Griechenland: Tränen, Blut, Würde

15. Oktober 2013 / Aufrufe: 868

Die zahllosen unerfüllten Prognosen und Versprechen der Politiker in Griechenland haben zu einem vollständigen Verlust des Vertrauens bei den Bürgern geführt.

Als die Krise ausbrach, hatte Giorgos Papakonstantinou etwas sehr Zutreffendes gesagt: Das größte Defizit des griechischen Staats ist das Defizit an Glaubwürdigkeit. Der ehemalige Finanzminister bezog sich natürlich auf die statistische Daten des Staats und das Unvermögen der Regierung, unsere Partner davon zu überzeugen, dass wir meinen, was wir sagen.

Herr Papakonstantinou ignorierte jedoch einen anderen signifikanten Parameter: nämlich die Fähigkeit der Regierung, dem griechischen Volk glaubwürdig das Ende der Krise zu signalisieren. Und so trug er selbst zu dem vollständigen Verlust der Glaubwürdigkeit der Regierung in den Augen der griechischen Gesellschaft bei, indem er alle Nase lang Stabilisierung, Wachstum und baldige Rückkehr an die Märkte voraussah.

Bürger werden gezwungen, ihre Politiker zu ignorieren

Inmitten einer großen Krise hat die Regierung die heilige Verpflichtung, nichts von dem wie auch immer aussehenden Kapital ihrer Glaubwürdigkeit zu verschwenden, mit dem sie im geeigneten Augenblick eine nur kurze Note des Optimismus einhauchen kann. Dieses Kapital ist, sehr, sehr gering, und deswegen muss es schlau und nur im geeigneten Moment genutzt werden. Nämlich in dem Moment, in dem der abgewürgte Motor der Wirtschaft wirklich startbereit ist und eine kleine Stimulierungsspritze ihm helfen würde, anzuspringen.

Wenn jedoch die Regierung alle Nase lang dieses Kapital verschwendet, indem sie gemäß den Vorbildern des Herrn Papakonstantinou ständig bekannt gibt, im zweiten Halbjahr des Jahres 201X (ersetzen Sie das X beliebig durch 1, 2, 3, 4…) käme der Aufschwung, die Investoren seien eingetroffen, bald würde die Finanzierung von Seite der Banken zu fließen beginnen, gelangen wir bei dem grottenschlechten Ergebnis an, dass die Regierung nicht einmal mehr eine winzige Note des Optimismus verbreiten kann, wenn der Moment kommt, es zu tun.

Der Bürger hört seit Anfang des Jahres 2013 von „Greecovery“, und nun liest er, gestern habe die ELSTAT gerade bekannt gegeben, die bereits flaue Industrieproduktion sei um 7,2% gesunken (von August 2012 bis August 2013). Wie ist es möglich, dass er dem Premierminister jemals wieder glaubt? Wie wird er sich fühlen, wenn er den Finanzminister erneut sagen hören wird, das Ende der Krise liege vor uns?

Um gerecht zu sein, den selben Fehler macht auch die Opposition, in dem sie verspricht, mit ihrer Wahl das Land von dem Memorandum befreien zu werden, es würden tausende neue Arbeitsplätze geschaffen werden, die Rezession werde stoppen. Etwa so verlieren Regierung und Opposition einfach nur ihre Möglichkeit, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Sie zwingen die öffentliche Meinung, die Bürger, die Politiker zu ignorieren, die sie möglicherweise auch wählen. Es handelt sich um eine große Niederlage der Demokratie, da nichts den Nihilismus speist, in den die Reptilien der Chrysi Avgi mehr als dieses Gefühl der Verachtung für die politischen Parteien investieren.

Und um mich nicht nur in Allgemeinpositionen zu ergehen, erlauben Sie mir einen Vorschlag: Alle Parteien der Koalitionsregierung und Opposition sollen den griechischen Volk nur drei Dinge versprechen:

  • Anfänglich „Blut und Tränen“ (Wie es Winston Churchill in seiner Rede tat, mit der er das britische Volk auf den langen Weg des Kriegs vorbereitete).
  • Danach sollen sie eine „Rückkehr zur Würde“ versprechen.
  • Und dann sollen sie ihren Lanzenkampf austragen und die Politiken präsentieren, mit denen sie dem durchschnittlichen Griechen seine verlorene Würde zurückgeben werden.

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Yanis Varoufakis)

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