Orgie der Bürokratie bei Immobilien-Zugewinnsteuer in Griechenland

25. April 2014 / Aktualisiert: 21. November 2014 / Aufrufe: 1.328

Das Verfahren der Entrichtung der neuen Zugewinnsteuer bei Immobilientransaktionen in Griechenland treibt Verkäufer und Notare in den Wahnsinn.

Mit viermonatiger Verzögerung erließ die Führung des Finanzministeriums in Griechenland einen neuen Beschluss, mit dem es ein extrem kompliziertes Verfahren für die Einreichung der entsprechenden Erklärung und die Abführung der Immobilien-Zugewinnsteuer bestimmt und Verkäufer, Käufer und Notare in ein unglaubliches „Knäuel“ verwickelt.

Das geradezu labyrinthische Verfahren für die Einreichung der in Rede stehenden Erklärung und der Entrichtung der Immobilien-Zugewinnsteuer führt tausende Steuerpflichtige und Notare an die Grenzen des Nervenzusammenbruchs.

Endlose Strapaze, auch wenn gar keine Steuer fällig ist

1) Der Steuerpflichtige, der immobiles Vermögen transferiert, also der Verkäufer bzw. Übereigner, ist verpflichtet, vor der Errichtung des Vertrags die Gesamtheit der Angaben zu deklarieren, die sich auf die Bestimmung der Zugewinnsteuer beziehen. Die Erklärung umfasst die Personendaten des selbigen Verkäufers, des Notars, der die notarielle Urkunde errichtet und die Einbehaltung und Entrichtung der Steuer durchführt, die Personendaten des Käufers, den Zeitpunkt und den Wert des Erwerbs und der Übertragung, die Art des immobilen Vermögens, wie lange die Immobilie im Besitz gehalten wurde, die Koeffizienten und die Berechnung der Steuer.

2) Der Notar ist verpflichtet, die Korrektheit der obigen Angaben zu prüfen und zu bestätigen sowie die Erklärung zu beglaubigen, jedoch trägt er keine Verantwortung für all jene Angaben, die nicht in seine Kenntnis gelangt und nicht in dem von ihm errichteten Vertrag enthalten sind.

3) Die von dem Notar und dem Verkäufer unterzeichnete Erklärung ist in dreifacher Ausfertigung einzureichen, wobei ein Exemplar bei der zuständigen Finanzbehörde (DOY) verbleibt und die übrigen Exemplare beglaubigt zurückgegeben werden.

4) Am selben oder spätestens am Folgetag der Vertragserrichtung muss der Notar in eine elektronische Anwendung des TAXISnet-Systems die Steuer-ID des Verkäufers, die Nummer und das Datum des Vertrags, den Betrag des Zugewinns, auf den die Steuer ermittelt wird, die DOY, bei der die Erklärung eingereicht wurde, die Nummer der Erklärung und das Fiskaljahr, auf welches sich diese bezieht.

5) Eine beglaubigte Kopie der Erklärung muss dem Vertrag beigefügt werden.

6) Die von dem Notar bei der Vertragserrichtung einbehaltene Steuer muss von ihm per Scheck, den der Verkäufer zu Gunsten des griechischen Fiskus bereits bei der Errichtung des Vertrags ausgestellt zu haben schuldet, innerhalb von fünf Werktagen ab der Unterzeichnung des Vertrags abgeführt werden, wobei der Scheck ausschließlich bei der Bank einzureichen ist, von der er ausgestellt wurde.

Ergänzend sei angemerkt, die in Rede stehende Erklärung zur Immobilien-Zugewinnsteuer auch einzureichen ist, wenn sich kein Zugewinn ergibt oder dieser auf Null veranschlagt wird, wie es für all jene gilt, die vor 1995 in den Besitz der zu übertragenden Immobilie gelangten. In Fällen, in denen an dem selben Vertrag mehrere Verkäufer (Gemeinschaftseigentümer, Erbengemeinschaften usw.) beteiligt sind, muss jeder einzelne Verkäufer die in Rede stehende Erklärung getrennt einreichen.

(Quellen: ForologikaNea.gr, Capital.gr, Medienberichte)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    25. April 2014, 13:09 | #1

    Das Verfahren ist aus nur aus drei Gründen kompliziert:

    1. Dass Nortare das prüfen müssen, was sie offensichtlich gar nicht prüfen können und auch keine Verantwortung für das Prüfergebnis tragen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Notare darüber so unglücklich sind; sie kassieren Geld für Leistungen, die sie offensichtlich nicht bringen können. Da wird die Notarslobby bei der Ausgestaltung dieser Verordnung schon mitgeredet haben

    2. Der altmodische Zahlungsverkehr

    3. Die Tatsache, dass man das, wes man elektronisch erledigen kann noch ausdrucken und beglaubigen muss. Man führt in GR also letztlich ein elektronisches System ein, hält aber das althergebrachte System nicht nur aufrecht, sondern verschärft es noch.

    Was tut eigentlich der griechische Beamte noch? Er prüft die Vollständigkeit der Unterlagen. Bestenfalls wird er „aus dem Bauch heraus“ die Inhalte der Erklärung anzweifeln. Eine sachliche Prüfung ist aufgrund der Art und Weise, wie der Immobilienmarkt in der Vergangenheit in Griechenland gehandhabt wurde doch ohnehin unmöglich

  2. Jorgo
    24. November 2014, 15:20 | #2

    Wie bescheuert müssen eigentlich die Bürokraten sein, die sich solch einen Unsinn haben einfallen lassen. Anstatt dafür zu sorgen, dass der immobilienmarkt in GR wieder auf die Beine kommt und eine Vielzahl von Personen damit ihren Lebensunterhalt verdienen können, wird der Immobilienmarkt komplett abgetötet. Steuern werden auf diese Weise nicht hereinkommen. Statt dessen kürzt man lieber Gehälter und Renten, ist ja auch viel einfacher. Dass mit weniger Geld auch weniger konsumiert werden kann, scheint sich diesen Dummköpfen nicht zu erschließen.
    Macht weiter so! Hoffentlich wird kein Geld mehr von der EU in GR versenkt, sonst hört der Unsinn niemals auf. Investoren verschrecken, das wird in Perfektion beherrscht.

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