Die Wahrheit hinter den Stresstest der Banken in Griechenland

30. Oktober 2014 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 2.005

Medien und Regierung in Griechenland feiern die erfolgreichen Stresstests der Banken, übergehen jedoch tunlich, dass 3 der 4 systemischen Banken durchgefallen sind.

Die griechischen Banken haben die Stresstests der Europäischen Zentralbank bestanden! So die Nachricht über – laut der Regierung der Beweis für – Griechenlands Erfolg. Es gibt allerdings zwei Aspekte, die eine Menge Fragen aufwerfen.

Der erste ist jener, der nur von den ausländischen Medien verbreitet wird – also dass nur eine der vier griechischen „systemischen“ Banken (Piräus, Nationalbank, Alpha, Eurobank) es schaffte, den Stresstest erfolgreich zu bestehen. Konkret nur die Alpha Bank. Die übrigen Banken „fielen durch“, was nicht in den griechischen Medien verbreitet wird, die das dynamische Szenarium berücksichtigen, also jenes, das die Umstrukturierungspläne der Banken und die innerhalb des Jahres 2014 erfolgten Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die EZB beruft sich dagegen auf Daten von Ende 2013.

Wie heiße Luft zu „Geld“ wird

Das dynamische – und optimistische – Szenarium kann jedoch angesichts der Tatsache nicht als gegeben betrachtet werden, dass immer die Möglichkeit besteht, entweder nicht umgesetzt zu werden oder – selbst wenn es angestrebt wird – nicht zu fruchten. Daher darf nicht die Möglichkeit unberücksichtigt bleiben, dass niemals 3,1 Mrd. Euro gefunden werden, die laut der EZB erforderlich sind, damit die Kapitalbedürfnisse der systemischen Banken gedeckt werden.

Der zweite Aspekt, der ebenfalls Fragen hervorruft, ist jener, den Yianis Varoufakis in seinem Artikel in Hot Doc beschrieb. Der Prüfer der EZB könnte – dem Druck nachgebend – über die leistungsgestörten Kredite hinwegsehen, schuldete jedoch, auch die Bücher der Banken zu prüfen um festzustellen, ob die übrigen Kredite und Kapitalbeträge in Ordnung sind. Bei einer formalen Kontrolle bei der Piräus Bank beispielsweise würde er feststellen, dass deren Umsätze im ersten Halbjahr 2014 sich auf 1.374 Mio. Euro beliefen. Darin enthalten sind auch 144 Mio. Euro, die sich gemäß den Unterlagen selbiger Bank aus Gewinnen ergeben, „die aus der Substituierung einer der beiden Kredite herrühren, die von der MIG (Marfin Investment Group) aufgekauft wurden, mittels einer von der MIG ausgegebenen Wandelanleihe„. Damit es verständlicher wird: Die MIG erscheint als eine Unternehmensgruppe, die von den Märkten unter Ausgabe einer neuen Wandelanleihe neues Kapital von 144 Mio. Euro schöpfen konnte, damit sie die von der Piräus Bank erhaltenen Kredite tilgt, welche die Piräus Bank bereits als leistungsgestört abgeschrieben hatte. Zweifellos ein riesiger Erfolg.

Diese neue Anleihe über 144 Mio. Euro war jedoch gleichzeitig von selbiger Piräus Bank ausgegeben und gekauft worden, was bedeutet, dass es sie praktisch nicht gibt. Es ist einfach nur ein „Rauchvorhang“, wie Yanis Varoufakis anmerkt, der in seinem Artikel das folgende Beispiel gibt um klar zu machen, was genau im Fall der Anleihe geschieht. Der Wirtschaftswissenschaftler schreibt: „Es ist, als ob ich auf einen Zettel schreibe, dem Besitzer dieses Zettels 144 Mio. Euro zu schulden, und danach schließe ich mit mir selbst eine Vereinbarung ab, dass ich mir diesen Zettel selbst abkaufen werde. Schließlich verkünde ich freudig der ganzen Welt, auf dem Markt 144 Mio. Euro geschöpft zu haben, die ich von meinen Buchhaltern sogar auch noch meinen diesjährigen Umsätzen hinzurechnen lasse!

