Bescheide zur neuen Immobiliensteuer in Griechenland

17. Mai 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.440

Den Besitzern von Immobilien in Griechenland werden ab Juni 2014 die Bescheide zur neuen Immobiliensteuer ENFIA für das Jahr 2014 zugehen.

Im kommenden Monat werden ungefähr 5 Millionen Haushalte die „Briefchen“ über die neue sogenannte „Einheitliche Immobilienbesitzsteuer“ (ENFIA) erhalten, mit denen sie aufgefordert werden, im statistischen Durchschnitt 600 Euro, fallweise jedoch zum Teil völlig absurde Steuern für ihr Immobilienvermögen zu entrichten.

Die Bereinigung der neuen Immobiliensteuer wird Anfang Juni 2014 beginnen und die erste der abhängig von der Höhe des Gesamtbetrags der Steuer bis zu sechs Monatsraten oder der gesamte Steuerbetrag wird bis zum 31 Juli 2014 zu entrichten sein. Letzteres trifft auch auf Fälle zu, in denen der Steuerpflichtige die ihm zustehende Ratenzahlung nicht in Anspruch nehmen möchte, um ggf. einen – wenn auch äußerst bescheidenen – „Rabatt“ zu bekommen.

Geringere Steuern für Wenige, höhere Steuern für Viele

Zum ersten Mal werden die Flurstücke und die „regulierten“ Schwarzbauten besteuert werden, während der neuen Immobiliensteuer Landwirtschafts- und Viehzuchtgebäude (Lagerräume, Viehställe usw.), aber auch Gebäude „entkommen“, die völlig eines … Daches entbehren.

Senkungen der Belastungen bringt die neue Steuer den Steuerpflichtigen, die eine oder mehrere elektrifizierte Wohnungen oder Einfamilienhäuser in ihrem Besitz haben, bei denen der Bebauungsfaktor ihrer Grundstücke völlig ausgeschöpft worden ist.

Zur selben Stunde bringt sie jedoch mehr und höhere Steuern für viele Steuerpflichtige mit einem mittleren Immobilienvermögen, das hauptsächlich aus einer Wohnung in der Stadt (Eigentumswohnung oder Einfamilienhaus), einem oder mehreren unbebauten Grundstücken und einem oder mehreren kultivierten (sprich landwirtschaftlich genutzten) Flurstücken besteht, sowie allgemein für alle, die kultivierte bewässerte Bodenflächen in Gebieten außerhalb des Bebauungsplans, nicht elektrifizierte (gleich ob im Bau befindliche oder fertig gestellte) Gebäude und unbebaute Grundstücke besitzen.

Wer mehr und wer weniger bezahlen wird

Konkreter bringt die Erhebung der neuen „Immobilienbesitzsteuer“ (ENFIA) mit sich:

  1. Weniger Steuern als bisher entrichtet werden die Eigentümer einer oder mehrerer elektrifizierter Wohnungen oder von Einfamilienhäusern zahlen, bei denen die Bebauungsfaktoren ihrer Grundstücke ausgeschöpft worden sind. Für diese Eigentümer werden die steuerlichen Belastungen im Vergleich zu den Belastungen, welche die mittels der Stromrechnungen verhängte Außerordentliche Immobiliensonderabgabe (EETA) verursachte, um ab 4,4% bis zu 21,6% niedriger sein.
  2. Mehr Steuern zu entrichten werden die Steuerpflichtigen aufgefordert sein, die Einfamilienhäuser mittleren oder hohen Wertes auf innerhalb urbaner Bebauungspläne gelegenen Grundstücken, bei denen der Bebauungsfaktor nicht völlig ausgeschöpft ist, sowie auch Flurstücke in Gebieten außerhalb des Bebauungsplans besitzen. Bisher zahlten diese Steuerpflichtigen nur die EETA für die Einfamilienhäuser. Das neue Besteuerungssystem sieht zwar eine reduzierte Einheitssteuer für die Gebäude der Einfamilienhäuser vor, verhängt jedoch gleichzeitig eine Steuer auch auf die unbebauten Teile der Grundstücke, auf denen sich die Einfamilienhäuser befinden, sowie ebenfalls auch auf die Flurstücke, die bisher von der Steuer befreit waren. Wenn auf einem Flurstück ein Einfamilienhaus errichtet worden ist, ist sogar eine Verfünffachung der Steuer auf das Flurstück vorgesehen!
  3. Zusätzliche steuerliche Belastungen werden auch alle erleiden, die nicht elektrifizierte – im Bau befindliche oder fertig gestellte – Gebäude („Rohbauten“, nicht vermietete „leere“ Wohn- oder Gewerbegebäude, die keinerlei Einkommen erbringen) besitzen und deren Immobilienvermögen einen Gesamtwert von weniger als 200.000 Euro beträgt. Diese Eigentümer werden für die Konkreten Immobilien zum ersten Mal Steuern bezahlen (bisher waren sie für diese Immobilien sowohl von der EETA als auch der FAP befreit).
  4. Höhere Steuern werden in diesem Jahr auch die Besitzer von Schwarzbauten aufgefordert sein, die sie im Jahr 2013 legalisierten, sowie auch alle, die Eigentümer von Wohnungen mit teilumbauten Flächen oder anderen Haupt- oder Nebennutzungsflächen sind, die durch verschiedene Gesetze ab 2010 bis 2013 „reguliert“ wurden. Die Flächen all dieser Fälle müssen von ihren Eigentümern (sofern sie nicht bereits deklariert worden sind) in ihrem tatsächlichen Zustand in der sogenannten „Immobiliendeklaration“ (E9) des Jahres 2014 deklariert werden, damit auch auf diese Flächen die neue Steuer erhoben werden kann.

