Steuerschulden in Griechenland auf neuem Rekordstand

8. November 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 976

Die fälligen Verbindlichkeiten privater und juristischer Personen an den Fiskus in Griechenland summierten sich Ende September 2013 auf fast 62 Milliarden Euro.

Einen neuen Rekord verzeichneten die fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus, die gegen Ende September 2013 knapp 62 Mrd. Euro erreichten, wobei die „neuen“ (also innerhalb des Jahres 2013 aufgelaufenen) fälligen Verbindlichkeiten sich auf 5.848 Mrd. Euro belaufen.

Eindruck, aber auch intensive Nachdenklichkeit verursacht der Umstand, dass die Anzahl der Unternehmen, die dem Fiskus Geld schulden, im September 2013 um 343.692 emporschnellte. Konkret beläuft sich die Anzahl der Unternehmen mit Schulden an den Fiskus auf 526.477, gegenüber 182.785 gegen Ende August 2013 – was zeigt, dass die Unternehmen sich in einer wirtschaftlichen Sackgasse befinden und zunehmend nicht mehr vermögen, ihren steuerlichen Verpflichtungen zu entsprechen.

Rund 95% der gerichtlich bestätigten Geldstrafen stehen aus

Zur selben Stunde hängen Einnahmen in Höhe von 16,488 Mrd. Euro aus Steuer- und Zollstrafen in der Luft, die zwar festgestellt und von den Gerichten für endgültig erklärt wurden, der Steuereintreibungsmechanismus jedoch nicht den öffentlichen Kassen zuzuführen vermag. Die Gerichte haben Geldstrafen in Höhe von 17,376 Mrd. Euro bestätigt, in die Kassen des Staats sind jedoch gerade einmal 887,66 Mio. Euro geflossen, was einem Anteil von 5,1% des Gesamtbetrags entspricht.

Dabei handelt es sich um Geldstrafen, die sich auf Steuer- und Zollsachen beziehen, in denen Einspruch eingelegt wurde und die bis Ende September 2013 ausprozessiert wurden. In den Gerichtssälen „stapeln“ sich derzeit mehr als 127.000 Steuer- und Zollverfahren. Charakteristisch ist, dass sich für nur 32.738 bei den Gerichten anhängigen Verfahren die Gesamthöhe der Geldstrafen auf 8 Mrd. Euro beläuft.

Die Angaben der Zentrale für Öffentliche Einnahmen über die fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus zeigen Folgendes:

  • Im September ließen die Steuerzahler Steuern und Abgaben in Höhe von 739,27 Mio. Euro unbezahlt.
  • Von den 61,953 Mrd. Euro sind 22,6 Mrd. Euro Verbindlichkeiten, die von 2.594.366 natürlichen Personen geschuldet werden, und die übrigen 39,35 Mrd. Euro werden von 526.477 Unternehmen und sonstigen juristischen Personen geschuldet.
  • Im Durchschnitt schuldet jeder eine natürliche Person darstellende Schuldner des Fiskus 8.712,41 Euro. Im Gegensatz zu den Unternehmen sank die Anzahl der natürlichen Personen mit Verbindlichkeiten an den Fiskus im September, da sie gegenüber 2.819.741 Ende August auf 2.594.366 Personen zum 30. September zurückging.
  • Jede juristische Person schuldet dem Fiskus im Durchschnitt 74.743 Euro.
  • Die fälligen Verbindlichkeiten aus der Mehrwertsteuer belaufen sich auf 13,7 Mrd. Euro.
  • Die Verbindlichkeiten aus Einkommensteuern belaufen sich auf 11,135 Mrd. Euro.
  • Die Verbindlichkeiten aus Vermögenssteuern belaufen sich auf 830 Mrd. Euro.

Die in den neuen Monaten Januar – September 2013 beigetriebenen Einnahmen aus fälligen Verbindlichkeiten erreichten 2,132 Mrd. Euro und sind im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 35% bzw. 553 Mio. Euro gestiegen. Weiter wird angemerkt, dass die in den ersten neuen Monaten des Jahres 2013 aus fälligen Verbindlichkeiten eingenommenen Beträge ungefähr genau so hoch sind wie die Beträge, die während des gesamten Jahres 2011 in die öffentlichen Kassen flossen.

(Quelle: Imerisia.gr)

Relevante Beiträge:

  1. juls
    8. November 2013, 13:43 | #1

    Wenn man diese Summen liest und bedenkt, was da jetzt mit der Troika ausgehandelt werden muss, wegen „nur“ ca. 3 Milliarden Euro, da stehen mir die Haare zu Berge. Der Rentner wird wieder herhalten muessen, weil die Steuergelder einfach nicht eingetrieben werden, man darf darueber gar nicht weiter nachdenken.

  2. Moppel
    8. November 2013, 15:51 | #2

    Wo nichts (mehr) ist, gibt es auch nichts (mehr) zu holen, daran werden weder drakonische Sanktionen noch die ausgefeiltesten Steuermechanismen etwas ändern. Auf dem Papier sieht es natürlich gut aus, auf Jahre im Gefängnis einsitzenden Schuldnern obendrein ein paar hunderttausend Euro oder insolventen Unternehmen im Nachhinein sogar ein paar Millionen aufs Auge zu drücken und dann auch noch unendlich mit horrenden Strafzinsen zu belegen. Ebenso steht jedoch außer Zweifel, dass solche irrealen „Verbindlichkeiten“ niemals beigetrieben werden können:
    Schuldenschnitt in Griechenland
    42 Mrd aus Steuern sind für Griechenland verloren

Kommentare sind geschlossen