle mobilisieren, die vermögen, den Orkan der Kinderfettleibigkeit zu stoppen, da die Gesundheit der morgigen Erwachsenen mit allen vorhersehbaren Folgen sehr gefährdet ist“ führte der Generalsekretär des EIEP, Evthymios Kapatanis an.

Angesicht der beunruhigenden Dimensionen, welche die Fettleibigkeit in Griechenland angenommen hat, veranstaltet der EIEP auch in diesem Jahr die „Woche gegen die Fettleibigkeit“ mit dem Ziel, das Publikum dahingehend zu informieren und zu sensibilisieren, dass die Fettleibigkeit eine Krankheit ist und ihr auf geeignete wissenschaftliche Weise als Krankheit zu begegnen ist.

EYZIN: 3 von 10 Kindern sind übergewichtig oder fettleibig

Wie aus den Ergebnissen des Programms „Nationale Gesundheitsaktion für das Leben der jungen Leute“ (EYZIN) für das Schuljahr 2013 – 2014 hervorgeht, sind in Griechenland wenigstens drei von zehn Kindern übergewichtig oder fettleibig. Konkreter wurden 23,6% der Jungen und 23,3% der Mädchen als übergewichtig und entsprechend 11,2% der Jungen und 9,6% der Mädchen als fettleibig eingestuft. An der Untersuchung nahmen insgesamt 473.665 Schüler an 4.792 Schulen des Landes teil.

Das Problem der Übergewichtigkeit wurde hauptsächlich bei den Altersgruppen von 8 – 11 Jahren festgestellt, wobei fast vier von zehn vor dem Beginn der Pubertät stehenden Schülern übergewichtig oder fettleibig sind. Die Verwaltungsbezirke Griechenlands mit den höchsten Anteilen übergewichtiger oder fettleibiger Kinder waren Süd-Ägäis (38,8%), Nord-Ägäis (36,7%) und Kreta (36,2%), während die niedrigsten Anteile in den Bezirken Westgriechenland (30,5%), Thessalien (32,3%) und Epirus (32,6%) beobachtet wurden.

In Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten der Kinder schien ein großer Anteil der Schüler des Landes (63,6%) in einem hohen Grad von dem Ernährungsmodell der mediterranen Diät entfernt zu sein, ohne dass sich signifikante Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, aber auch zwischen den Schülern verschiedener Bezirke des Landes erweisen. Bemerkenswert ist, dass von der Grundschule zum Gymnasium progressiv immer weniger Schüler an der mediterranen Diät festzuhalten scheinen, sowohl bei den jungen (Rückgang um 18,3%) als auch bei den Mädchen (Rückgang um 23,6%).

Nur die Hälfte der Schüler sind hinreichend körperlich aktiv

Zusätzlich zeigte gerade einmal die Hälfte der Schüler des Landes (54,9%) ein zufriedenstellendes Niveau körperlicher Aktivität, während ungefähr 25% der Jungen und 30% der Mädchen erklärten, außer an den innerhalb der Schule vorgesehenen an keiner anderen sportlichen Aktivität teilzunehmen. Der Anteil der körperlich aktiven Jungen erwies sich im Verhältnis zu dem entsprechenden Anteil der Mädchen höher (62,5% gegenüber 47,1%), jedoch zeigte sich, dass sie zu einem höheren Anteil (28,1%) im Vergleich zu den Mädchen (21,5%) die gestattete Zeit von täglich 2 Stunden mit sitzenden Tätigkeiten verbrachten (Fernsehen, PC, elektronische Spiele usw.).

Die Ergebnisse für das Schuljahr 2013 – 2014 gleichen in einem hohen Grad denen des vorhergegangen Jahres, wo sich drei von zehn Schülern als übergewichtig oder fettleibig erwiesen, während wieder ein großer Anteil (60,9%) erheblich von dem Ernährungsvorbild der mediterranen Diät entfernt zu sein und kein befriedigendes Niveau körperlicher Aktivität (33,6%) zu haben schien.

Anlässlich des Welttags gegen die Fettleibigkeit (24 Oktober 2014) stellt das Programm EYZIN an den Schulen Informationsmaterial mit dem Ziel bereit, die Schüler in Themen einer ausgewogenen Ernährung und körperlicher Betätigung, der Förderung ihrer optimalen körperlichen Entwicklung und der Prävention bezüglich des Phänomens der Kinderfettleibigkeit zu sensibilisieren.

(Quelle: in.gr, in.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. holger
    24. Oktober 2014, 10:12 | #1

    Kohlenhydratreiche und fleischhaltige Fertignahrung aus dem Discounter ist billiger als die Zutaten für eine selbst gekochte ausgewogene Mahlzeit. Gleiches Phänomen in der amerikanischen Unterschicht. Die Hamburger, Pizzen, etc. aus grossindustrieller Fertigung ist billiger wie Gemüse und Obst.

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