Ungeheurer Immobilienskandal auf Zante in Griechenland

18. September 2014 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 1.886

Ein skandalöser Immobilien-Deal auf der Insel Zakynthos in Griechenland ruft Erinnerungen an den Vatopedi-Skandal wach.

Die Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ enthüllte am 14 September 2014 eine Sache mit dem Geruch eines Skandals, der jedoch unkontrollierte Dimensionen annehmen könnte. Die Akte, die bereits für den Weg zur Justiz und die Zuweisung von Verantwortungen sogar auch für sehr schwere Kapitalverbrechen vorbereit wird, bezieht sich auf den Verkauf eines riesigen Areals von fast 1.500 Hektar auf der ionischen Insel Zakynthos bzw. Zante in Griechenland.

Und während das Licht der Öffentlichkeit sich vor wenigen Monaten auf die Nachricht gerichtet haben mag, dass die weltweit berühmte „Schmugglerbucht“ (Navagio-Bucht) verkauft wird, ist der Skandal jedoch noch größer, da er sich auf eine ohne Eigentumstitel erfolgte und von vorne bis hinten illegale Transaktion bezieht. Über die seit Anfang Mai 2014 bis heute erfolgten Geschehnisse gut informierte Quellen zeigen sich sogar absolut davon überzeugt, dass in die rechtswidrigen Aktivitäten etliche staatliche Bedienstete involviert sind, wobei auch der Verdacht auf Korruption angedeutet wird.

Nichtige Transaktion

Die der Zeitung „Ethnos tos Kyriakis“ vorliegenden Fakten beweisen, dass der zwischen dem angeblichen Eigentümer und dem Käufer aufgesetzte Vertrag nichtig ist. Parallel sind in das – wie von lokalen Faktoren in Anspielung auf den Vatopedi-Skandal bereits charakterisierte – „Vatopedi von Zakynthos“ möglicherweise auch politische Personen, Bedienstete der Forstbehörde, des Liegenschaftsamts, Finanzbeamte und Notare involviert, die darin mitwirkten, dass der Verkauf von 1.500 Hektar gegen den … lächerlichen Betrag von 9 Mio. Euro erfolgt, wie zumindest der von der Zeitung präsentierte Vertrag anführt.

In dem am 07 Mai 2014 zu Athen aufgesetzten konkreten Vertrag mit Nr. 23.943 wird angeführt, dass der Einheitswert dieses Areals auf 17,2 Mio. Euro geschätzt wurde, womit der Käufer praktisch eine – auch das Gebiet der Schmugglerbucht umfassende – Strandregion einzigartiger Schönheit für 6000 Euro pro Hektar und mit einem Einheitswert bei etwa 11.000 Euro pro Hektar erhielt …

Der offensichtlich geringe Preis ist jedoch in dieser Sache das Geringste im Verhältnis zu den Skandalen, die sich hinter den Details verbergen. Wie auch die Unterlagen, aber ebenfalls die Geschichte der Region belegen, ist der Gipfel von allem, dass ein Vertrag über ein Areal errichtet wurde, das nicht verkauft werden konnte, da es nicht dem angeblichen Eigentümer gehört. Er hat also keine rechtmäßigen Eigentumstitel, während es sich um eine Fläche handelt, die unberührte Wälder, Gräben, öffentliche Straßen, Strandbereiche und kirchliches Vermögen umfasst.

Dubioser venezianischer Titel in einem unbekannten Dialekt

Der „Coup“ bei … der Navagio-Bucht und auf der übrigen Insel erfolgte von Georgios Charos, der Erbe der Familie Flampouriaris ist, der wiederum das Areal mit einer … venezianischen Anordnung überlassen wurde, kurz bevor gegen Ende des 18. Jahrhunderts die venezianische Herrschaft auf den Ionischen Inseln zusammenbrach.

Als Käufer der Filet-Stücke auf Zakynthos tritt die Gesellschaft libanesischer Interessen „Pinama Immobilien-AG“ in Erscheinung, die bei der Errichtung des Vertrags von dem in Beirut ansässigen Volkswirt Zoumana Besara vertreten wurde. Quellen führen jedoch an, dass diese Gesellschaft Interessen des Emirs von Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani, unterliegt, der sogar vor wenigen Wochen mit seinem Luxusschiff „Katara“ in Zakynthos vor Anker ging.

Der Skandal um das Verkaufsgeschäft auf Zakynthos hat jedenfalls einen sehr großen … Tiefgang. Wie der Rechtsanwalt Dionysos Gkouskos betont, „gab es im Vatopedi-Fall wenigstens Goldene Bullen. Hier existieren dagegen keine Titel, sondern es gibt nur eine venezianische Anordnung, jedoch kann es mit Anordnungen keinen Besitz geben. Der konkrete Titel ist fadenscheinig, weil er von dem Außenministerium nicht übersetzt werden kann, da ein unbekannter venezianischer Dialekt verwendet wird, er keine klaren Grenzen hat und weder die Ausdehnung sowie nicht einmal die Ortsnamen angeführt werden.

Noch ernsthafter ist die Tatsache, dass die konkrete Fläche nicht übereignet werden kann, weil es sich um eine Waldfläche handelt und ein großer Teil von ihr zum Aufforstungsgebiet erklärt worden ist. Kenner der Sache betonen, dass es sich eindeutig um eine öffentliche, Forst- und eingenommene Fläche handelt, bezüglich der jahrzehntelang niemand in Erscheinung getreten ist um sie zu beanspruchen. Noch beeindruckender ist, dass das Gebiet 30 Jahre lang in das Visier von Brandstiftern geraten war, die es systematisch in Flammen aufgehen ließen. Informationen zufolge ist gegen den Verkäufer Georgios Charos ein Strafverfahren wegen Brandstiftung anhängig!