Beispiele für die einheitliche Immobilienbesitzsteuer ENFIA

Wohnungen – Einfamilienhäuser

1. Eigentumswohnung 90 m² in Ägaleo mit einen Zonenpreis von 1.050 €/m², Neubau, im zweiten Stock, mit zwei Fronseiten.

  • ENFIA 2014: 428,82 Euro

2. Eigentumswohnung 100 m² in Alimo mit einen Zonenpreis von 1.450 €/m², acht Jahre alt, im ersten Stock, mit einer Fronseite.

  • ENFIA 2014: 448 Euro

3. Einfamilienhaus 200 m² in Ekali mit einem Zonenpreis von 2.050 €/m², zehn Jahre alt, mit Front zu 1 Straße und voll ausgeschöpftem Bebauungsfaktor.

  • ENFIA 2014: 1.421,67 Euro
  • Zusatzsteuer 2014: 120 Euro
  • Summe der Steuern 2014: 1.541,67 Euro.

4. Eigentumswohnung 90 m² in Glyfada mit einen Zonenpreis von 4.600 €/m², 20 Jahre alt, im zweiten Stock, mit drei Fronseiten.

  • ENFIA 2014: 1.100 Euro
  • Zusatzsteuer 2014: 128 Euro
  • Summe der Immobiliensteuer 2014: 1.228 Euro

Flurstücke (Äcker)

1. Flurstück 1 Hektar, bewässert, mit Baumkulturen, im Gebiet der Gemeinde Pallini. Innerhalb des Flurstücks existiert ein Landhaus mit einer Fläche von 120 m².

  • ENFIA 2014: 275 Euro

2. Flurstück 4 Hektar, bewässert, mit einjähriger Kultur, im Gebiet der Präfektur Larisa.

  • ENFIA 2014: 96,80 Euro

3. Flurstück 7,5 Hektar, mit einjähriger Kultur, im Gebiet der Präfektur Karditsa.

  • ENFIA 2014: 198 Euro

Gemischtes Eigentum (Wohnungen – Flurstücke)

Ein Steuerpflichtiger besitzt eine 15 Jahre alte Eigentumswohnung von 100 m² im dritten Stock eines Mehrparteienhauses in Halandri, mit 1 Frontseite und einem Zonenpreis von 2.650 €/m², ein 30 Jahre altes Einfamilienhaus von 100 qm auf Thasos, mit 2 Frontseiten und einem Zonenpreis von 950 €/m² (der Bebauungsfaktor des Grundstücks ist voll ausgeschöpft), und ein Flurstück mit einer Fläche von 4 Hektar, bewässert, mit einjähriger Kultur, in einem Gebiet der Präfektur Larisa.

  • ENFIA 2014 für die Eigentumswohnung: 852,80 Euro
  • ENFIA 2014 für das Flurstück: 96,80 Euro
  • ENFIA 2014 für das Einfamilienhaus: 301,70 Euro
  • Summe der ENFIA 2014 (für alle 3 Immobilien): 1.251,30 Euro
  • Zusatzsteuer 2014 (auf das Gesamtvermögen): 60 Euro
  • Gesamtbetrag der Immobiliensteuer 2014: 1.311,30 Euro

Aktualisierung der Immobiliendeklaration E9 innerhalb von 30 Tagen

Ergänzend sei daran erinnert, dass die Frist für die (im Regelfall „elektronische“) Abgabe bzw. Aktualisierung der diesjährigen „Immobiliendeklaration“ (E9) Ende Mai 2014 ausläuft. Zu einer Aktualisierung der Immobiliendeklaration sind in diesem Jahr auch all jene Eigentümer verpflichtet bzw. im eigenen Interesse angehalten, an deren (bereits in vorausgegangenen Jahren deklarierten) Vermögenssituation sich zum Stichtag des 01/01/2014 zwar praktisch nichts geändert haben mag, zu deren Immobilien jedoch zwecks der korrekten (sprich ggf. günstigeren) Bemessung der neuen Immobiliensteuer (ENFIA) ergänzende Angaben (wie beispielsweise Anzahl / Länge sogenannter „Fronten“, aktuelle Nutzung, Ausschöpfung des Bebauungsfaktors usw.) verlangt werden.

Im übrigen endet mit der in Rede stehenden Frist auch die „Ära“ der jährlichen – also jeweils auf den Stichtag des 01 Januar des laufenden Fiskaljahres bezogenen – Immobiliendeklarationen, da die entsprechende Anwendung (E9 / TAXISnet) das ganze Jahr über „geöffnet“ sein wird und sämtliche Änderungen der Vermögenslage nicht mehr auf Basis des jeweiligen Kalender- / Fiskaljahrs, sondern obligatorisch unmittelbar innerhalb von 30 Tagen zu deklarieren sind!

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Rudi
    17. Mai 2014, 04:27 | #1

    Die Bescheide kommen kurz nach der Europawahl; ein Schelm, der Böses dabei denkt.

  2. GR-Block
    17. Mai 2014, 16:57 | #2

    11.000.000 Schelme!

Kommentare sind geschlossen