Griechenland: ein weiterer praktischer Mythos

13. Januar 2014 / Aufrufe: 454

Mit der Substituierung der umstrittenen Krankenhausgebühr in Griechenland durch eine neue Tabaksteuer scheinen fast alle Faktoren zufrieden zu sein.

Jemand schrieb auf Twitter, wenn man auf jedes Paket Zigaretten eine Steuer von 100 Euro erheben würde, könnten die enthaltsamen Bürger möglicherweise der Besteuerung ihres Immobilienbesitzes entgehen. Ein gelungener Sarkasmus.

Die Substituierung der Krankenhausgebühr von 25 Euro für die Behandlung in den Krankenhäusern durch eine neue indirekte Steuer auf den Tabak passte fast allen. Die „moralische Legitimierung“ der Maßnahme ist, dass diejenigen zahlen, die auf einer das Gesundheitssystem belastenden schädlichen Angewohnheit beharren, und nicht diejenigen, die ins Krankenhaus eingewiesen werden – gleich ob sie Raucher sind oder nicht.

Ist es gerecht, Raucher mehr zu belasten?

Mit dieser brillanten Idee haben somit der „Zusammenhalt der Regierung“ und die verschwindenden Reste der PASOK-Partei die Situation wieder einmal geflickt, während die Regierungskollegen des Gesundheitsministers Adonis Georgiadis eine Gelegenheit fanden, ihm eine heimtückische schallende Ohrfeige zu verpassen.

Der Dialog um die Krankenhausgebühr war von Anfang an schief gelaufen und ausschließlich auf „die neue Abzocke der armen Patienten“ und nicht darauf gerichtet, dass die Maßnahme in der Luft hing. Also auf das Fehlen einer Planung und eines aufrichtigen Dialogs darüber, wie das kranke System der primären Gesundheitsversorgung und der Krankenhausbehandlung umstrukturiert werden kann. Zu so etwas hat der partei- und senderübergreifende Sumpf des Populismus jeder weder Lust noch den Verstand.

Kehren wir jedoch zum Gegenstand zurück. Ist die Maßnahme gerecht? Belasten also die Raucher das Gesundheitssystem und die Sozialausgaben mehr als die Nichtraucher, wie die Leute mehrheitlich glauben?

Raucher sind „wirtschaftlicher“ als Nichtraucher

Jean de Kevasdoue, Direktor am Sitz für Finanzen und Verwaltung der Gesundheitsleistungen der CNAM, vertritt in seinem berühmten Buch „Und wenn alles, was die Ökologen sagen, nicht wahr ist?“ (Polis Verlag 2010), dass es sich um einen weiteren pseudowissenschaftlichen Mythos handelt. Da die Lebenserwartung der Raucher um Einiges unter dem Durchschnitt der Bevölkerung liegt und sie vorzeitig – hauptsächlich an Herzgefäßerkrankungen – sterben, nehmen sie eher weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch als die langlebigeren Nichtraucher. Parallel haben sie wegen des frühen Versterbens eine eindeutig geringere Rentenbelastungs-Periode. Makabere Berechnungen, jedoch scheint dieser unkonventionelle Denker sie angestellt zu haben. Gesellschaftlich gesehen sind die Raucher wohl „wirtschaftlicher“ als die Nichtraucher.

Ich besteuere die Zigaretten, um mittels der Einstellung des Rauchens die Gesundheit der Bürger zu schützen„, wobei man ein paar Euro auf das Päckchen aufschlägt um ein Resultat zu erzielen – dabei jedoch für den Ausgleich des Rückgangs der staatlichen Einnahmen parallel eine andere „gleichwertige“ Maßnahme findet – ist also etwas anderes als der Mythos der „gerechten Steuer“, um das politische und volkswirtschaftliche Problem aus dem Verlust der Krankenhausgebühr auszubügeln.

Und um es nicht zu vergessen: Diese Diskussion erfolgt in einem der wenigen Länder der Welt, dessen Restaurants und Cafés weiterhin stinkige Raucherhöhlen sind.

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Thanasis Skokos)

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