Der deutsche Minotaurus und seine Diener

18. Mai 2014 / Aufrufe: 1.377

Papandreou, Samaras und Venizelou opferten Griechenland widerspruchslos auf dem Altar der deutschen Hegemonie in Europa.

Die … Entlassung des ehemaligen griechischen Premierministers Georgios Papandreou durch Merkel, Sarkozy und Barroso erfolgte laut der Recherche der „Financial Times“, um nicht den weiteren Druck auf den Euro zu riskieren und kein Risiko mit den anderen europäischen Ländern einzugehen, die sich im November 2011 am Rand der Krise befanden.

Der Kern des Problems war nicht genau die Rettung des Euro, sondern die Rettung der deutschen Entscheidung, die Krise mittels der wirtschaftlich und gesellschaftlich todbringenden Politik der Memoranden zu handhaben. Die einzige andere Lösung war die im Hintergrund von den USA und anderen internationalen Faktoren vorangetriebene: Deutschland und der reiche Norden – die Profiteure der Eurowährung – nehmen die wirtschaftliche Bürde der Rettung der Währung auf sich.

Papandreou wurde eiskalt abserviert

Da Deutschland sogar völlig gegen jede Idee der „Solidarisierung“ der Schulden war, stiegen die Kreditzinssätze der Länder der Eurozone senkrecht in die Höhe und die großen Länder – wie Frankreich – liefen in Gefahr, in die Luft gejagt zu werden, wobei Sarkozy ebenfalls den Teufel mit eigenen Augen sah.

Als Giorgos Papandreou die Idee des Referendums zum Ausdruck brachte, um – wie er zu Merkel sagte – die Legitimierung genau dieser von Deutschland gewählten Politik durch das Volk zu erleichtern, erschreckte die europäische Führungsetage der Gedanke, ihre Entscheidung könnte in Frage gestellt werden – wenn nicht in Griechenland, dann vielleicht in einem größeren und für den Euro ernsteren Land, wenn sich die Logik der Volksabstimmungen ausweiten würde.

Wie der damalige Finanzminister der USA, Timothy Geithner – der wiederholt dem verächtlichen Verhalten Merkels bei ihren von Zeit zu Zeit erfolgenden Begegnungen mit Thema die Krise begegnete -, in seinem Buch „Stress Test“ enthüllt, wurde in der selben Periode „von den USA verlangt, bis zum Sturz der Regierung Berlusconi nicht die Gewährung von Krediten von dem IWF an Italien zu unterstützen„.

Letztendlich schickte die Führungsetage den Bankier Lukas Papadimos als empfohlenen Premierminister nach Griechenland, mit der zustimmenden Meinung und Kooperation der Herren Samaras und Venizelos, wobei der eine – Evangelos Benizelos – ihm (Papandreou) später die Partei (sprich den Parteivorsitz) wegnimmt und der andere – Antonis Samaras – Premierminister wird, während auch Berlusconi aus dem Fenster gestürzt wurde und seine Position an den – ebenfalls Bankier – Mario Monti abtrat.

Lehren

Die Lehren aus diesen beiden sich in der selben Periode abwickelnden Geschichten sind viele, wir werden jedoch drei herausstreichen:

  1. Obwohl Deutschland sich in jener Periode wegen des Modells der Handhabung der Krise böse in die Ecke gedrängt sah, wählten sowohl Giorgos Papandreou als auch Antonis Samaras und Evangelos Venizelos nicht, sich auf die Hinterbeine zu stellen.
    • Der eine, nachdem er das Land in das Memorandum stieß und dabei international das Bild und jegliche Seriosität des Landes des Landes zerfetzte, suchte nach einem Modell zur Legitimierung einer kriminellen Politik mittels des Referendums, das er Merkel als Mittel zur Akzeptanz ihrer Politik durch das griechische Volk präsentierte.
    • Die beiden anderen verschworen sich, drängten Papandreou ins Abseits und setzen die deutschen Befehle um, ohne sich auch nur im Geringsten zu differenzieren, damit ihnen von der deutschen Eurokratie die Lumpen der Macht verliehen werden, die Georgios Papandreou geblieben waren, nachdem er die Troika in Griechenland empfing.
  2. Obwohl die europäische Peripherie den bestialischen Anstieg der deutschen Stärke mit ihrem Bankrott bezahlte, beschloss Deutschland, dass die Peripherie letztendlich bestraft werden müsse, weil sie ihre Plünderung nicht mehr zu ertragen vermochte. Ganz Europa akzeptierte klaglos ihre Zerstörung, und wer es wagte, auch nur eine minimal abweichende Ansicht zum Ausdruck zu bringen, hatte die Beispiele der Herren Papandreou und Berlusconi zur Abschreckung vor sich.
  3. Die deutsche Hegemonie in Europa akzeptiert keinerlei ernsthafte Zuständigkeit der nationalen Regierungen in den großen Entscheidungen und unternimmt deshalb mittels des Stabilitätspakts alles, um sie einzuschränken. Anders gesagt, das deutschbeherrschte Eurosystem ekelt sich vor der Demokratie, wenn diese von seinen großen Entscheidungen abweicht oder sich ihnen entgegen stellt.

