Griechenlands Marktgang: Teuerster Wahlkampf aller Zeiten

11. April 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.171

Der bejubelte Gang Griechenlands an die Finanzmärkte im Rahmen der Wahlkampf-Kampagne der Regierung Samaras kostet das Volk hunderte Millionen Euro.

Jetzt, liebe Leserin – lieber Leser, wo Du diese Zeilen liest, können wir (sprich Griechenland) an die Finanzmärkte gehen. Verständlicherweise wirst Du fragen, „wie werde ich das merken?„. Du wirst es fühlen, Dein Körper wird Dir Bescheid geben. Du wirst einen süßen Schwindel in den Schläfen, eine stolze Blähung der Brust, ein pikantes Kitzeln am Kinn, eine wollüstige Wärme auf der Haut verspüren.

Es wird sein, als ob der Frühling einzieht, es wird eine himmlische Ergriffenheit sein. Und wenn Du den Gang an die Märkte nicht jetzt fühlst, dann wirst Du ihn später spüren, nämlich wenn Du 400 – 500 Millionen Euro aus Deinem Täschchen zahlen wirst.

Politische Vereinbarung über ein sündhaft teures Wahlgeschenk

Es gibt keinen Gang an die Märkte. Der Gang eines Landes an die Märkte ist, eine Anleihe auszuschreiben und Angebote für einen Betrag zu dem niedrigstmöglichen Zinssatz einzuholen. Im Vorliegenden haben wir jedoch keine Angebote, wir haben eine Vereinbarung mit der Deutschen Bank, der amerikanischen JP Morgan und anderen Banken, die Geld an eine Wirtschaft mit einer Verschuldung von 171% des BIP verleihen, der sonst niemand einen Kredit zu gewähren akzeptieren würde.

Die Banken werden 2 – 3 Mrd. Euro geben, zu einem Zinssatz bei 5%, also 3% höher als wenn sie beispielsweise Frankreich Geld leihen würden. Für jede Milliarde, die sie Griechenland leihen, werden sie 30 Millionen mehr verdienen als sie verdienen würden, wenn sie jedem beliebigen anderen europäischen Land Geld leihen würden. Wenn es zwei Milliarden sind, verdienen sie 60 Millionen – mal fünf Jahre, Summe 300 Mio. Euro. Gar nicht schlecht, speziell wenn man bedenkt, dass die selben Banken auch Berater der griechischen Regierung bei den Privatisierungen sind, sie also Geld aus der Veräußerung von Wasser, elektrischem Strom, Ländereien verdienen.

Die Vereinbarung ist nicht wirtschaftlich, sie ist politisch. Es geht um eine interne Abmachung zwischen Merkel und Samaras und den kooperierenden Banken. Ein weiteres Wahlkampfgeschenk an Samaras, damit er behaupten kann, das Land gerettet zu haben, es aus der Krise hinausgeführt zu haben, das Vertrauen der Finanzmärkte zu haben. Ein sündhaft teures Wahlkampfgeschenk. Wenn wir uns 2 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von 5% leihen, während wir derzeit von dem europäischen Mechanismus Geld zu 1,5% bekommen, werden wir 70 Mio. Euro im Jahr bzw. auf fünf Jahre gerechnet insgesamt 350 Millionen mehr bezahlen. Und wenn die geliehenen Milliarden 3 werden, dann übersteigt die Abzocke 500 Millionen.

Hast Du es kapiert, liebe Leserin – lieber Leser? Du wirst aus Deinem kleinen Portmonee 350 – 500 Mio. Euro zahlen, damit Antonis Samaras und Evangelos Venizelos die teuerste Wahlkampfkampagne aller Zeiten führen. Du wirst ihnen 350 – 500 Millionen geben, damit sie Dich davon überzeugen, sie zu wählen.

(Quelle: Avgi, Autor: Giorgos Anandranistakis)

3 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von 4,95%

Derweilen traf die Emission der neuen griechischen Anleihe mit einer Laufzeit von 5 Jahren auf reges Interesse ausländischer Investoren und Griechenland schöpfte anstatt der anfänglich vorgesehenen 2 Mrd. Euro letztendlich 3 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von 4,95%. Der jährliche Zinscoupon lautet auf 4,75% und das Verfahren soll in der kommenden Woche abgeschlossen werden.

Laut einer Bekanntmachung des Finanzministeriums war die Nachfrage nach den Bonds sehr stark und es wird damit gerechnet, dass die Beteiligung der ausländischen institutionellen Investoren 90% tangieren wird. Wie die Bekanntmachung des Ministeriums unterstreicht, charakterisiert diese Investoren ihre hohe Qualität und ein langfristiger Investitionshorizont.

Informationen zufolge summierten sich die über 550 und in ihrer überwältigenden Mehrzahl von ausländischen Investoren erteilten Kaufaufträge auf mehr als 20 Mrd. Euro. Mit der Platzierung der Anleihe wurden die Bank of America Merrill Lynch, Deutsche Bank, Goldman Sachs International, HSBC, JP Morgan und Morgan Stanley beauftragt.

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Catalina
    11. April 2014, 01:15 | #1

    Manche Schüsse gehen auch nach hinten los! Man kann nur hoffen, dass sich nicht allzu viele von diesen „Wahlkampfgeschenken“ blenden lassen.

  2. Panhellene
    11. April 2014, 10:04 | #2

    Hoffentlich zahlt das Wählervolk den verantwortlichen Politikern ihre Verarschung bei den kommenden Wahlen zurück!

  3. GR-Block
    11. April 2014, 11:22 | #3

    Im Vorliegenden haben wir jedoch keine Angebote, wir haben eine Vereinbarung mit der Deutschen Bank, der amerikanischen JP Morgan und anderen Banken …
    Interessant, bisher dachte ich nur die amerikanische Marionette Papandreou hätte derartige Verpflichtungen nach Amerika. Aber klar, die Konkurrenz zwischen USA und EU ist nur ein Scheingefecht. Im Hintergrund werden die Kredite / Anleihen von den selben Leuten mit den Regierungen ausgehandelt. Je besser die Vereinbarung, desto besser die Karrierechancen des Regenten. Hauptsache das System kippt nicht und das Volk rebelliert.

  4. Rudi
    11. April 2014, 20:37 | #4

    Man scheint ja eine Höllenangst vor einem weiteren Erstarken der Syriza zu haben. Hoffentlich lassen sich die Wähler nicht ins Bockshorn jagen und wählen vor lauter Schiss wieder die alten Versager.

  5. laurent
    12. April 2014, 01:08 | #5

    Dann waehlt bitte alle bei den kommenden Wahlen die Syriza, Danke! Auch evtl. im Namen ganz Europas …

  6. CYR
    16. April 2014, 17:20 | #6

    Es fehlt noch den Hinweis das die meisten Anleger private Hedgefonds und Versicherungen sind. Und griechische Banken sind ausgeschlossen worden. Durften die Anleihe nicht kaufen!

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