Operationen in Griechenland auch nachmittags, aber gegen Bezahlung!

12. November 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.010

In den öffentlichen Krankenhäusern in Griechenland sollen zukünftig auch nachmittags Operationen durchgeführt werden können – allerdings gegen Bezahlung.

Mit dem Ziel, die (nicht zuletzt infolge der von der Troika verlangten radikalen Eisparungen ständig wachsenden …) endlosen Wartelisten für reguläre Operationstermine im Nationalen Gesundheitssystem ESY zu entlasten, plant die griechische Regierung, die Operationssäle der öffentlichen Krankenhäuser auch nachmittags zu öffnen.

Wie bereits bei den sogenannten „Nachmittagspraxen“ in den Ambulanzen der öffentlichen Krankenhäuser werden laut einer Reportage der Zeitung „Kathimerini tis Kyriakis“ allerdings auch die nachmittags (sprich außerhalb der regulären Dienstzeiten) erfolgenden operativen Eingriffe einen konkreten Preis haben.

Wer es sich leisten kann, wird ohne Wartezeit operiert

Im Klartext bedeutet dies, dass alle (Kassen-) Patienten, die nicht länger auf einen regulären Operationstermin warten können oder wollen und es sich finanziell zu leisten vermögen, den Chirurgen aus eigener Tasche zu bezahlen haben, während die übrigen Kosten des Krankenhausaufenthalts wie üblich von den zuständigen Kassen getragen werden.

Wie der Präsident der Athens Medical Society, Nikos Maroudias betonte, „gilt diese Maßnahme bereits in Italien und Portugal„. Er persönlich schätzt ein, dass in 18 Monaten die Behandlungen (in den öffentlichen Krankenhäusern) um 360.000 Fälle zunehmen und die Einnahmen für das Nationale Gesundheitssystem (ESY) um 700 Mio. Euro steigen werden.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass den Ärzten des ESY mit der bereits vor Jahren erfolgten Einführung der „Nachmittagspraxen“ gestattet wurde, in den Ambulanzen der öffentlichen Krankenhäuser außerhalb ihrer regulären Dienstzeit nachmittags Patienten „privat“ – sprich gegen Bezahlung – zu empfangen.

(Quelle: Imerisia.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Tinos
    12. November 2013, 13:12 | #1

    Das nennt man dann wohl „offizielle Bestechung“?
    Damit ist die Einführung der „Zweiklassen Gesellschaft“ definitiv eingeführt!

  2. Catalina
    12. November 2013, 19:01 | #2

    Und das andere Schlimme ist eigentlich, dass die Ärzte für ihre „Privatsprechstunden“ die Räume und die ärztlichen Geräte bzw. die ärztlichen Instrumente des Krankenhauses benutzen können, welche irgendwann einmal über die Krankenkassenbeiträge von den Versicherten bezahlt wurden. Mit anderen Worten: eigene Praxis für den Arzt zum Nulltarif. Besser geht’s doch gar nicht 🙁

  3. juls
    12. November 2013, 19:04 | #3

    das laeuft genau darauf aus, wer Geld hat lebt laenger. ich sagte es bereits vor 2 Tagen bei dem Artikel ueber das Krankenhaus, und hier wird es quasi bestaetigt.

  4. juls
    12. November 2013, 20:41 | #4

    Sie benutzen nicht nur die Geraete, auch Verbandszeug und was man halt so braucht um Patienten zu versorgen, wird alles vom Krankenhaus genommen – das geht dann den kassenpatienten verloren. Habe ich selbst im Krankenhaus erlebt, wo ich am Nachmittag in die „Privatsprechstunde“ gehen musste.

  5. LiFe
    12. November 2013, 21:37 | #5

    Hier in Deutschland wird nichts darüber berichtet! Ich bin fassungslos! Was ist das für ein EUROPA? Das ist unmenschlich!

  6. Moppel
    12. November 2013, 22:02 | #6

    Die scheinheilige Ereiferung über „den Kassenpatienten verloren gehendes“ Bedarfsmaterial und die Nutzung „von den Versicherten bezahlter“ Apparaturen und Ausrüstungen ist zumindest deplaziert: Schließlich geht es grundsätzlich um Kassenpatienten, für die (und von denen) im Rahmen der nachmittäglichen Behandlungen Einrichtungen und Material völlig zu Recht in Anspruch genommen werden. Dass die Patienten in diesen Fällen das Arzthonorar selbst zu tragen haben, ist natürlich ein schäbiger Kompromiss, ermöglicht jedoch Versicherten wenigstens die Nutzung über ihre Beiträge mitfinanzierter Einrichtungen auch außerhalb der regulären „Geschäftszeiten“.

  7. Roditisa
    12. November 2013, 22:15 | #7

    In Deutschland werden Privatpatienten auch bevorzugt behandelt, weil die Ärzte und Kliniken von den privaten Kassen mehr Geld bekommen. Das ist an sich das gleiche System, nur getarnt über den Umweg der Krankenkasse. Also eigentlich nix Neues.

  8. Catalina
    13. November 2013, 00:47 | #8

    Nur in Deutschland kann sich ein Patient aussuchen, ob er Privatpatient sein will oder ob er bei den gesetzlichen Kassen bleibt. In Griechenland aber wird sogar noch aus der puren Not der Menschen bzw. aus deren Angst nicht rechtzeitig eine eventuell lebensnotwendige Behandlung zu bekommen, Profit geschlagen. Man verdient auch noch an der Not der Leute und zieht ihnen das letzte Geld aus der Tasche. Das „System“ lebt weiter, es hat sich nichts geändert.

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