Unglaubliche Misswirtschaft in Schulen in Griechenland

23. August 2014 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 1.861

Die Verwaltungskontrolleure in Griechenland stellten in den vergangenen Jahren unglaubliche Missstände im öffentlichen Bildungswesen fest.

Zwei Untersuchungsergebnisse der Körperschaft der Kontrolleure für die öffentliche Verwaltung bringen eine Orgie der Misswirtschaft und Vergeudung menschlichen Potentials im sekundären Bildungsbereich ans Licht.

Die Ergebnisse beziehen sich auf Kontrollen in drei Schulen im Verwaltungsbezirk Pieria im Schuljahr 2012 – 2013 und auf vier Schulen in der Region Ostattika ab 2008 bis 2012. Sie enthüllen unter anderem, dass ein Anteil von bis zu 67% der Lehrkräfte nicht das gesetzlich obligatorische Mindestpensum an Unterrichtsstunden erfüllen.

Unbegründete Freistellungen und Fehlzeiten

Aus den Ergebnissen geht unter anderem Folgendes hervor:

  • Rektoren, die zusätzliche Parallelklassen je Klasse schaffen (ohne dass die gesetzlichen Voraussetzungen auf Basis der Anzahl der Schüler erfüllt werden), mit dem Ergebnis, dass mehr Unterrichtsstunden und im weiteren Sinn mehr Lehrkräfte erforderlich sind.
  • Lehrkräfte, die für Fächer eingeteilt werden, ohne dass entsprechende Bedürfnisse bestehen.
  • Fälle von Lehrkräften, die während der gesamten Dauer des Jahres fehlen, ohne die entsprechenden Unterlagen beigebracht zu haben.
  • Systematisch lückenhafte, unregelmäßige oder inexistente Aktualisierung (von Seite der Schuleinheiten) Aktualisierung des Aufzeichnungssystems des primären und sekundären Bildungsbereichs (survey). In einer Schule war beispielsweise das Formular „Lehrkräftepotential“ drei Jahre lang nicht aktualisiert worden.
  • Beauftragung bestimmter Lehrkräfte ausschließlich mit Büroaufgaben, entweder weil sie „überzählig“ sind oder aus gesundheitlichen Gründen, ohne die erforderlichen Unterlagen beizubringen.

An einem Gymnasium und zwei Oberstufengymnasien in Pieria erbrachten die Lehrer im Schuljahr 2012 – 2013 insgesamt 308 Unterrichtsstunden weniger als von dem obligatorischen Wochenstundenplan vorgesehen. Der Anteil der Lehrer, die aus verschiedenen Gründen nicht das obligatorische Unterrichtspensum erfüllten, erreichte 67,5% des gesamten Lehrkörpers – also 56 Lehrkräfte von insgesamt 83.

Vier von ihnen waren völlig von ihren Unterrichtspflichten freigestellt worden, und zwar zwei aus gesundheitlichen Gründen und die beiden anderen wegen des „Lehrkraftüberschusses in ihren Fächern„. Eine Lehrerin hatte wegen gesundheitlicher Probleme nur zwei Unterrichtsstunden übernommen, während ihr auch Büroarbeiten angetragen worden waren. „Es wurde jedoch festgestellt, dass die den Lehrkräften wegen gesundheitlicher Gründe gewährte Befreiung von ihren Unterrichtspflichten formlos war, da die konkreten Personen nicht krank geschrieben und auch nicht zur Untersuchung vor dem zuständigen Gesundheitsausschuss überwiesen worden waren„, wird im Bericht angeführt.

Allgemein stellen die Berichte offenkundige Mängel bei der richtigen Verteilung von Lehrkräften fest. Wie in dem neuesten der Berichte sogar angeführt wird, „unterscheiden sich die Vorschläge des Bildungsministeriums auffallend von den entsprechenden Vorschlägen anderer involvierter Dienststellen. Beispielsweise schätzen die Direktion für den sekundären Bildungsbereich Pierias und der amtliche Zentralrat für den sekundären Bildungsbereich (KYSDE) eine ‚Überzähligkeit‘ für das Fach der Informatik, das Ministerium schätzt jedoch einen Mangel„. Es fehlen jedoch auch nicht Fälle himmelschreiender Verlegungen und Versetzungen:

Beispiele: Eine Lehrerin für den Fachbereich „Touristische Unternehmen“ wurde auf ihren Antrag in dem sie sich auf wirtschaftliche Gründe berief, an ein Oberstufengymnasium in Pieria versetzt. An der konkreten Schule gab es jedoch keine unbesetzten Unterrichtsstunden! Zusätzlich wurden der Direktion für den sekundären Bildungsbereich Pierias per Versetzung mehr Lehrer zugeteilt als erforderlich waren. Also 44 zusätzliche Lehrkräfte für drei Fächer (Philologie, Informatik, Sport). Auf Basis der von den Kontrolleuren zusammengetragenen Fakten scheinen jedoch die 44 Lehrkräfte für diese drei Fächer nicht nur nicht „überflüssig“ zu sein, sondern zusätzlich 13 Lehrer zu „fehlen“. Schließlich wurde ein Informatiklehrer während der gesamten Dauer des Schuljahres mit Hilfsaufgaben im Sekretariat beschäftigt, unter Ausnahme des Zeitraums, in dem er krank geschrieben war (3,5 Monate).

Ostattika: 1.162 Wochenstunden zu wenig

Trotz der unerschütterlichen Fakten des Berichts der Körperschaft der Kontrolleure, der unter der Verantwortung des Ministeriums für Verwaltungsreform erfolgte, bleiben seine Schlussfolgerungen von den gegenständlich zuständigen Trägern des Bildungssystem, denen das Ergebnis zugestellt worden ist, offensichtlich ungenutzt.

Entsprechend fielen auch die Ergebnisse des Berichts der Körperschaft der Kontrolleure bei der Kontrolle aus, die sie in den Jahren 2008 – 2009 bis 2011 – 2012 in Schulen in Ostattika durchführten. in diesen 4 Schuljahren wurde festgestellt, dass die Anzahl der Lehrer mit einem reduzierten Lehrstundenplan von 44% bis 65% schwankte. An den vier Oberstufengymnasien in Vari und Vouliagmeni erreichten die Unterrichtsstunden, die zur Erfüllung des obligatorischen wöchentlichen Unterrichtpensums fehlten, insgesamt 1.162! Als „Champions“ hinsichtlich der Nichterfüllung der Pflichtstunden erwiesen sich der Reihenfolge nach Ökonomen, Philologen, Mathematiker und Informatik- und Sportlehrer.

Laut den Kontrolleuren wurden reduzierte Unterrichtsstundenpläne für Lehrer aus Gründen festgestellt, die von der Gesetzgebung nicht vorgesehen sind. Beispielsweise führt der Bericht Fälle von Lehrkräften mit weniger oder sogar überhaupt keinen Unterrichtsstunden an, ohne dass Unterlagen oder andere Nachweise existieren, die das unvollständige Lehrstundenpensum rechtfertigen. Es geht ebenfalls der Fall einer Lehrerkraft hervor, für die in dem Aufzeichnungssystem als Grund für ihren reduzierten Stundenplan die Position des Konrektors angeführt wird. In den Unterlagen der Schule erscheint jedoch die selbe Lehrkraft als „Hilfsrektor“.

(Quelle: Ethnos, Autorin: Afroditi Karimali)

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