Wahlen

Da wir bereits bei den Wahlurnen in der ersten Runde der Kommunalwahlen des Sonntags angelangt sind, die zwangsweise ein „Klima“ auch angesichts der rein politischen Schlacht der Europawahl am 25 Mai schaffen werden, zeigt sich die Abstrafung für diese Entscheidungen in ganz Europa und sogar in sehr großen Ländern:

  • In Frankreich, wo die große Krise hinausgeschoben wurde, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität jedoch kontinuierlich untergraben wird, stellt die antieuropäische rechtsextreme Nationale Front unter Marin Le Pen die größte Bedrohung hinsichtlich der Destabilisierung von Hollande, aber auch Sarkozy dar.
  • In England liegt bei den Meinungsumfragen die populistische antieuropäische Unabhängigkeitspartei vorne.
  • In Italien, wo die Austerität wütet, wollen laut der Pew Research 44%, dass das Land aus dem Euro ausscheidet und zur Lira zurückkehrt, 56% bringen Missfallen über die Kommission des Barroso zum Ausdruck und 50% hat eine negative Ansicht über die EU insgesamt, während 74% glauben, die wirtschaftliche Vereinigung habe die italienische Wirtschaft geschwächt.
  • In Ländern wie Holland und Ungarn greift die antieuropäische extreme Rechte an, während sich im Griechenland der Memoranden zu erweisen hat, ob die einzige legale neonazistische Partei in Europa bei den Wahlen durchhält.

Die Liste der Anzweiflung dieses Europas hat kein Ende. Die Erinnerung an die Art, mit der die Führung der – damals und heute – regierenden Parteien das Land auf dem Altar der deutschen Hegemonie in Europa opferte, kam jedoch zur rechten Stunde, kurz vor dem Wahlgang, damit wir uns in Erinnerung rufen, wer und wie sie das Land dem Minotaurus der Memoranden vorwarfen. Denken wir daran auch hinter dem Vorhang der Wahlkabine …

(Quelle: To Pontiki, Autor: Stavros Christakopoulos)

Relevante Beiträge:

  1. Elke
    18. Mai 2014, 04:02 | #1

    Es zeigt sich doch nur eines immer deutlicher: unterschiedliche Wirtschaften gehören nicht in eine gemeinsame Währung! Das kann nur funktionieren, wenn die Wirtschaftsräume in etwa gleich stark sind.

