Gefahr rechtsradikalen Terrors in Griechenland

30. September 2013 / Aktualisiert: 30. September 2013 / Aufrufe: 1.473

Von den tausenden paramilitärisch ausgebildeten und vermutlich bewaffneten Mitgliedern der Chrysi Avgi geht eine ernsthafte Gefahr rechtsextremistischen Terrors aus.

Die rechtsradikale Chrysi Avgi ist nicht „ausgeschaltet“ worden, wie es sich die jubilierenden Politiker und Medien wünschen würden. Möglicherweise Nikos Michaliolakos und einige Führungskader, zusammen mit etwa dreißig weiteren Funktionären, es fehlen jedoch noch Viele um sagen zu können, dem Ungeheuer seien die Zähne gezogen worden.

Da kaum anzunehmen ist, dass eine nazistische kriminelle Organisation mit langjähriger Präsenz und paramilitärischer Ausbildung nicht bewaffnet ist, besteht die reale Gefahr, dass sich zumindest ein Teil der Mitglieder dem rechtsradikalen Terrorismus zuwenden wird.

Paramilitärische Struktur mit wenigstens 3.000 ausgebildeten Personen

In einer am 22.09.2013 in der Zeitung „Vima tis Kyriakis“ veröffentlichen Aussage eines anonym gehaltenen Funktionärs der Chrysi Avgi lautet es:

Bei der Chrysi Avgi haben wir eine komplette militärische Struktur mit wenigstens 3.000 Personen, die zu allem bereit sind! Wir verfügen über ungefähr 50 vielköpfige Kolonnen für Zusammenstöße auf den Straßen und etwa noch einmal so viele sechsköpfige Stoßtruppen – Kommandos für organisierte gezielte Schläge, auf zentrale Anleitung durch drei Personen der Organisation. (…)

Unsere Ausbildung ist nicht nur das, was der Öffentlichkeit bekannt ist, mit Zeltlagern usw. Wir machen eine spezielle Ausbildung sogar mit Waffen in Gebieten von Rafina, Parnitha, Fyli, Porta Germeno, in der Mani, Zentraleuböa und anderswo durch. Ausbilder sind Militärs aus Spezialeinheiten, die unsere Strukturen unterstützen.

Unsere Hauptaufgabe ist, bestimmte Waffen gut zu verstecken, sogar auch in Hooligan-Clubs oder Wohnungen, damit sie von der Polizei nicht leicht zu finden sind bzw. nicht mit uns in Verbindung gebracht werden.

Es ist das zweite Mal, das wir in diesen Tagen auf dieser Erinnerung beharren, da die vorstehende Aussage sogar auch dann erschütternd ist, falls sie sich als nicht zu 100% korrekt erweisen sollte: sie beschreibt ein zwar kleines, aber vollständig ausgebildetes Heer, das nicht nur über eine größere Anzahl an Mitgliedern, aber auch über mehr Waffen und eine sehr viel bessere Organisation als alles verfügt, dem der griechische Staat seit dem Sturz der Junta auf Ebene des Terrorismus begegnet ist.

Alle, die annehmen, eine Organisation mit hunderten oder tausenden paramilitärisch ausgebildeten Mitgliedern sei nur mit den bisher bei den Ermittlungen entdeckten Taschenmessern und Stiletts bewaffnet, sind offensichtlich naiv. Sturmtruppen mit Taschenmessern gibt es einfach nicht.

Noch naiver sind all jene, die sich mit der Inhaftierung von Michaloliakos und einigen Protagonisten zufrieden geben. Eine Zerschlagung einer kriminellen Organisation ohne Einziehung ihrer Ausrüstung ergibt keinen Sinn. Erst recht nicht, wenn ihre allgemein eingestandenen Verbindungen zu Heer und Polizei weiter unbeeinträchtigt bleiben.

Gefahr des rechtsextremistischen Terrorismus

Dieser ganze Lärm in den Tagen, die seit dem Mord an Pavlos Fyssas bis zur Verhaftung von Michaloliakos und seinen Mannen verstrichen, scheint zwei Resultate gebracht zu haben:

  1. Ein positives: Den „Bruch“ gewisser Glieder in der Struktur der Chrysi Avgi, womit die Staatsanwaltschaft und die Verfolgungsbehörden den Fall besser „festzumachen“ schafften – obwohl sich noch erweisen muss, ob und wie sehr die Sache wirklich „fest“ gemacht wurde.
  2. Ein negatives: Das Verschwinden jeglicher Ausrüstung der Chrysi Avgi, über die so gut wie nichts bekannt ist und über die auch bei den Ermittlungen nichts enthüllt worden ist. In den Wohnungen der Verhafteten und in den durchsuchten Büros wurden keine erwähnenswerten Waffen gefunden.

