Hinterzieht LIDL in Griechenland Steuern?

25. September 2013 / Aufrufe: 2.521

Zwei griechische Abgeordnete sprechen in einer offiziellen Anfrage von Hinweisen auf Steuerhinterziehung und Preistreiberei durch die Lidl Hellas in Griechenland.

Die beiden Angeordneten Giannis Dimaras und Gavriil Avramidis der Partei der Unabhängigen Hellenen (ANEL) sprechen über Anzeichen für Steuerhinterziehung und Preisüberteuerungen durch die Gesellschaft Lidl in Griechenland.

Wie die beiden Abgeordneten sie in ihrer Anfrage an die Minister für Entwicklung und Finanzen melden, „zeichnet sich aus der Abwicklung des Knäuels mit den konzerninternen und Dreiecks-Geschäften der Gesellschaft Lidl eine ungeheure Steuerhinterziehung und parallel eine künstliche Erhöhung der Preise in Griechenland um durchschnittlich 88% über die in Deutschland ab„.

Die Anfrage der Abgeordneten Dimaras und Avramidis im Detail

Thema: „Was genau läuft bei den konzerninternen – Dreiecks-Geschäften der Firma Lid in unserem Land ab? Gibt es Anzeichen für Steuerhinterziehung und Preistreibereien?

Herren Minister,

aus der Abwicklung des Knäuels mit den konzerninternen und Dreiecks-Geschäften der Gesellschaft Lidl zeichnet sich eine ungeheure Steuerhinterziehung und parallel eine künstliche Erhöhung der Preise in Griechenland um durchschnittlich 88% über die in Deutschland ab.

Der von dieser deutschen Gesellschaft in Griechenland angewendete augenscheinlich rechtskonforme Trick ist, dass sie für jeden von ihnen eröffneten Laden eine separate Offene Handelsgesellschaft gründen. Dies geschieht natürlich, damit sie nicht unter die europäische Gesetzgebung über (konzerninterne) Dreiecksgeschäfte fallen, da sie mit den Offenen Handelsgesellschaften der Kontrolle entgehen. Dies ist ein ungeheures Thema der Steuerhinterziehung von inzwischen sehr großer Bedeutung und Essenz in einem Land, das an den Einkaufswagen der Supermärkte Nudeln und Reis für die Bedürftigen und die Tafeln der Kirche sammelt.

Wie auf dem Markt bekannt ist, bestellt die im Ausland ansässige Muttergesellschaft die Waren, die von einer anderen Firma importiert werden, die sie selbst z. B. auf Malta oder Zypern gegründet haben und wo sie einen niedrigen Steuersatz von 10% oder 15% hat. Diese zweite Firma (praktisch die selbe mit der Muttergesellschaft, jedoch mit einer anderen juristischen Form) verkauft die selben Güter mit sehr geringem Gewinn in Griechenland. Womit ein geringer Gewinn und ein niedriger Steuerbetrag hier verbleibt, um ihre Präsenz zu rechtfertigen. Somit haben sie einen doppelten Vorteil. Sie kontrollieren sowohl die Preise, um sie beliebig hoch zu treiben, und das Wichtigere ist, dass sie sehr viel weniger Steuern zahlen.

Das Hauptsächliche ist jedoch, dass sie mit dem Komplex hunderter Offener Handelsgesellschaften auch nicht bezüglich konzerninterner Geschäfte kontrollierbar sind.

Herren Minister, wenn Sie bei Lidl eingekauft und eine Quittung aufgehoben haben, werden sie beobachten, dass es darauf lautet: „LIDL & Co OHG“, und es folgt die Anschrift des Geschäfts. Es ist sogar nicht nur eine reine Offene Handelsgesellschaft, sie hat auch einen Kompagnon. Somit hat sie sowohl einen zweiten Mitinhaber, eine natürliche Person, aber auch einen Kommanditisten, also Teilhaber ohne Haftung. Auf diese Weise bildet sie mit unterschiedlichen Personen verschiedene Gesellschaftsformationen, um die Läden voneinander zu differenzieren – womit gesellschaftlich kein einziges Lidl-Geschäft dem Lidl-Laden von nebenan ähnelt.

Wie bekannt ist, „kriecht“ die Gesetzgebung über die konzerninternen Geschäfte seit 2011 vor sich hin, bezieht sich jedoch auf „normale“ Gesellschaften, sprich multinationale Konzerne mit einer Muttergesellschaft und ihren lokalen Niederlassungen. Im Fall von Lidl liegen die Dinge jedoch anders.

Somit bezahlen wir letztendlich Basisartikel der Lidl-Hausmarke (also absolut miteinander vergleichbare Preise) im Durchschnitt um 88% teurer als in Deutschland oder 56% teurer als in Spanien, und die Steuern aus ihren riesigen Gewinnen fließen zurück nach Deutschland, anstatt hier zu verbleiben. Dies ist die Essenz der unterlaufenen konzerninternen Geschäfte. Die entsprechenden Steuern (hunderte Millionen) werden nicht hier entrichtet, sondern fließen wo anders hin.

