Ostern in Griechenland

22. April 2014 / Aufrufe: 1.302

Die orthodoxe Kirche in Griechenland reagierte mit Gift und Galle auf Zweifel an ihren Osterritualen und spielte die Sache zu einem Politikum hoch, das zum Rücktritt des kandidierenden Europa-Abgeordneten Nikos Dimou führte.

Irgendwo auf dem Planeten gibt es ein Volk, das Tiere schlachtet, durch deren leblose Körper vom Kopf bis zum Schwanz einen Spieß treibt, über ein Feuer hängt und dabei darum herumtanzt. Zuvor haben sie die kräftig gesalzenen Eingeweide und das Gehirn des Tieres verschlungen. Manchmal geraten die Mitglieder dieses Volkes von dem Alkohol und den lyrischen Versen der von ihren Vorfahren geerbten Lieder in Ekstase und geben auch Schüsse in die Luft ab.

Es könnten Zulus in den Tiefen eines Dschungels sein, aber es sind keine: es sind orthodoxe Christen in Griechenland.

Es geht nicht, sich selektiv à la carte verletzt zu fühlen

An all dem Vorstehenden gibt es nichts Schlechtes, wenn der Nenner der Glaube an die Bräuche und Traditionen ist. Sie sind wie Kitt zwischen den Generationen, bewahren den volkstümlichen Zusammenhalt und sind ein hinreichender Grund, damit sich der Vater gegenüber dem Sohn damit brüstet, wie schmackhaft das Kokoretsi oder wie gut der Spieß gelungen ist. Das meiste davon schmeckt auch, aber das ist etwas Subjektives und hängt jeweils von den Geschmacksnerven im Mund eines jeden ab.

Es wird gesagt, es gebe nichts Schlimmeres als mit dem Religionsgefühl des Volkes zu spielen. Wenn jedoch die Rolle der Religion der gesunde Menschenverstand hat, darf man entsprechend auch mit diesem keine Spiele treiben. Von Blitzen innerhalb von Felsen sprechen, die vom Boden abheben, von stromführenden Talaren und vielem anderen. Es sei das Recht einen jeden respektiert, entweder an den Gott der Haie oder an jemanden im Schneidersitz zu glauben, wie ihn goldene Statuen in Tibet darstellen. Es kann jedoch nicht angehen, sich à la carte verletzt zu fühlen und das Recht auf den Atheismus nach Gutdünken anzuerkennen.

Die ganze in der Karwoche vorausgegangene Situation ist genau so vorhersehbar wie die Krawalle in griechischen Stadien vor dem Match. Jedes Jahr das selbe Szenarium. Irgend jemand wird etwas sagen, ein anderer wird reagieren, und weil Artikel und Sendezeiten der Medien sich nicht nur mit den Preisen der Lämmer auf dem

Es ist nicht nötig, fromm an etwas zu glauben, um die Bräuche zu bewahren. Das religiöse Empfinden ist keine erforderliche Voraussetzung, um die Überlieferung und das Brauchtum seines Landes zu respektieren. Man ist kein besserer Mensch, wenn man seinem vor einer appetitlichen Konditorei-Auslage nörgelnden Kind einzig und allein deswegen kein Hefeteilchen kauft, weil es fasten muss. Zwischen den Menschen ist nicht nach Orthodoxen und Katholiken, Muslims und Buddhisten zu differenzieren. Sondern nach Ehrlichen und Unmoralischen, Fleißigen und Faulpelzen.

Es ist nichts Schlechtes, wenn einem die Mythen und die allegorischen religiösen Geschichten gefallen, solange man weiß, wo die Trennlinie zwischen der Wahrheit und der erfundenen Wahrheit liegt. Feiern Sie also Ostern, sei es als religiösen Höhepunkt oder als eine Gelegenheit zu einen gesellschaftlichen Fest, für eine Feier mit der gesamten Verwandtschaft rund um einen Tisch. Denken Sie nur über Folgendes nach: Haben Sie etwa anderes außer Politik und Fernsehen, worüber Sie sich unterhalten können?

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Takis Karagiannis)

KategorienAllgemein
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  1. Götterbote
    22. April 2014, 13:28 | #1

    @Team
    Kann es sein, dass da etwas im Text fehlt oder wie ist zu verstehen, dass sich der Inhalt der Einleitung gar nicht mehr im Artikel wiederfindet?

    • Team
      22. April 2014, 14:16 | #2

      @Götterbote
      Der Absatz wurde vorangestellt um den Hintergrund des Beitrags auch den Lesern zu erschließen, die das Tagesgeschehen in Griechenland nur sporadisch verfolgen.

  2. Ronald
    22. April 2014, 17:23 | #3

    Erinnert mich sehr an Nikos Kazantzakis und „die letzte Versuchung Christi“ … Kazantzakis wurde auch mit dem Bannstrahl der Orthodoxie und der Katholiken gleich mit belegt. Es ist einfach lächerlich, wie die griechische Gesellschaft (inkl. der Kommunisten, die per se Religion ablehnen) über Dimou herfallen. Warum? Hier nachzulesen: Ein Grieche im Fegefeuer.

  3. V 99%
    22. April 2014, 21:45 | #4

    Was bin ich dem Nikos Dimou dankbar fuer seinen Dauerbestseller: Ueber das Unglueck ein Grieche zu sein ! Durch seinen durchaus feinfuehligen Humor, vermittelt er einen tiefen Blick in die griechische Seele, und das ohne auf die Dogmen der Orthodoxie zu schiessen (schade eigentlich). Ich bin angenehm ueberrascht, einen solchen Artikel hier zu finden, der besonders im ersten Absatz, so manchem, nicht andere beleidigen wollendem, aus der nuechternen Seele spricht. Was Jesus wohl dazu sagen wuerde?
    … ἀκυροῦντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ τῇ παραδόσει ὑμῶν ᾗ παρεδώκατε καὶ παρόμοια τοιαῦτα πολλὰ ποιεῖτε.

  4. Christina
    23. April 2014, 00:09 | #5

    Äh, der Artikel macht mich etwas ratlos. Ich habe eine Ahnung, worum es geht, da ich gerade mal wieder das griechische Osterfest hinter mich gebracht habe. Aber was hat das mit dem von mir sehr geschätzten Nikos Dimou zu tun? Ich kann Euch nicht ganz folgen und wäre dankbar für Erläuterung.

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