Griechenland dementiert Rentenstopp für 2014

13. Dezember 2013 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 1.942

Der Arbeitsminister in Griechenland bezeichnet einen angeblich von der Troika verlangten Rentenstopp für 2014 als Szenarium wissenschaftlicher Phantasie.

Der griechische Arbeitsminister Giannis Vroutsis dementierte eine Pressemeldung, laut der die Troika in einer E-Mail praktisch darauf hinarbeiten soll, dass im Jahr 2014 keine neuen Renten bewilligt werden, und sprach vor dem Parlament von einem „Science-Fiktion-Szenarium“.

Laut Informationen der Zeitung „Eleftheros Typos“ verlangten die Stäbe der Troika mit der in Rede stehenden E-Mail (einer der vielen, die ausgetauscht werden) Informationen darüber, auf welche Höhe sich die Rentenzahlungen des Zeitraums 2014 – 2017 gestalten würden, wenn bei den Aufwendungen keinerlei neue Renten im Jahr 2014 einbezogen werden.

Rentenstopp würde über 160.000 Rentenanwärter betreffen

Wie bezeichnend angemerkt wird, ist es das erste Mal, dass die Möglichkeit einer Blockade bei den neuen Renten auf den Tisch der Diskussionen gebracht wird, falls die massenhafte Flucht der Versicherten in die Rente nicht aufhören sollte.

Die Gläubiger enthüllten also mit der „Brandmail“ praktisch, nicht nur den Frührenten einen Riegel vorschieben, sondern sogar auch die Bewilligung neuer Renten verbieten zu wollen, da sie sehen, dass die Etats der Versicherungskassen mit den Maßnahmen, die bei den – nur stockend voranschreitenden – bisherigen Diskussionen mit der Regierung einbezogen worden sind, nicht „schließen“.

Die von griechischer Seite auf diese E-Mail gegebene Antwort lautete, dass im Fall einer „Einfrierung“ der Zahlung neuer Renten im Jahr 2014 die von den Kassen für das kommende Jahr (2014) benötigten Beträge die seien, die sie all jenen zahlen, die bereits Rentner sind und in dem Zeitraum 20 – 23 Dezember 2013 bezahlt werden. Laut den Angaben des griechischen Arbeitsministeriums belaufen die Aufwendungen für Rentenzahlungen sich derzeit auf 2,29 Mrd. Euro im Monat.

Jedenfalls ist anzumerken, dass, sofern die Troika diese extreme Maßnahme des allgemeinen Rentenstopps durchsetzen sollte, insgesamt mehr als 160.000 – hauptsächlich bei dem Versicherungsträger IKA – auf den Wartelisten der Rentenanwärter stehende Versicherte buchstäblich … in der Luft hängen werden.

(Quelle: To Vima, To Pontiki)

  1. Jetzt-red-I
    13. Dezember 2013, 15:37 | #1

    Die IKA Athen hat meine Rente in Höhe von 114,– Euro sechs Jahre lang auf mein Konto in Deutschland überwiesen. Dann hat sie 5 Monate nicht mehr bezahlt und jetzt wieder mit der Überweisung begonnen. Die 6 Monate Rentennachzahlung steht immer noch aus, während man in Griechenland Staatsbedienstete noch mit 14 Monatsgehälter zufridenstellt.

    • Team
      13. Dezember 2013, 17:02 | #2

      @Jetzt-red-I
      Diese speziell von deutschen Boulevard- und Hetzmedien kultivierte Latrinenparole bezüglich des angeblichen 13. + 14. Monatsgehalts ist in zweifacher Hinsicht nicht korrekt: Erstens verbirgt sich dahinter nichts anderes als die auch auf dem öffentlichen Sektor in Deutschland einen festen Bestandteil der Besoldung darstellenden Feiertags- und Urlaubszulagen, zweitens sind diese Zulagen in Griechenland unabhängig von der Höhe des Gehalts auf insgesamt 1.000 Euro pro Jahr „gedeckelt“ und in die Bezüge gemäß der neuen einheitlichen Besoldungsordnung integriert worden.

      Ergänzend sei angemerkt, dass die korrekten Bezeichnungen „επίδομα Χριστουγέννων“ (Weihnachtszulage), „επίδομα Πάσχα“ (Osterzulage) und „επίδομα αδείας“ (Urlaubszulage) lauten – also weder 13. noch 14. noch (sonst-) wievieltes Gehalt lauten!

  2. Ronald
    13. Dezember 2013, 22:57 | #3

    Da hat das @Team sogar mal Recht.
    Diese Geschichte mit den 13 – 14 Monatsgehältern und auch dieses Herumrumreiten auf den Zulagen ist in der Tat ein großer Unsinn, auf den nur Leute reinfallen, die die mathematischen Basics nicht beherrschen: Es ist völlig unerheblich, in welcher Form ein Gehalt (Zulagen, Anzahl der Gehälter) gezahlt wird; entscheided ist, was am Jahresende in der Summe rauskommt. Und das ist bei den griechischen „Staatsdienern“ (ich apostrophiere das, weil die wenigsten dem Staat dienen) inzwischen wenig. Meine „Koumbara“ hat einen Doktortitel in Ökonomie und lehrt Vollzeit an der Uni Athen. Sie könnte in Deutschland ergänzendes Hartz IV beantragen.
    Auch die Aussage, die Rentner gingen mit einem hohen prozentuellen Anteil ihres Gehaltes in Rente (man sprach von 85-95 % des Einkommens), war irreführend. Der hohe Prozentsatz bezog sich nämlich nur auf das (niedrige) Grundgehalt, ohne die zahlreichen Zulagen.
    Der Cut bei den Gehältern der Staatsbediensteten war ein großer Fehler: Die letzten Regierungen haben kaum Personal entlassen und sich dafür entschieden, fast alle zu behalten und allen die Gehälter zu kürzen. Jetzt ist der Staatsapparat genau so aufgebläht und handlungsunfähig wie früher, die Leute sind letztlich aus der Not heraus noch anfälliger für „Fakelaki“, und die Motivierten sind demotiviert. Aber weder PASOK noch ND wollen ihre verbliebene Gefolgschaft im Staatsapparat verprellen. Es geht hier einfach um den Machterhalt der drei Familien.

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