Die Daten, mit denen detailliert die Preisunterschiede 12 alltäglicher Grundnahrungsmittel und Verbrauchsprodukte zwischen Lidl in Griechenland, Deutschland und Spanien verzeichnet worden sind, sind seit vergangenem Jahr allen „Zuständigen“ gegeben worden.

Wir fragen Sie, Herren Minister:

  1. Was antworten sie auf die sich billigerweise stellende Frage, ob so, wie LIDL in hunderte Offene Handelsgesellschaften gegliedert ist, die europäische Gesetzgebung über die Dreiecksgeschäfte angewendet werden kann.
  2. Was antworten Sie darauf, dass sich ein Komplex von Gesellschaften zeigt, die von allein die Anwendung der Gesetzgebung vollständig aushöhlen. Und da steuerlich kein Unterschied zwischen Offener Handelsgesellschaft und Aktiengesellschaft besteht, warum befolgen sie diese komplexe Formation mit den hunderten Offenen Handelsgesellschaften und Kompagnons?
  3. Welche ist die Reaktion des Staates und seiner etablierten Organe auf diesen Skandal und die riesigen Preisunterschiede, die kontinuierlich, jedoch leider „tauben Ohren“ gemeldet werden?
  4. Haben sich die Kontrollmechanismen sich mit den Beschwerden befasst, die Ihnen Bürger und Verbraucherorganisationen eingereicht haben?

Antwort der LIDL Hellas auf die Vorwürfe der ANEL-Abgeordneten

Lidl Hellas bestreitet kategorisch die Anschuldigungen in Bezug auf Steuerhinterziehung und Preistreibereien, die mit einer Anfrage an die zuständigen Minister die Abgeordneten der Unabhängigen Hellenen, Giannis Dimaras und Gavriil Avramidis, zum Ausdruck brachten.

In Beantwortung einer einschlägigen Anfrage von Voria.gr stellt die Lidl-Verwaltung „zur Widerherstellung der Wahrheit klar, dass die Gesellschaft in Griechenland mittels einer (einzigen) juristischen Person, der Offenen Handelsgesellschaft Lidl Hellas & Co OHG aktiv ist, die zwei Komplementäre hat„.

Wie betont wird, gehören alle im griechischen Raum befindlichen Lidl-Läden dieser Gesellschaft und nicht verschiedenen juristischen Personen. In diesem Sinn betont die Supermarkt-Firma:

Daher stellen alle Geschäftsvorgänge dieser Läden Geschäftsvorgänge der Lidl Hellas & Co OHG über die selbe Steuernummer dar. Auf Basis des Vorstehenden werden alle Gewinne von der Lidl Hellas & Co OHG in ihrer Steuererklärung deklariert und die entsprechenden Steuern werden an den griechischen Fiskus gezahlt. Jede andere Tangierung des Themas stellt auf jeden Fall ein irriges Verständnis der Realität dar.

(Quelle: Voria.gr, Voria.gr)

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  1. Catalina
    25. September 2013, 01:25 | #1

    Was die Herren Abgeordneten Dimaras und Avramidis im Jahre 2013 plötzlich feststellen, nämlich unterschiedliche, d.h. höhere Preise in griechischen Lidl-Märkten als in Deutschland, hat jeder aufmerksame Verbraucher, der zwischen beiden Ländern pendelt, schon seit Jahren feststellen können. Dies betrifft aber nicht nur die Lidl-Märkte, sondern auch die Carrefour-Ketten etc., in welchen ich in Frankreich billiger einkaufen kann als in Griechenland. Und abgesehen von der angeblichen Steuerhinterziehung, für die es bis jetzt keine stichhaltigen Beweise gibt, fragt man sich, was die Herren Abgeordneten jetzt bezwecken? Sollen wir nun in rein griechischen Supermarktketten einkaufen, wie z.B. A/B Vasilopoulos, in welchen die Preise noch viel höher liegen?

  2. Thomas Walzer
    25. September 2013, 08:50 | #2

    Hier ein Beispiel. Morzarella im Münchner Lidl 0,49€ im griechischen Lidl 0,98€. Aber hierauf hat Lidl ja auch nicht geantwortet. Das durchschnittlich 88% würde ich nicht unterschreiben, aber nach einem Einkauf gleicher Waren ist der Deutsche Geldbeutel sicherlich voller.

