Express-Bestattungen wegen Krise in Griechenland

20. November 2013 / Aufrufe: 3.082

Immer mehr Menschen in Griechenland können sich eine würdevolle Beisetzung ihrer Toten nicht mehr leisten und wenden sich zum Teil makaberen Lösungen zu.

Inmitten der Krise kann man in Griechenland nicht einmal mehr würdig sterben. In Thessaloniki nehmen in letzter Zeit die Express-Bestattungen zu, bei denen es keinerlei Rituale gibt, damit die Kosten gesenkt werden. So gibt es nicht wenige Fälle, in denen die Verwandten einen Lieferwagen anstatt eines Leichenwagens benutzten und sich ohne Totenmesse und Trauerfeier mit einem Choral am Grab begnügten, die sie nicht in der Lage waren, die Ausgaben aufzubringen um sich von ihrem Menschen zu verabschieden.

Manche, die wirtschaftlich nicht der Beisetzung ihrer Toten zu entsprechen vermögen, wählen sogar die makabere Lösung der Anatomie, wo früher entweder die landeten, die ihren Körper der Wissenschaft schenkten, oder all jene Leichen, um die sich niemand kümmerte und die für Forschungszwecke genutzt wurden.

Die Alten wussten, warum sie für ihre Beerdigung sparten …

Immer mehr Menschen können die Bestattungskosten nicht aufbringen und wenden sich anderen Lösungen zu. Ich weiß wirklich nicht, was wir inmitten dieser Krise noch sehen werden„, merkte gegenüber der Zeitung „Dimokratia“ Fanis Babulas an, der Eigentümer des gleichnamigen Bestattungsinstituts in Thessaloniki ist, und betonte sogar charakteristisch: „Die Alten, die dafür sorgten, einen Spargroschen für ihre Beerdigung zurückzulegen, wussten schon was sie taten. Inzwischen reicht es jedoch nicht einmal für diesen Spargroschen.

Wie Herr Babulas sagt, räumen die Bestattungsunternehmen sogar Zahlungserleichterungen ein und die offenen Rechnungen nehmen zu, da inzwischen nur noch Wenige den Betrag auf einmal und pünktlich zahlen. „Auch mein Bestattungsinstitut und unser Verband versuchen, den Menschen entgegen zu kommen, die ein ernsthaftes Problem haben„, erklärt er und merkt an, dass in Fällen absoluter Mittellosigkeit die Bestattungsunternehmer sogar auch kostenlose Bestattungen machen.

Für eine durchschnittliche Beerdigung sind wenigstens 2.000 Euro erforderlich, in welchem Betrag alles enthalten ist. Die würdevolle Beisetzung ist jedoch inmitten der Krise nicht mehr selbstverständlich. Bezeichnend ist, dass die Bestattung in einem Grad der B-Zone auf dem Friedhof „Anastaseos tou Kyriou“ in Thessaloniki zusammen mit der sogenannten Exodos-Messe in der Kirche 635 Euro kostet. Manche begnügen sich jedoch mit einem Choral am Grab, um die Mindestkosten auf 510 Euro zu beschränken.

In letzter Zeit hatten wir auf dem Friedhof sogar vier, fünf Fälle, in denen die Verwandten ihren Toten mit einem Lieferwagen beim Krankenhaus abholten und ohne jegliche Zeremonie begruben„, betonte Herr Babulas.

(Quelle: DimokratiaNews.gr)

  1. Stavros
    20. November 2013, 16:32 | #1

    WO BLEIBT DA DIE MENSCHENWÜRDE HERR PRÄSIDENT?
    Das macht uns so wütend! Das darf doch nicht wahr sein! Wo ist denn da die KIRCHE? Warum schauen denn ALLE zu? Auf dem letzten Gang noch die Ehre nehmen, das ist verwerflich und eine grausamme Menschenverachtung! Es tut uns so leid.

  2. LiFe
    20. November 2013, 23:31 | #2

    Jeder Mensch hat eine würdevolle Beerdigung verdient. Es ist traurig, was in Griechenland passiert. Europa kann nicht untätig zusehen, wie dieses Land mit jedem Tag immer mehr in den Abgrund geht. Schade um dieses kulturreiche Land. Griechenland war die Wiege der Philosophie und der Demokratie.

  3. Kowalski
    21. November 2013, 00:18 | #3

    Da fragt man sich, warum die Priester bezahlt werden wollen … war in Polen im Kommunismus auch so, da fragte man schon am Grab nach den Geld … oder warum gibt es keine Zeremonie?

  4. Die Deutsch-Griechin
    21. November 2013, 00:34 | #4

    Wenn die superreichen Griechen oder, noch besser: die griechische Kirche untätig zusehen können, dann kann das Europa schon lange. Die einen Griechen sterben, weil sie sich keine Medikamente leisten können, und werden nach dem Sterben würdelos verscharrt, und die anderen Griechen kaufen in Berlin, London oder sonstwo ganze Straßenzüge. Und Europa bzw. Deutschland soll alle unterstützen.

  5. kosmos
    13. Dezember 2013, 09:56 | #5

    Man muß schon Angst haben zu sterben!
    Ich mußte vor einigen Monaten meinen Mann zu grabe Tragen und sagen, das war nicht schön, ich konnte wegen der ganzen Ausgaben, woran ich heute noch knappere, nicht mal weder einen Kranz noch einen Grabstein kaufen. Ja, und der Lieferwagen war rot.

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