Plan B – IWF will Griechenland loswerden

23. September 2014 / Aufrufe: 1.121

IWF und Kommission stellen sich auf die Entlassung Griechenlands aus dem Memorandum ein, womit sich jedoch eine Gleichung mit mehreren Unbekannten ergibt.

In Washington wird – und zwar in ständiger Kommunikation mit Brüssel – ein Plan B für den Tag nach dem griechischen Programm vorbereitet, da aus den mit griechischen Amtsträgern erfolgenden privaten Gesprächen, aber auch aus den aus Athen gesendeten Signalen offensichtlich ist, dass die Regierung Samaras nicht vorhat, mit einem Memorandum „am Hals“ in die sich abzeichnenden (vorgezogenen) Parlamentswahlen zu gehen.

Das wegen des unterschiedlichen Zeitplans der Kreditvereinbarungen mit dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission (die eine endet im ersten Quartal 2016 und die andere Ende 2014) so wie so existierende Problem scheint auf keine andere Weise als nur mit der … gleichzeitigen Beendigung der Finanzierung zu lösen zu sein, sprich der Weigerung Athens, die für die kommenden eineinhalb Jahre vorgesehenen (weiteren) Kredite des IWF anzunehmen – welcher Perspektive sich grundsätzlich weder der Fonds noch die Europäer entgegen zu stellen scheinen.

Alle hoffen, dass die Finanzmärkte mitspielen werden …

Wie sich sowohl bei den Gesprächen in Paris, aber auch in den anschließenden Diskussionen auf technischer Ebene zeigte, ist Griechenland in diesem Moment sehr weit von den Zielvorgaben des Memorandums entfernt, die sich auf dem Tisch der anstehenden Bewertung (durch die Troika) befinden werden, und mit der Weigerung der griechischen Regierung als gegeben, Themen wie die Massenentlassungen und die Versicherungsreform zu eröffnen, gibt es in der Realität zwei Optionen: entweder die Bewertung wird sich über Monate hinziehen und folglich auch die Entscheidungen über die Verschuldung aufschieben, oder es wird eine Formel zur Loslösung von dem Memorandum hier und jetzt gefunden und damit allen Seiten die Handhabung erleichtert.

Etwa hier beginnen jedoch die Berechnungen darüber, was die Einstellung der Finanzierung aus Brüssel und Washington bedeutet. Wenn angenommen wird, dass die restlichen 2,6 Mrd. Euro vom EFSF kein ernsthaftes Problem für die Finanzierung der Kreditbedürfnisse schaffen, bedürfen dagegen die 12,5 Mrd. Euro, die den restlichen Krediten des IWF entsprechen (3,5 Mrd. Euro für 2014 und 9 Mrd. Euro für die beiden Jahre 2015 – 1016), zweifellos größerer Aufmerksamkeit – zumal nach wie vor die Prognose des Währungsfonds im Raum steht, für 2015 existiere eine „Finanzierungslücke“ von ungefähr 12,6 Mrd. Euro.

Die Antwort kommt mittels der von Athen bereits begonnen Emissionen von Anleihen, wobei Informationen sogar anführen, dass die Ausgabe der (geplanten) 7-jährigen Anleihe beschleunigt und vielleicht noch im September 2014 erfolgen wird. Ebenfalls gilt die Verwertung des größten Teils der (für die Refinanzierung der griechischen Banken vorgesehenen) bei der FSF verbleibenden nicht abgerufenen 11 Mrd. Euro als sicher (wovon Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Deckung der wie auch immer ausfallenden „Lücke“ in der Finanzierung der Kreditbedürfnisse dienen kann), während außerdem angenommen wird, dass im Fall einer „einvernehmlichen“ Scheidung die Finanzmärkte nicht negativ reagieren und die wie auch immer ausfallende „Finanzierungslücke“ zu einem niedrigen Zinssatz decken werden.

Die Gleichung komplizieren einerseits die Entwicklung auf der Ebene der Privatisierungen und Primärüberschüsse, auf denen die Perspektive auf Deckung der Kreditbedürfnisse für die kommenden Jahre „aufgebaut“ worden ist, und andererseits die politischen Entwicklungen in Griechenland, die zu einer langen Periode aufeinander folgender Wahlgänge führen könnten.

(Quelle: iefimerida.gr, Autor: Giorgos Pappous)

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