Besteuerung im Ausland ansässiger Personen in Griechenland

30. März 2014 / Aktualisiert: 31. März 2014 / Aufrufe: 3.716

Globales Kriterium für die Bestimmung des Steuerwohnsitzes und gegebenenfalls bedingte Steuerpflicht stellt seit 2011 auch in Griechenland die sogenannte 183-Tage-Regel dar.

Das Thema der Besteuerung der sogenannten Auslandsansässigen hat uns besonders zu beschäftigen begonnen, und zwar nicht wegen der bereits seit Jahren existierenden „Diaspora“, sondern hauptsächlich der Tendenz zur Emigration, die in den letzten Jahren die griechische Gesellschaft wegen der kontinuierlich ansteigenden Arbeitslosigkeit kennzeichnet.

Natürlich macht der Wegzug eines griechischen Bürgers ihn nicht automatisch auch zu einem Auslandsansässigen bzw. Steuerausländer, da der Aufenthalt im Ausland in den meisten Fällen vorübergehend ist und sich auf vorläufige Gründe der Bestreitung des Lebensunterhalts bezieht. Im übrigen sei angemerkt, dass die nachstehenden Informationen sinngemäß weitgehend auch auf Ausländer zutreffen, die sich in Griechenland aufhalten oder / und über Vermögenswerte – u. a. speziell Immobilien – in Griechenland verfügen.

Bestimmung des Steuerwohnsitzes nach der 183-Tage-Regel

Das Thema der Besteuerung der Auslandsansässigen beschäftigte ab 2011 und nachfolgend aus verständlichen Gründen auch die Steuerverwaltung des Landes. Die erste substantielle Änderung erfolgte im März 2011 mit dem Gesetz 3943/2011, in dem mit Artikel 12 viele Bedeutungen und Bestimmungen der Einkommensteuer-Verordnung in Bezug auf im Ausland ansässige Personen modifiziert wurden. Was wir grundsätzlich zu wissen haben müssen, ist: „Jede natürliche Person, die ihren Wohnsitz oder ihren üblichen Aufenthalt in Griechenland hat, unterliegt (in Griechenland) für ihr weltweites Einkommen der Steuer. Für das Einkommen, das sich in Griechenland ergibt, unterliegt jede natürliche Person (in Griechenland) der Steuer, unabhängig von ihrem Wohnsitz oder ihrem üblichen Aufenthalt.

Dies bedeutet also, dass wir als Griechen für unser weltweites Einkommen in Griechenland besteuert werden, außer wir können nachweisen, im Ausland ansässig zu sein. Wie ist jedoch der Auslandsansässige definiert? Das wie geltende Gesetz betrachtet als Auslandsansässigen jemanden, dessen Aufenthalt „… innerhalb des selben Kalenderjahres insgesamt einhundert dreiundachtzig Tage übersteigt„. Somit haben wir die Grundregel zu berücksichtigen, dass bei einen Aufenthalt in Griechenland von über 183 Tagen im Jahr Griechenland als Steuerwohnsitz angenommen wird, während bei einem Aufenthalt von mehr als 183 Tagen im Jahr im Ausland das Ausland als Steuerwohnsitz angenommen wird. Warum ist jedoch die Feststellung oder nicht des Steuerwohnsitzes von Bedeutung? Wegen der Art der Besteuerung.

Dies geschieht, weil mit Artikel 8 des Gesetzes 4110/2013 der Gesetzgeber alle Auslandsansässigen zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtete, auch wenn sie in Griechenland kein reales, sondern (nur) ein fiktives Einkommen haben, also irgend ein Vermögenselement besitzen. Gleichzeitig wird der nachweislich im Ausland Ansässige für die Abgabe der Erklärung von den sogenannten Lebenshaltungsindizien befreit. Lassen wir uns die Dinge jedoch von Anfang an nehmen.

Was geschieht, wenn jemand Vermögen in Griechenland hat

Sofern jemand im Ausland arbeitet, ist er offensichtlich zur Abgabe einer Steuererklärung in dem Land seines Aufenthalts verpflichtet. Wenn er jedoch beispielsweise eine Immobilie in Griechenland – also fiktive Einkommen – hat, muss er damit auch in Griechenland eine Erklärung abgeben. Bevor er dies tut, hat er jedoch gegebenenfalls nachzuweisen, innerhalb des Jahres 2013 (bzw. allgemein des jeweiligen Jahres, auf das sich die Steuererklärung bezieht) mehr als 183 Tage im Ausland gewohnt zu haben.