  2. rpc
    18. Mai 2014, 09:41 | #2

    Sehr einseitige Sichtweise, vergessen wird: es war von Anfang an klar, daß der € eine harte Währung sein sollte, daher wollten ihn doch alle haben, oder? Es war auch klar, daß wenn das Gelddrucken im Süden wie in Drachmezeiten weiterginge, das in einer Katastrophe münden würde.
    [i]“… Deutschland und der reiche Norden – die Profiteure der Eurowährung …“.[/i] Wer ist Deutschland hier? Die internationalen Aktionäre und Anteilseigner der Exportkonzerne vielleicht, die Masse der Menschen wird dagegen in einer für sie deutlich unterbewerteten Währung bezahlt, und haftet für Target2 und und Merkels „Rettungspolitik“ EFSF, ESM, usw. Renten von Altersvorsorge können abgeschrieben werden, das Geld ist in den Problemländern versickert. Die Existenz des Euro an sich bedeutet bereits maßlose Solidarität seitens Deutschlands, das die Kaufkraft seiner Währung transferiert hat. Man hätte sich all die schönen Sachen nie leisten können in den Problemstaaten.
    Das Ergebnis von Sozialismus kennen wir, daher ist dieser zusammengebrochen. Eurodrachme drucken ohne Ende geht nicht, das wäre Leben auf Kosten der anderen! Darunter ist das Sowjetreich zusammengebrochen. Haben die Schuldenländer nicht 10 Jahre lang Schuldenparty gefeiert? Wer hat massivst und auf Kosten der anderen (Auslandskredite & Target2) über seine Verhältnisse gelebt? Soll diese 10-jährige Kreditparty endlos so weitergehen? Die Briten sagen dazu „spend other people’s money = OPM“, das kann nicht funktionieren. Jedes Land muss seinen Wohlstand selbst erarbeiten.

  3. Rudi
    18. Mai 2014, 10:59 | #3

    Ich bin ja mal gespannt, ob der griechische Wähler diesmal der deutschen Hegemonie entgegentritt und sein Kreuz an der richtigen Stelle macht? Wenn aber in Europa weiterhin nur an den eigenen kleinen, kurzfristigen Vorteil gedacht wird, sehe ich im wahrsten Wortsinn schwarz, wenn nicht sogar braun.

  4. Bundesbürger
    18. Mai 2014, 11:22 | #4

    Die Bundesrepublik ist in einer Gläubigerposition, alle anderen in einer Schuldnerposition. Die Bundesrepublik schaut wie jeder Gläubiger, dass er seine Forderungen erhalten kann. Das ist nichts verwerfliches und erfordert eben manchmal Druck. Würde die Bundesrepublik darauf verzichten, würden auch bei uns die Rechten zulegen, weil dem Bundesbürger sein Erspartes geraubt und er verarmen würde. Das würde auch ihn wütend machen. Also schaut Merkel, dass die gute Laune hierzulande erhalten bleibt. Der Grund ist nur die seit Jahrtausenden alte Gläubiger und Schuldnerposition. Bevor der Bundesbürger darbt, müssen eben die Griechen, Spanier, Portugiesen und andere darben. Wer das Geld hat, bestimmt seit Jahrtausenden die Spielregeln. Denn Geld ist Macht. Und wer Macht hat, bestimmt.

  5. Ronald
    18. Mai 2014, 12:25 | #5

    Solche Artikel kann man erst einige Jahre nach den Ereignissen des (von mir menschlich sehr geschätzten) Giorgos (Andrea) Papandreou schreiben wenn sich nur noch wenige an die Ereignisse erinnern. Aber wir erinnern uns: Papandreou hatte Samaras im Juni 2011 die Bildung einer großen Koalition zwischen der PASOK und der ND angeboten um eine stabile Mehrheit im griechischen Parlament für die Verabschiedung der anstehenden Sparbeschlüsse hinter sich zu wissen. Sameras verweigerte sich dieser Möglichkeit wohl wissend, dass im Falle von Neuwahlen für die ND gute Chancen bestanden den Ministerpräsidenten – der Sameras heissen würde – zu stellen. Diese Bilung einer großen Koalition wurde auch von der EU unterstützt, die in GR einigermassen stabile Verhältnisse sehen wollte. Obwohl Sameras und Papandreou sich als Studenten dereinst die Bude teilten, Sameras konnte gar nicht mit Papandreou. Und er wollte die Macht. Er hat der EU mehr als ein mal deutlich klar gemacht, dass – wenn eine Koalition zwischen PASOK und ND gewünscht sei, dies gefälligst ohne Papandreou zu geschehen hätte.
    Um das Ganze abzukürzen: Am Ende bekam Sameras seine Neuwahlen, koalierte mit der PASOK (was er vorher abgelehnt hatte) und wurde Ministerpräsident (unter anderem aufgrund seines Wahlversprechens, er würde das Sparprogramm mit der EU nachverhandeln).
    Wer hat nun Papandreou gestürzt? Er sich selbst, weil er dieses blödsinnige Referendum über die Sparpolitik wollte, das selbst innenpolitisch in GR abgelehnt wurde (erst recht von der EU) und (und zwar in erster Linie) Sameras der die Macht wollte und der EU die Pistole auf die Brust setzte.

