Griechenland: Beerdigung in einem schwarzen Sack

24. Januar 2014 / Aufrufe: 967

An AIDS verstorbene Personen sind in Griechenland in schwarzen Säcken zu bestatten!

Von außerordentlichem Interesse war die Tagung mit dem Thema „Die Rolle des Parlaments in der Bewältigung von HIV/AIDS„, die am 20 Januar 2014 der Verband der HIV-Positiven Griechenlands „Positive Stimme“ in einem zentral gelegenen Hotel in Athen durchführte.

Protagon hatte bei der Tagung seinen Ehrenauftritt in der Rolle des Moderators der Diskussion zwischen den Abgeordneten Vasilis Kikilias (Nea Dimokratia – ND), Vasiliki Katrivanou (SYRIZA), Kostas Triantafyllos (PASOK), Panagiotis Melas (Unabhängige Hellenen – ANEL), Katerina Markou (Demokratische Linke – DIMAR), Liana Kanelli (Kommunistische Partei Griechenlands – KKE) und dem unabhängigen Abgeordneten Odysseas Voudouris, in welche Diskussion sich ebenfalls der parlamentarische Sprecher der SYRIZA, aber vorher auch die Abgeordnete der Partei, Zoi Konstantopoulou, einschalteten.

Alltägliche Schwierigkeiten der Ärzte und Patienten

Derjenige, der auch „die Show stahl“, war jedoch der praktizierende Pathologe für Infektionen des Athener Krankenhauses „Evangelismos“ und Mitglied des Vorstands der Griechischen Gesellschaft für Studium und Bekämpfung von AIDS (EEMAA), Vasilis Papastamopoulos, der auf eloquenteste Weise die Schwierigkeiten verzeichnete, denen die Fachärzte, aber auch unsere HIV-positiven Mitmenschen und AIDS-Patienten bei ihrem alltäglichen Zugang zur medizinisch-pharmazeutischen Versorgung begegnen:

  • 12.500 HIV-Positive und AIDS-Patienten besuchen jedes Jahr die Ambulanzen des Krankenhauses „Evangelismos“.
  • 1.000 HIV-Positive und AIDS-Patienten betreut in diesem Jahr die Abteilung für spezielle Infektionen der 5. Pathologischen Klinik des „Evangelismos“.
  • In den beiden letzten Jahren werden im „Evangelismos“ jährlich 150 HIV-Positive und AIDS-Patienten behandelt, wogegen sich vor drei Jahren nur 50 in Behandlung befanden.
  • Einen Anstieg um 400 verzeichnet in den beiden letzten Jahren die Anzahl der HIV-Positiven und AIDS-Patienten, die von der Abteilung für spezielle Infektionen des „Evangelismos“ betreut werden.
  • Im „Evangelismos“ wird seit inzwischen … drei Monaten ein nicht versicherter HIV-Positiver gepflegt, weil ihm im Fall seiner Entlassung die Erblindung droht, da er nicht vermag, sich über den Markt ein für seine Gesundheit wertvolles Medikament zu besorgen, das 500 Euro im Monat kostet.
  • In den beiden Jahren 2012 – 2013 waren 6 – 7 HIV-positive Patienten des „Evangelismos“ gleichzeitig nicht versichert, obdachlos, HIV-Träger, Konsumenten intravenöser Drogen und von Tuberkulose befallen.
  • Die ärztliche Verschwiegenheitspflicht ist für HIV-Positive und AIDS-Patienten trotz der vollumfänglichen und sehr strengen Gesetzgebung löchrig, da es keinerlei schriftliche Verordnung für ihre Umsetzung gibt und die Krankengeschichte und die Gesundheitsbescheinigungen für HIV-Positive und AIDS-Patienten zwischen privaten Arbeitgebern, aber auch Staatsanwälten ausgetauscht werden.

Was letzteres bedeutet? Der Vorsitzende der „Positiven Stimme“, Nikos Dedes, erinnert an folgende Makabrität, die sogar auch heute die Gesetzgebung in Griechenland vorsieht: Wird ein Tod wegen AIDS mitgeteilt, sieht die Gesetzgebung die Beerdigung des verstorbenen in … einem schwarzen Sack vor!

Schließlich ist anzumerken wert, dass das Krankenhaus „Evangelismos“ inzwischen einem ernsthaften Problem der Verfügbarkeit von Medikamenten gegen HIV/AIDS begegnet, nach entsprechenden Problemen, die vor kurzem auch in den Universitätskliniken in Thessaloniki „ACHEPA“ und Chaidari „Attikon“ auftraten …

(Quelle: Protagon.gr)

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