Somit bleibt die selbstverständliche Frage unbeantwortet: Ist es möglich, dass eine nazistische kriminelle Organisation mit langjähriger Präsenz und signifikanter paramilitärischer Ausbildung nicht bewaffnet ist? Die diesbezügliche Diskussion erfolgt bisher nicht, dennoch:

  • Die Auffindung der Waffen und ihrer Besitzer hätte eine der vorrangigen – wenn nicht gar die allererste – Aufgabe einer ernsthaften Ermittlung bezüglich der Chrysi Avgi sein müssen.
  • Begründete Vermutungen über schwere Bewaffnung der Chrysi gibt es seit geraumer Zeit, bleiben jedoch immer undokumentiert, da niemals eine einschlägige Ermittlung durchgeführt wurde, während die Chrysi Avgi bis zu dem Mord an Pavlos Fyssas diachronisch eine extreme politische, wirtschaftliche und mediale Immunität genoss.
  • Von Zeit zu Zeit brachten es kleinere bewaffnete Gruppen mit relativ spärlicher Ausrüstung fertig, nicht nur geraume Zeit zu überleben, sondern auch etliche Opfer zurückzulassen. Die Organisation „17. November“ ist ein Paradebeispiel in Griechenland.

In Griechenland und Europa ist der rechtsextremistische Terrorismus nicht unbekannt – ganz im Gegenteil. Diese Möglichkeit hätte also den Behörden bereits ernsthaft zu denken geben müssen. Zumal die rohe Gewalt und die Verbreitung des Schreckens in allen Phasen der Entwicklung der Chrysi Avgi ein grundsätzliches Werkzeug darstellten.

Gemeinsames Interesse der Regierung und der Opposition

Zusätzlich ist selbstverständlich, dass im Fall der nazistischen Organisation die primären Möglichkeiten – immer unter der Bedingung, dass die Anklage angemessen fundiert ist und zu Haftstrafen führt – zwei sind:

  • Entweder der harte Kern der – ob ausgebildeten oder nicht – Mitglieder fällt mangels Führung und Anleitung auseinander und in der Organisation geht es drunter und drüber.
  • Oder zumindest ein Teil von ihr schlägt den Weg des Terrorismus ein.

Es wäre folglich gut, wenn die derzeit feiernden Regierungsfaktoren ihre Selbstbelobigung etwas einschränken und die Chrysi Avgi bis aufs Mark erforschen würden. Die Möglichkeit der Revanche im Fall, dass der nazistischen Organisation „die Zähne gezogen“ werden, darf nicht ausgeschlossen werden. Das gleiche Interesse muss auch die SYRIZA-Partei zeigen und in die selbe Richtung Druck ausüben, ganz einfach weil sich für sie in dem Fall, in dem sie früher oder später zu regieren aufgefordert sein wird, jeder schlummernde bewaffnete nazistische Kern möglicherweise zu einem Albtraum für sie entwickeln wird.

Abgesehen von der selbstverständlichen Selbstverteidigung unserer Demokratie haben also Regierung und Opposition – jeweils von der eigenen Warte – ein direktes Interesse daran, dass die Untersuchung über die nazistische Organisation und ihre – gleich wie gestaltete und starke – Bewaffnung so weit wie möglich reicht.

(Quelle: To Pontiki)

Relevante Beiträge:

  1. Deutscher
    30. September 2013, 09:42 | #1

    Bisher sind Michaloliakos und Co. nicht verurteilt worden. Es werden seitens der Behörden lediglich Tatvorwürfe in den Raum gestellt. Wird nichts bewiesen, sind die Angeklagten frei. Wird allerdings das Recht gebogen, besteht durchaus die Gefahr des Widerstandes. Aber nicht nur durch die Rechten. Auch viele andere wie Militär und Bürger werden sich Ungerechtigkeiten seitens der Herrschenden nicht bieten lassen. Es kommt also auf die Gerichte an. Urteilen sie fair ist alles in Ordnung. Urteilen sie politisch, dann kracht es im System

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