  3. juls
    25. September 2013, 09:07 | #3

    das der LIDL sehr viel teurer ist in vielen Produkten als in Deutschland, das haben sicher schon viele hier Forum festgestellt … ich auch! Ich frage mich auch, warum es z.B. in Bulgarien sehr viel billiger ist. Denn auch bis dahin, gibt es ja einen laengeren Anfahrtsweg. Also die „Entschuldigung“ wuerde schon mal wegfallen … 88% ist aber doch etwas uebertrieben … aber trotzdem finde ich das auch eine Riesen-Ungerechtigung … was steuerlich da vom griechischen Staat mit der Firma LIDL abgemacht worden ist, entzieht sich natuerlich meinen Kenntnissen, aber das da nicht so alles mit rechten Dingen laeuft, koennte ich mir schon vorstellen, bei der Groesse des Unternehmens … hier ist der Staat gefordert … aber welcher Staat?

  4. Panhellene
    25. September 2013, 09:10 | #4

    Ich bezweifle nicht, daß bei Lidl alles nicht mit rechten Dingen zugeht. Lidl hat aber in Griechenland nach wie vor die günstigsten Preise und das ist gerade in Zeiten der Krise für die große Anzahl der leidenden griechischen Bevölkerung von Vorteil. Man kann im Internet leicht die Preise von Lidl in verschiedenen Ländern vergleichen. Daß die Firma durchschnittlich 88% mehr in Griechenland verlangt, als in Deutschland ist eine nicht haltbare Behauptung. Hier wird eine Kampagne von griechischen Konkurrenten geritten und – wie üblich – lassen sich Poltiker vor deren Karren spannen. Was sie wohl dafür einstreichen?

  5. Pavlos
    25. September 2013, 09:49 | #5

    Man kann ja zu Lidl stehen wie man will, aber bevor Lidl in Griechenland war, hatten die hiesigen Supermärkte Preise jenseits von Gut und Böse. Trotzdem wundert mich der Unterschied der Preise für gleiche Waren zwischen dem deutschen und dem griechischen Lidl. Die Transportkosten machen diese hohe Differenz bestimmt nicht aus.
    Auf der einen Seite mag das Abzocke sein, auf der anderen Seite würde wohl keiner mehr in einem griechischen Supermarkt einkaufen, denn deren Preise sind meist noch höher, als die jetzigen Lidl-Preise

  6. Götterbote
    25. September 2013, 13:27 | #6

    Ich will es nicht beschwören, aber die 88% halte ich (im Durchschnitt) durchaus für realistisch. Gerade Produkte, die nicht täglich auf dem Tisch landen sind teilweise auch weit über die 88% hinaus teurer. Dies aufgrund höherer Kosten zu erklären ist unter Leuten, die sich im Handel auskennen ein absoluter Witz. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob Lidl nicht trotzdem insgesamt dem griechischen Markt gut getan hat (ich denke schon). Ich vergleiche regelmäßig die Preise und konnte feststellen, dass sich viele Supermärkte angepasst haben und die Preise gesenkt haben (ist von Region zu Region natürlich je nach Konkurrenzsituation anders – genau wie in Deutschland auch). Ich schaue daher, dass ich diese Produkte auch in griechischen Supermärkten kaufe und nicht im Lidl.
    Und wie schon hier erwähnt, steht Lidl nicht alleine da. Sehr einfach kann man es bei IKEA vergleichen (einfach die griechische und deutsche Website aufrufen). Die Preise in Griechenland sind nach meinen Vergleichen (ich habe natürlich nur einige Produkte verglichen) um mindestens 50% teurer als in Deutschland, 100% höhere Preise habe ich auch gefunden.

  7. Onasis
    25. September 2013, 14:31 | #7

    Genau das Gleiche gilt auch für IKEA.

  8. olle
    25. September 2013, 15:11 | #8

    So etwas nennt sich Marktwirtschaft. In D ist die Discounterdichte enorm, und jeder Laden muss sich beweisen. Wenn es in GR keine starke Konkurrenz gibt mit gutem Angebot zu guten Preisen, wäre Lidl ja blöd, wenn sie nicht das Machbare kassieren. Der Kunde entscheidet. Es ist auch sicherlich teurer, einen Lidl auf Rhodos zu bestücken als in D, wo die Zentrallager im nahen Umkreis liegen.

  9. bernhard.k.
    26. September 2013, 13:33 | #9

    Eine ansatzweise Erklärung, warum die Preise höher sind, kann ich liefern –
    als bayerischer Unternehmer, der nach Griechenland exportierte. Als mein Container im griechischen Hafen stand zur Entladung, kam die Gewerkschaft der Hafenarbeiter und verlangte einen „Beschleunigungszuschlag“ fürs Ausladen. Ein fünfstelliger Eurobetrag. Sonst gäbe es Dienst nach Vorschrift. Ich wollte nicht bezahlen. Ergebnis: Mein Container wurde nach 6 Wochen entladen. Vieles war verdorben. Weiteres Ergebnis: Ich exportiere nicht mehr nach Griechenland. Das ist mir zu teuer.

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