  6. Volker
    18. Mai 2014, 12:54 | #6

    … aber wahrscheinlich wird auch wieder dieser Kommentar gelöscht. Wahrheit kann leider wehtun!

    • Team
      18. Mai 2014, 21:10 | #7

      @Volker
      Klar wird solch bornierter Stuss gelöscht: im Gegensatz zur Wahrheit scheint Dummheit definitiv nicht zu schmerzen.

      @all, die es nicht gerafft haben: Die Enthüllungen gehen nicht auf das Konto „der Griechen“, sondern basieren auf einer Reportage der Financial Times. Anstatt uns hier wieder das Blog vollzukotzen bitte einfach mal auf der anderen Seite des Atlantiks Luft ablassen – oder erlaubt „Mutti“ das nicht? 😆

  7. GR-Block
    19. Mai 2014, 02:40 | #8

    Peinlich, peinlich. Immer wieder gibt es Ansätze zur rassistischen Erklärung der Krise, selbst unter dem Mantel der Volksnähe. Natürlich sind die Gewinner der EWG/EG/EU und damit der Krise nicht Völker sondern finanzstarke Clans, die durch „kluge“ Geldanlagen und mittels Konzernen mit Millionen Mitarbeitern ihr Geld zu mehren suchen. Dass diese Clans fast ausschließlich in den EWG9-Ländern, d.h. in Westeuropa sitzen, ist dabei eher eine Laune der europäischen (Kolonial-) Geschichte und nicht genetisch bedingt. Diese haben einen Deal mit „ihren“ Völkern gemacht und quetschen deshalb die Nachbarn aus.
    Seit Jahrzehnten werden Arbeitsplätze in der Süderweiterung abgebaut und in der EWG9 aufgebaut, um später nach Asien exportiert zu werden. Während der Westen Europas den gewaltigen Mainstream bedient, muss sich die Peripherie immer mehr in Nischenmärkte zurückziehen. Seit dem EWG-Beitritt hat sich in GR die Zahl der Beschäftigten kaum verändert, also kein Zugewinn. Gleichzeitig wurde selbständige Arbeit mittels sog. „Strukturfonds“ in unselbständige umgewandelt. Wer hier Kreditpartys zu entdecken glaubt sieht scheinbar nur sich selbst. Griechische Unternehmen haben von solchen Krediten kaum Aufträge bekommen. Die Vergabe von Staatsaufträgen ging zu einem ungesund großen Teil an die Klientelwirtschaft der EWG9. Lokale Unternehmen konnten allenfalls als deren Geschäftspartner beteiligt werden. Die EU fördert nur sich selbst. Der griechische Staat ging an der Gegenfinanzierung bankrott. Die Clans korrumpieren nationale Regierungen und die Völker haben nichts damit zu tun. Eine leere Autobahn von der EU teilfinanziert, wie z.B. die von Thessaloniki nach Athen, könnte genausogut in der Sahara stehen. Die Griechen hätten genausowenig davon. Sie hätten sich aber die Gegenfinanzierung gespart.
    Nein, die Clans fördern ihre Lobbys in allen Parteien Europas. Sie verschulden nationale Regierungen, um den Zinsfluss auf hohem Niveau zu halten. Für ihre politische Stabilität jedoch zahlen sie „ihren“ Arbeitern Luxuslöhne und finanzieren deren Sozialsysteme u.a. durch hochverzinste Staatanleihen der Schuldnerländer, also doppelter Kapitalfluss! Kein Wunder, dass trotz besserer Erkenntnis, die Völker mit arrogant hohen Renten ihren Junkern die Nibelungentreue („Solidarität“) halten.
    Das Gequassel von „Hilfs-„Krediten und Target2 täuscht nicht über das geplante Endergebnis hinweg. Der Hegemon hat sich mittels Maastricht und gigantischer Schmiergelder Märkte „erschlossen“ und die dortigen Völker mit einem Arschtritt von ihren Unternehmen entfernt. Daran geht Europa, ob mit oder ohne EU, früher oder später zugrunde. Solange die EWG9-Clans die Produktion bündeln und sie aus Europa entfernen, hat die EU keine Chance. Und das ganz ohne Sozialismus.

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