In der Praxis ist dazu erforderlich, in dem Land des Aufenthalts eine Bescheinigung über den Steuerwohnsitz zu erwirken, bei den griechischen Steuerbehörden einzureichen und dabei ebenfalls obligatorisch einen Zustellungsberechtigten in Griechenland zu bestimmen und die steuerlichen Verpflichtungen zu dem sogenannten „Finanzamt für Auslandsansässige“ (ΔΟΥ Κατοίκων Εξωτερικού) zu transferieren. Die grundsätzlichen Unterlagen für den Nachweis werden in dem Runderlass POL 1136/2013 beschrieben und umfassen kurz gefasst:

  1. Bescheinigung der zuständigen Steuerbehörde des als Wohnsitz deklarierten Staates, aus der hervorzugehen hat, dass sie steuerliche Einwohner dieses Staates sind.
  2. Falls die Beibringung obiger Unterlagen der zuständigen (ausländischen) Steuerbehörde nicht möglich ist, eine Bescheinigung jeder beliebigen anderen öffentlichen oder kommunalen oder sonstigen anerkannten Behörde, aus welcher der Wohnsitz der in Rede stehenden natürlichen Person im Ausland hervorzugehen hat.

Sofern der Steuerpflichtige beweist, im Ausland ansässig zu sein, wird er dann in Griechenland nicht für sein weltweites Einkommen besteuert und ist auch nicht gezwungen, dieses in der Einkommenserklärung zu deklarieren. Wenn er in Griechenland auch nicht einmal ein fiktives Einkommen, also weder Vermögen oder ein Sparbuch oder sonstiges Konto hat, ist er natürlich auch nicht zur Abgabe einer Einkommenserklärung verpflichtet.

Wenn dagegen ein griechischer Steuerpflichtiger Einkommen aus dem Ausland, jedoch keinen ständigen (Auslands-) Wohnsitz für mehr als 183 Tage hat, wird er dann in Griechenland für sein weltweites Einkommen besteuert.

Was für all jene gilt, die Steuerabzüge im Ausland haben

Ein Punkt der Reibung ist jedoch, was geschieht, wenn jemand Steuern in dem Staat bezahlt hat, in den er vorübergehend emigrierte. In diesem Fall hat er von den Behörden dieses Staats eine Bescheinigung über die entrichteten bzw. einbehaltenen Steuern beantragen und erhalten, und dann kommen natürlich die zwischenstaatlichen „Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung“ (DBA) zur Anwendung.

Wenn der Steuerpflichtige ein Einkommen in einem Land erzielt hat, mit dem Griechenland ein DBA abgeschlossen hat, gibt es kein Problem: Er wird das im Ausland erworbene Einkommen und auch die entsprechende (entrichtete / einbehaltene) Steuer deklarieren. Eine Auflistung der Länder, mit denen Griechenland ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat, kann hier aufgerufen werden: Conventions for the Avoidance of Double Taxation

Einkommen aus Ländern ohne DBA mit Griechenland

Die Probleme beginnen, wenn ein Einkommen in einem Land ohne DBA mit Griechenland erzielt wird, womit dieses Einkommen in Griechenland sogar auch dann doppelt besteuert werden kann, wenn im Ausland bereits Steuern einbehalten worden sind. Eine ähnliche Anzweiflung kann sich auch bei dem Nachweis des Steuerwohnsitzes in Staaten ergeben, die in steuerlichen Themen nicht mit Griechenland kooperieren. Diese Staaten sind in einem einschlägigen Rundschreiben der Direktion für Wirtschaftsbeziehungen (DOS A 1011408 EX 20.01.2012) bestimmt und der Gesetzgeber sieht vor, dass im Fall der Verlegung des ständigen Wohnsitzes in irgend eins dieser nicht mit Griechenland kooperierenden Länder die griechischen Steuerbehörden von der Annahme ausgehen, dass der Steuerpflichtige immer noch in Griechenland wohnt, und ihn für sein weltweites Einkommen in Griechenland besteuern.

Nach all dem Vorstehenden ist offensichtlich, dass unsere Mitbürger dem Thema ihres ständigen Wohnsitzes im Ausland, der Abkommen Griechenlands über die Vermeidung doppelter Besteuerung sowie auch der nicht kooperativen Länder besondere Aufmerksamkeit zu schenken haben. Ansonsten wird es – speziell innerhalb der EU – keinerlei Anzweiflung geben und es steht allen frei, nach einer besseren beruflichen Zukunft im Ausland zu suchen.

(Quelle: moneyguru.gr)

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