Halb Griechenland auf CDs der Steuerfahnder

20. Januar 2014 / Aufrufe: 1.031

Den Steuerfahndern in Griechenland liegen 65 CDs mit Kontodaten griechischer Banken vor, die möglicherweise Fälle von Steuerhinterziehungen enthalten.

Wie jüngst der Leiter des Dezernats für Wirtschaftskriminalität (SDOE) vor dem griechischen Parlament enthüllte, hält das SDOE halb Griechenland in den Händen: Stelios Stasinopoulos bestätigte Informationen über die Existenz von 65 CDs mit Daten griechischer Steuerpflichtiger, die wegen Themen der Kontrolle in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung dem SDOE und den Wirtschaftsstaatsanwälten vorliegen.

Es sind Daten, die mein Amtsvorgänger (Anmerkung: Giannis Diotis) angefordert hatte. Auf diesen CDs ist halb Griechenland enthalten. Es ist nicht möglich, halb Griechenland zu überprüfen. Ich glaube, der damalige Leiter und der Sekretär, von denen die CDs angefordert wurden, taten dies, damit die CDs bei anderen Überprüfungen helfen, und nicht, damit sie für sich kontrolliert werden„, meinte einleitend Herr Stasinopoulos und erklärte, die 65 Listen umfassen natürliche und juristische Personen, separiert nach verschiedenen Parametern wie beispielsweise, ob sie Kredite von über 100.000 Euro aufgenommen haben.

Steuerprüfungen schreiten im Schneckentempo voran

Im weiteren Verlauf ließ Herr Stasinopoulos unter trivialen Feststellungen und tragikomischen Ausführungen durchklingen, die Daten enthüllen möglicherweise Steuerhinterziehungen, und vertrat, unter seiner Leitung sei ein Ausschuss gebildet worden um den Inhalt der CDs zu erforschen. „Seit Mai 2013 existiert ein Gesetz, das besagt, dass wir keine Steuerprüfung durchführen können, und deswegen musste ihre Untersuchung bei den Finanzämtern erfolgen. Die Wirtschaftsstaatsanwälte befanden, informiert werden zu müssen, und wir haben ihnen alle CDs geschickt. Wenn sie urteilen, sie müssen in Zusammenarbeit mit ihnen untersucht werden, wird dies geschehen„, erklärte der Leiter des SDOE.

Abgesehen davon rief bei den Abgeordneten einen unangenehmen Eindruck auch das Bild hervor, das Herr Stasinopoulos über den Fortschritt der Prüfung „Lagarde-Liste“ wiedergab und damit belegte, dass sie im Schneckentempo voranschreitet. Trotz der Tatsache, dass die Daten sich seit 15 Monaten in den Händen des SDOE befinden, ist keinerlei Geldstrafe verhängt worden.

Aus den 2.061 Datensätzen der Lagarde-Liste sind ungefähr 1.700 natürliche und juristische Personen identifiziert worden. Davon erscheinen in 919 Fällen praktisch keine Beträge, während 205 Personen ihre Guthaben durch ihre Steuererklärungen zu decken scheinen. Für die übrigen ungefähr 550 Fälle sind 266 Überprüfungen angeordnet worden, von denen sich nur 155 in einem fortgeschrittenen Stadium befinden. Beeindrucken ist dabei, dass bereits vor Monaten die selben Angaben auch Finanzminister Giannis Stournaras gemacht hatte.

Leiter des SDOE leugnet Verstrickung politischer Personen

Insgesamt ist jedenfalls die Überprüfung nur für sechs Personen abgeschlossen worden, unter denen sich auch die vier Verwandten des (ehemaligen Finanzministers) Giorgos Papakonstantinou befinden (deren Daten der ehemalige Finanzminister von der Liste gelöscht haben soll), wobei das verheimlichte Vermögen bei 10 Mio. Euro liegt.

Nachdem Herr Stasinopoulos keine klaren Antworten über das Konto mit den 562 Mio. Euro gab, aber auch auf die einschlägigen Fragen „seine Zunge verschluckte“ und vertrat, nichts über das Vorhandensein politischer Personen auf der Liste zu wissen, wetterte die SYRIZA-Abgeordnete Zoi Konstantopoulou los und hielt dem verblüfften Leiter des SDOE vor:

Es kann nicht angehen, dass Sie solche Dinge äußern, während sich auf der Liste der Berater des Premierministers, Herr Papastavrou befindet, der mit der Unterstützung gewisser Personen sogar auch für die Position des Finanzminister nominiert wird. Befanden sich auf der Liste nicht Herr Papakonstantinou und Herr Voulgarakis? Was erzählen Sie uns da?!

(Quelle: DimokratiaNews.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Team
    20. Januar 2014, 16:33 | #1

    Wie erwartet rief der Beitrag wieder einmal die einschlägige Klientel auf den Plan, um sich erst in den üblichen Biertisch-Philosophien zu ergehen und dann zutiefst beleidigt die Löschung dieser Kommentare zu monieren. Muss das wirklich sein?

  2. GR-Block
    20. Januar 2014, 18:30 | #2

    Liebe Griechenland-Blog-Leidensgenossen. Es ist wirklich schwer, unser Dream Team weich zu klopfen, mit immer den selben Phrasen. Aber nur Mut. Füllt den alten Wein in neue Schläuche, anstatt drauf stehen zu bleiben, und bietet ihn nochmal an. Also jetzt probier ich’s auch mal (wieder):

    Eigentlich haben die Steuereintreiber des Herrn Stasinopoulos kaum Hinweise, um gezielt gegen Steuerhinterziehung vorzugehen, woher auch. Komplettlisten der Steuerzahler helfen da nicht. Die haben die Finanzämter nämlich selber schon, also ist es wirklich deren Job zu recherchieren. „… 65 CDs mit Kontodaten griechischer Banken … die möglicherweise Fälle von Steuerhinterziehungen enthalten.“ Soll also heißen: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder ’s bleibt wie’s ist.“
    „Aus den 2.061 Datensätzen der Lagarde-Liste … erscheinen in 919 Fällen praktisch keine Beträge,“ Nanu, hat Frau Lagardes Suchmaschine Mist gebaut, als die Liste „griechischer“ Steuerhinterzieher erstellt wurde? Oder wollte man lediglich die notorisch unterbesetzten Finanzämter in heilloses Recherchieren nach leeren Konten verstricken?

    Liebe Freunde, wenn in dem Land mit der EU-weit geringsten „Beamten“-Zahl (pro Bevölkerung) und einer unterdurchschnittlichen Schattenwirtschaft (pro Bevölkerung) die Verwaltungsorgane derart in die Irre geleitet werden, nämlich von der eigenen Regierung, den sog. EU-„Partner“ und dem IWF, dann wissen wir, dass wir offensichtlich ganz furchtar wichtig sind (für sie) und uns noch etwas bevorsteht. Mal sehen wieviele „Beamte“ jetzt entlassen werden. GR kommt mir vor wie ein Supermarkt, dessen Umsatz immer weiter fällt. Und um die Betriebskosten zu senken, empfehlen die Kreditgeber, erst mal die Kassiererin zu entlassen 😉 Klar, so kriegt man auch Kundschaft („Investoren“) in den Laden. 😆
    Der Wahnsinn geht also noch weiter, und zwar „… in einem fortgeschrittenen Stadium …“

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