Warum Griechenlands Botschafter in Berlin zurücktrat

28. September 2014 / Aufrufe: 1.476

Griechenlands Botschafter in Berlin scheint zurückgetreten zu sein, weil er seine Pflicht ernst nahm und sich das Missfallen des Büros des Premierministers einhandelte.

Die Nachricht über den Rücktritt des griechischen Botschafters in Berlin begann seit Mittwochnachmittag 17:00 Uhr auf griechischen Webseiten zu kursieren. Mit der Deutschen Welle kommunizierend bestätigte Panagiotis Zografos etwas später, dass er am Morgen des selben Tages (24 September 2014) tatsächlich seinen Rücktritt eingereicht hat und seine Entscheidung endgültig ist.

Außerdem charakterisierte er die wie in einschlägigen Pressemeldungen angeführten Gründe für seinen Rücktritt, also dass er zurückgetreten sei, weil er angeblich über die Erklärungen verstimmt sei, die Staatspräsident Karolos Papoulias bei seinem neulich erfolgten Besuch in Berlin abgegeben hatte, als unwahr.

Die Rücktrittsgründe wurden allein dem Außenministerium mitgeteilt

Herr Papoulias hatte die Tatsache kritisiert, dass das im Bau befindliche Gebäude der griechischen Botschaft, das 2012 fertig gestellt worden sein müsste, immer noch nicht vollendet ist. Wie Panagiotis Zografos gegenüber der Deutschen Welle betonte, wenn er über die Äußerungen des Staatspräsidenten verstimmt gewesen wäre, hätte er seinen Rücktritt unmittelbar nach den Erklärungen des Staatspräsidenten und nicht erst jetzt eingereicht. Abgesehen davon habe er selbst keinerlei Zuständigkeit für den Verlauf der Arbeiten, direkt verantwortlich sei Athen.

Herr Zografos dementierte ebenfalls, sein Rücktritt hänge mit dem Umstand zusammen, dass er nicht an den Gesprächen teilnahm, die der griechische Premierminister Antonis Samaras am Dienstag (23 September 2014) in der deutschen Hauptstadt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel führte. Weiter stellte er klar, dass er darüber hinaus keine weitere Erklärung abzugeben besichtigt. Die Gründe für seinen Rücktritt werden in dem Schreiben angeführt, das er an das Außenministerium und nur an dieses geschickt hat.

Die „Merkwürdigkeiten“ des Besuchs Samaras‘ in Berlin

Der heute 60-jährige Panagiotis Zografos ist seit 38 Jahren im diplomatischen Corps. Er war politischer Direktor im Außenministerium und viermal Botschafter. In Berlin befindet er sich seit April 2013 und seine Amtszeit wäre im Frühjahr 2015 ausgelaufen, wurde jedoch bis August 2015 verlängert, wo er dann auch aus dem Dienst ausgeschieden wäre. Die Dinge kamen jedoch anders und zumindest für ihn selbst nicht überraschend.

Herr Zografos steht nicht in dem Ruf, „hitzige“ Entscheidungen zu treffen, und gilt auch nicht als jemand, der anlässlich allein eines einzigen Vorfalls an dem Punkt angelangen könnte, seinen Rücktritt einzureichen. Außerdem ist er sich völlig des Widerhalls bewusst, den der Rücktritt eines griechischen Botschafters in Berlin in kritischen Zeiten wie heute sowohl in Griechenland als auch in Deutschland hervorrufen würde. All dies zog er sicherlich in Berücksichtigung, bevor er seinen Entschluss fasste. Aus diesem Grund ist zu akzeptieren, dass seine Nichtteilnahme an dem Treffen Merkel – Samaras nicht der Grund für den Rücktritt war. Was war jedoch der Anlass?

Wie üblich wohnt der Botschafter den Begegnungen der griechischen politischen Führung in dem Land bei, in dem er sein Amt wahrnimmt, unter Ausnahme von Fällen, in denen die Begegnungen auf persönlicher Ebene erfolgen. Im vorliegenden Fall hatte Herr Samaras kein Tête-à-Tête mit Frau Merkel, da er von seinen Beratern Chrysanthos Lazaridis, Stavros Papastavrou, Stavros Vasilopoulos und dem Leiter der Organisation für die Verwaltung der öffentlichen Verschuldung, Stelios Papadopoulos, begleitet wurde. Normalerweise hätte also auch Herr Zografos beiwohnen müssen, angesichts der Tatsache, dass – abgesehen von der befolgten steten Praxis – er ein ausgezeichneter Kenner des politischen Geschehens in Deutschland ist und vertrauliche Beziehungen zu der deutschen Regierung pflegte.

Zografos hatte beizeiten vor dem ungünstigen Klima in Berlin gewarnt

Warum sollte also der erfahrene Diplomat nicht mit einbezogen werden, der abgesehen von allem anderen auch ein Vetter zweiten Grades des Premierministers ist? Die Antwort steht wahrscheinlich mit der Information in Zusammenhang, Panagiotis Zografos habe sich in Berlin das Missfallen des Büros des Premierministers zugezogen, weil – wie ihm angelastet wurde – er kein befriedigendes Bild über die deutschen Absichten hinsichtlich der Begegnung mit Angela Merkel geboten habe. Es wird sogar von einer „verbalen Auseinandersetzung“ zwischen Chrysanthos Lazaridis und Herrn Zografos im Hotel Hilton gesprochen.

Und an diesem Punkt lief für den griechischen Botschafter das Glas wahrscheinlich über. Laut recherchierten Informationen der Deutschen Welle hatte Herr Zografos das Büro des griechischen Premierministers schon vor einiger Zeit schriftlich informiert, dass die herrschende Atmosphäre in Berlin nicht für einen Besuch geeignet sei und der Premierminister keine öffentliche Unterstützung der Kanzlerin zu erwarten habe. Herr Zografos hatte eine Verschiebung der Reise empfohlen, und zwar konkret auf ein Datum nach der Bildung der Kommission. Seine Überlegung war, dass mit einem Präsidenten Jean-Claude Juncker und einer Kommission die griechischen Forderungen auf eine überzeugendere Weise unterstützt werden und größeren Anklang bei der Kanzlerin finden könnten Das Megaro Maximou (sprich die Regierungszentrale) urteilte jedoch aus seinen eigenen Gründen, der Besuch müsse jetzt erfolgen. Mit den bekannten Resultaten.

(Quelle: Deutsche Welle, Korrespondent: Panagiotis Kouparanis)

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  1. Ronald
    28. September 2014, 03:37 | #1

    Mit dem „Feindbild Deutschland“ geht in Griechenland bedauerlicherweise auch die Überbewertung Deutschlands in Bezug auf das Memorandum und die weiteren Hilfen bzw. Erleichterungen für Griechenland einher. Ich wiederhole mich: Vor dem Hintergrund des Erstarkens eurokritischer Parteien (wie der AFD) ist bei Merkel einfach nichts zu holen. Genau wie Samaras will sie ihre Macht erhalten, und die deutsche Wählerschaft ist gegen Zugeständnisse an Griechenland (bzw. die griechische Politik). Der Weg zur Tochter führt über die Mutter und der Weg an Gelder, Hilfen und Erlechterungen durch die EU über Brüssel … . Der Druck auf die deutsche Regierung muss aus Brüssel kommen, das muss man in Griechenland endlich einsehen. Über die Fehleinschätzungen so gewiefter Politiker wie Samaras kann ich nur den Kopf schütteln.

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