Kapitaldeckung mit Millionengeschenken der Regierung

Ein weiteres Thema ist, wie und woher sich die ausreichende Kapitaldeckung der systemischen Banken ergibt. Die Piräus Bank beispielsweise stellte sich praktisch über Nacht ein, um Filialen der unter Auflösung stehenden zypriotischen Banken für ein Linsengericht aufzukaufen. Der Fall der Laiki Bank ist einer von denen, die weiterer Untersuchung bedürfen. Die Filialen dieser Bank in Griechenland wurden Anfang 2013 aufgekauft und Michalis Sallas, Präsident der Piräus Bank, erwarb den Charakter eines „Messias“, der das Banksystem rettete – und die Regierung ließ die Champagnerkorken knallen. Allerdings erwarb der Präsident und geschäftsführende Vorstand eine Bank, der er persönlich, aber auch Mitglieder seiner Familie Millionen Euro schulden. Dies ging aus einer Antwort der Zentralbank Zyperns an das zypriotische Parlament hervor, in der nicht mehr und nicht weniger angemerkt wurde, dass die Mitglieder der Familie des M. Sallas der Laiki Bank rund 112,5 Millionen Euro schulden. Es handelt sich um die berüchtigten Kredite, die Herr Sallas in der Vergangenheit erhalten hatte und – wie Hot Doc enthüllt hatte – für die Erhöhung des Aktienkapitals der Piräus Bank verwendet wurden.

Was all das Vorstehende bedeutet? Ganz einfach, dass M. Sallas für 524 Mio. Euro eine Bank kaufte, der er ¼ davon selbst schuldete und bekommen hatte, um seine eigene Bank zu finanzieren. Die Kredite der Familie Sallas waren jedoch nicht die einzigen, da zwei weitere Gesellschaften – die Sibadel und die Dimaline, mit letztendlichem Berechtigten den Funktionär der Piräus Bank, Herrn Tsatsopoulos, – Kredite in Höhe von 21,5 Mio. Euro erhalten hatten, und zwar mit einziger Sicherheit die Verpfändung von 12,8 Mio. Aktien der Piräus Bank.

Piräus Bank, das Lieblingskind des Systems

Die Piräus Bank ist eindeutig das geliebte Kind des Systems. Die Kapitaldeckung, die sie heute dazu führt, die Stresstests – laut den griechischen Medien – zu bestehen, ist fiktiv. Außer dem Aufkauf der zypriotischen Banken ist die Bank des M. Sallas in eine Reihe merkwürdiger Angelegenheiten verwickelt. Eine von diesen ist der Fall der Proton Bank. 2010 tritt die Piräus Bank auf, eine Erhöhung der Liquidität mittels dreier Offshore-Gesellschaften durchzuführen. Die drei Gesellschaften erhalten von der Proton Bank einen Kredit von 82 Mio. Euro, und die Gelder werden bei der Piräus Bank platziert. Somit zeigt die Bank eine fiktives Bild des Elans – in einer Periode, in denen sie von allen angezweifelt wird. Herr Lavrentis Lavrentiadis wiederum, in dessen Händen die „Bombe“ der Proton Bank explodierte, scheint die Bank zu einem hohen Preis aufgekauft und im weiteren Verlauf überproportionale Kredite an die Piräus Bank einzig und allein vergeben zu haben, um diese voller Schwung erscheinen zu lassen. Und all dies mit der stillschweigenden Vertuschung des ehemaligen Leiters der Griechischen Bank, Georgios Provopoulos, der versicherte, mit den griechischen Banken sei alles in Ordnung.

Der Fall der Proton Bank ist jedoch nicht der einzige. Ihm vorausgegangen war der skandalöse Aufkauf der Agrarbank (ATE) zum Preis von ungefähr 95 Mio. Euro – einem Betrag, der geringer war als auch nur eine einzige Immobilie der ATE kostete, und ebenfalls niedriger als das, was heute die Piräus Bank von der Tochtergesellschaft der ATE, sprich den Griechischen Zuckerwerken fordert. Dieses Thema endete sogar nicht dort, sondern die Regierung sorgte mit einer Novelle dafür, den Aufkauf als „Fusion“ zu taufen und der Piräus Bank rund 100 Mio. Euro an Steuern zu schenken, wie Hot Doc und Büchse der Pandora ebenfalls enthüllt hatten.

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  1. Friedrich Rousfeti
    30. Oktober 2014, 18:01 | #1

    Vielen, vielen Dank für diese exzellente Analyse, die zeigt, dass griechische Banker in der Premier League des internationalen Finanzsystems allemal mithalten können. kali nichta, EZB!

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