Das am 07 Mai 2014 verkaufte und zwei Tage später im zuständigen Hypothekenregister (sprich Grundbuch) umgeschriebene Areal liegt in den Gebieten Anafonitria, Maries und Volimes und umfasst die gesamte Landfläche oberhalb der Navagio-Bucht. Wie viele Leute auf Zakynthos meinen, könnten auf einer Fläche von 1.500 Hektar viele touristische Investitionen erfolgen, speziell auf dem Teil des Areals am Navagio-Strand mit seiner wunderbaren Aussicht.

Fragwürdige Rolle öffentlicher Bediensteter, aber auch der Kirche

Faktoren der Insel betonen spöttisch, „Georgios Charos war bezüglich des Areals erst 2014 … fündig geworden, als auch die Erbschaftsannahme erfolgte. Abgesehen von einigen Flurstücken, deren Fläche 10 Hektar nicht übersteigt und die von Anwohnern der Gegend genutzt wurden, hatte sich jedoch jahrzehntelang niemand dafür interessiert. Seit 1961, als auch der letzte Nachkomme der Familie Flampouriaris verstarb, gab es sogar keinerlei Interesse an der Fläche. Und obwohl sie seit 1945 als „herrenlos“ zu erklären gewesen wäre und dem Fiskus zugefallen sein müsste, gruben die Nachkommen der Familie die venezianischen Anordnungen aus, die keinerlei Geltung haben. Es existieren jedoch auch bestimmte sehr ernsthafte Fragen, die zu beantworten sind und den Verdacht auf einen großen Skandal schaffen.

  • Am 31 Januar 2000 unterzeichneten konkrete (öffentlich bedienstete) Forstwissenschaftler einen Beschluss, der charakteristisch anführte, dass ein großer Teil des verkauften Areals „eine beherrschte öffentliche Fläche von 400 Hektar ist, die sich in der Lage ‚Agios Georgios Krimnon Volimon‘ befindet„.
    Der Beschluss basierte auf dem Regierungsanzeiger mit Datum den 16 September 1985. 2014 wurde diese Fläche plötzlich von den selben Forstwissenschaftlern als Flurstück charakterisiert und als solches verkauft. In einem auf den 25/04/2012 datiertes Schreiben wird dem Eigentümer G. Charos mitgeteilt, dass große Teile der Fläche Waldflächen sind oder zu Aufforstungsgebieten erklärt wurden. Die selben Bediensteten gestatteten jedoch zwei Jahre später die Übereignung.
  • Die in Athen ansässige Notarin setzte einen Vertrag auf, ohne dass irgendeine Überprüfung erfolgt ist und ohne eine Reihe von Unterlagen zu erhalten. Wie gestattete das Hypothekenregister die Umschreibung der Immobilie, ohne zu argwöhnen, dass Wälder, Strände, Küsten, Straßen und Gräben nicht verkauft werden können?
  • Warum gestattete das Forstamt die Übereignung, obwohl ihm bekannt war, dass große Stücke unberührten Waldes existieren und das Gebiet zur Aufforstungsfläche erklärt worden war?
  • Provokant und verdächtig ist auch die Rolle der Bezirksverwaltung, da sie eine Frist von drei Monaten hatte um einzugreifen. Sogar auch wenn der Eigentumstitel rechtmäßig gewesen wäre, hätte sie den Kauf der Fläche gegen 9 Mio. Euro durch den Staat verlangen können. Die drei Monate verstrichen mit dem Ergebnis, dass der Deal ungestört erfolgte.
  • Innerhalb der 1.500 Hektar befindet sich auch kirchliches Vermögen. Die Titel der lokalen Kirche sind sogar 124 Jahre älter als die venezianische Anordnung über die Überlassung an die Familie Flampourakis. Trotzdem ist diese Fläche in den verkauften Immobilien umfasst. Beeindruckend ist, dass der Emir – vielleicht ohne es zu wissen – auch die Ruinen der oberhalb der Navagio-Bucht gelegenen byzantinischen Kirche „Agiou Georgiou Krimon“ kaufte.
  • Die Kirche hatte verlangt, 1 Hektar des ihr gehörenden Vermögens zu „entcharakterisiern“, jedoch wurde ihr beschieden, dass es sich um eine aufzuforstende Fläche handelt. Die selbe Fläche wurde in diesem Jahr als … Flurstück verkauft.
  • Warum wurde der Vertrag akzeptiert, der nicht die spezielle Erklärung aufwies, dass alle an der Küste gelegenen Flächen nicht an einen Winterstrand angrenzen und es keinen Graben oder einen Strand gibt?
  • Es existiert ein von den Nachkommen der Familie Flampouriaris unterzeichnetes Schreiben, dass sie nichts mit dem Verkaufsgeschäft zu tun haben und aus der in Rede stehenden Fläche die Erbschaft höchstens 200 Hektar war? Selbst wenn G. Charos rechtmäßige Titel gehabt hätte, hätte er folglich nicht über 200 Hektar verkaufen können.
  • Existiert ein Schreiben an den Finanzamtsleiter von einem seiner Untergebenen, nicht zur Schätzung des Areals zu schreiten?

Wie Herr Gkouskos betont, „werden alle Rechenschaft ablegen müssen, die mitwirkten, damit der Vertrag aufgesetzt wird. Diejenigen, welche die Übereignung austüftelten, fanden alle Türen des griechischen Staates geöffnet.

(Quelle: ethnos.gr, Autor: Vasilis S. Kanellis)

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