Keine Steuerkontrollen in Griechenland nach 22 Uhr

2. Dezember 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.871

In Ermangelung der erforderlichen Mittel werden in Griechenland bis auf weiteres nach 22 Uhr keine präventiven Steuerkontrollen mehr durchgeführt.

Präventive Steuerkontrollen, jedoch nur bis 10 Uhr abends, werden fortan Beamten der Finanzämter durchführen, wobei das Interesse sich speziell auf Apotheken, Restaurants, Kfz-Werkstätten, Hotels und Schönheitssalons konzentriert.

Mit einem Runderlass des Generalsekretärs für öffentliche Einnahmen, Charis Theocharis, werden die Finanzämter zur Aufnahme präventiver Kontrollen auf dem Markt angewiesen, nachdem die bisher bei dem Dezernat für Wirtschaftsverbrechen (SDOE) liegende Zuständigkeit den Steuerbehörden angetragen wurde. Die Kontrollen werden jedoch um 22 Uhr enden, da im Finanzministerium keine Mittel für nächtliche Kontrollen vorhanden sind.

Steuerhinterzieher bleiben nach 22 Uhr unbehelligt

Dies bedeutet, dass Bars, nächtliche Vergnügungsbetriebe und Restaurants nach 10 Uhr abends … unbehelligt Steuern hinterziehen können. Bezüglich der Durchführung von Kontrollen später in der Nacht wird ein neuerer Beschluss erwartet, nachdem auch die einschlägigen Mittel sichergestellt sein werden.

Gemäß dem in Rede stehenden Runderlass ist bis zur Aufnahme des Betriebs der neuen Direktion für präventive Steuerkontrollen im Februar 2014 vorgesehen:

  • Es werden Teams für präventive Kontrollen zusammengestellt, die jeweils aus wenigstens zwei Beamten bestehen.
  • Ist bei dem jeweiligen Finanzamt ein Beamter bedienstet, der bei dem SDOE in Dienst stand und zum Finanzamt versetzt wurde, wird er obligatorisch in diesen Teams eingesetzt.
  • Die Teams werden an allen Wochentagen morgens, nachmittags und abends – jedoch nur bis 22 Uhr – präventive Steuerkontrollen durchführen.

Die Kontrollen werden sich auf die Bewegung von Gütern, deren Verkauf und die Erbringung von Dienstleistungen konzentrieren. Konkret wird kontrolliert werden, ob Quittungen, Lieferscheine, Rechnungen usw. über die Bewegung und den Verkauf von Gütern oder die Erbringung von Dienstleistungen unter Gewerbetreibenden oder zwischen Gewerbetreibenden und Privatleuten – Konsumenten ausgestellt wurden.

Taschenkontrollen bei den Kunden

40% der Kontrollen sollen nachmittags und abends durchgeführt werden. Ergibt sich bei den Überprüfungen der (abschließenden oder periodischen) Mehrwertsteuer-Deklarationen für Unternehmen, die Güter verkaufen oder Dienstleistungen erbringen, die verschiedenen MwSt.-Sätzen unterliegen (z. B. Apotheken, Restaurants usw.), der Verdacht auf eine „Verlagerung“ der Mehrwertsteuer zu einem niedrigeren Satz, wird das Finanzamt umgehend zu einer vorläufigen oder regulären Steuerprüfung schreiten.

Bei den Gastronomie- und Vergnügungsbetrieben (z. B. Tavernen, Restaurants, Grillstuben, Pizzerias, Cafés, Bars), für die im vergangenen Sommer und mit Wirkung bis zum 31 Januar 2014 der MwSt.-Satz vorläufig von 23% auf 13% gesenkt wurde, werden die Kontrolleure sich sowohl in das Geschäft als auch zu dessen eventuellen Außenflächen begeben, um die ordnungsgemäße Ausstellung steuerlicher Belege über den Konsum von Speisen, Getränken usw. vor Ort festzustellen.

Kontrollen sollen auch (wieder) bei Kunden durchgeführt werden, die einen Betrieb / Laden verlassen bzw. augenscheinlich aus getätigten Einkäufen stammende Waren mit sich führen. Die Möglichkeit zu solchen Kontrollen wurde schon vor Jahren eingeführt wurde, um die Konsumenten in die Pflicht zu nehmen, die Ausstellung von Quittungen und Rechnungen zu verlangen. Zivile Steuerfahnder dürfen demnach „Taschenkontrollen“ durchführen und ein Strafgeld verhängen, wenn für offensichtlich gerade eingekaufte Gegenstände keine Quittung vorgewiesen werden kann. Die Geldstrafe beläuft sich (gemäß einer älteren Bestimmung) global auf 50% des Warenwertes, kann jedoch nicht niedriger als ca. 15 Euro und nicht höher als ca. 300 Euro liegen.

(Quelle: Imerisia.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Ronald
    3. Dezember 2013, 17:29 | #1

    Ich stelle mir gerade vor was mir als Tourist in Griechenland im letzten Sommer hätte passieren können: Rund die Hälfte der Geschäfte, Tankstellen oder Tavernen in denen ich war stellten – auch auf Nachfrage – keine Quittungen aus. Es hieß immer „die Kasse sei gerade kaputt“ oder „der Chef sei nicht da und nur der könne die Kasse bedienen“.
    In Athen wurden deutlich mehr Quittungen ausgestellt als in ländlichen Regionen, wo auch in jedem Kaffeneo die Abrechnung noch über die Hosentasche des Kellners läuft. Ich habe nicht den Eindruck, als würden sich notorische Steuerhinterzieher außerhalb von Athen irgendwelche Sorgen machen, egal zu welcher Tageszeit

  2. juls
    4. Dezember 2013, 15:54 | #2

    Also es gibt ein Gesetz hier in Griechenland, wer keine Qittung beim Essen oder Trinken bekommt, kann aufstehen und gehen: dann wird man sehen, wie schnell man eine Quittung kommt. Ansonsten gibt es ueberall die Touristenpolizei, der man solche Anliegen mitteilen kann, und solche Dinge sollte man auch in Anspruch nehmen, wer es nicht macht, hat selber Schuld!

  3. Uschi Niemann
    6. Dezember 2013, 19:49 | #3

    Ja, man wird leider immer noch komisch angeschaut, wenn man anch einem Beleg fragt. Als ein Kellner mal „5 Euro“ zu mir sagte, ohne einen Beleg zu geben, hab ich geantwortet „Nein, ich glaube, das ist heute gratis.“ Der war wütend und hat mich gebeten, meinen Kaffe in Zukunft lieber woanders zu trinken …

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