Ferienwohnungen in Griechenland im Visier der Steuerfahndung

7. September 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 2.030

Die Steuerfahnder in Griechenland nehmen sogenannte Goldene Villen ins Visier, die ohne Entrichtung jeglicher Steuern an Urlauber und Touristen vermietet werden.

Eine Untersuchung des Dezernats für Wirtschaftskriminalität (SDOE) enthüllt einen ungeheuren Kreis der Steuerhinterziehung mittels der Vermietung luxuriöser Villen und Wohnungen an Urlauber und Touristen, ohne dass die Einkommen irgendwo deklariert werden. Der große Coup läuft hauptsächlich auf den kosmopolitischen Inseln, wobei die entgangenen Einnahmen des Fiskus sich auf zig Millionen Euro belaufen.

Seit Beginn der Ermittlungen im Juni 2012 sind bis heute mehr als 3.000 Vermietungen luxuriöser Ferienwohnungen überprüft und wenigstens 500 Fälle rechtswidriger Vermietungen entdeckt worden. Die meisten Fälle wurden auf Mykonos, Paros, Santorin, Patmos und Kefalonia aufgespürt, während die Nachforschungen weitergehen, um das aus den illegalen Vermietungen kursierende „Schwarzgeld“ aufzudecken.

„Schwarze“ Vermietung per Internet und Auslandbüros

Die Kontrollen der Steuerfahnder haben bisher Folgendes enthüllt:

  • Der Trick wird per Internet inszeniert. Die Vermietungen der luxuriösen Immobilien erfolgen per Internet und über Büros im Ausland, welche die illegalen und „unsichtbaren“ Vermietungen abschließen. Die Eigentümer der Immobilien bewerben diese auf dem internationalen Markt, indem sie die Vermietungsanzeigen auf griechischen und ausländischen mit dem Immobilienwesen in Zusammenhang stehenden Webseiten einstellen. Auf dutzenden griechischen und ausländischen Webseiten wurden einschlägige Anzeigen für Ferienwohnungen ausfindig gemacht, die von den Eigentümern zur Vermietung ausgelobt werden, wobei sie in den meisten Fällen sogar auch Hoteldienstleistungen anbieten.
  • Die Häuser mit einer Fläche von bis zu 600 qm werden ab 300 bis 10.000 Euro pro Tag an Ausländer und Griechen vermietet. „Und natürlich sprechen wir von Einkommen, die ’schwarz‘ und steuerfrei sind„, wie charakteristisch ein Amtsträger des SDOE erklärt.
  • Die Unterkünfte werden vermietet, ohne über das spezielle Betriebsabzeichen des EOT zu verfügen, was den Ausländern unbekannt ist, und ohne dass die gesetzlichen Belege ausgestellt werden.
  • Die meisten Vermietungen sind hauptsächlich für eine Woche und werden als Besuch dargestellt. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um touristische Pakete, die über Auslandbüros gebucht werden. Üblicherweise wird die Mietanzahlung auf Bankkonten im Ausland eingezahlt und die Begleichung des Restbetrags erfolgt bei der Ankunft in unserem Land in bar, ohne dass in irgendeinem der Fälle eine Quittung ausgestellt wird. Die Eigentümer der Luxuswohnungen bringen es auf diese Weise fertig, erhebliche Einkommen zu erzielen, ohne diese dem Finanzamt zu melden und auch nur einen einzigen Euro an den Staat zu entrichten. Das SDOE erforscht bereits die Bankkonten der Steuerpflichtigen, um ungemeldete Geschäftsvorgänge ausfindig zu machen.
  • Dutzende Villen werden bei dem Finanzamt als leer stehend, also unbewohnt deklariert. Mittels der Daten der DEI und der EYDAP enthüllen die Kontrollen des SDOE jedoch hohe Strom- und Wasserverbräuche hauptsächlich während der Sommermonate.
  • Viele vermietete Wohnungen werden gegenüber dem Finanzamt als Landhäuser ausgewiesen, mit imaginären Angaben über die Erbauungskosten und Gebäudeflächen – mit dem Ergebnis, dass ihre Eigentümer dem Einkommensindiz der Wohnung entgehen und nur geringe Beträge für die mittels der Stromrechnungen erhobenen Immobilien-Sonderabgabe entrichten.

„Harmlose“ Steuerhinterziehung kann böse ins Auge gehen

Ergänzend sei angemerkt, dass Eigentümer einzelner Immobilien diese unter bestimmten Voraussetzung auch ohne die für gewerbliche Vermieter vorgesehenen Voraussetzung und Genehmigungen legal an Touristen und Urlauber vermieten dürfen. Die Mieteinnahmen sind dann natürlich entsprechend (sprich „eigenständig“ mit minimal 10% / ab nächstem Jahr 11% und für Beträge über 12.000 € mit 33%) zu versteuern und erhöhen entsprechend auch das für die Bemessung der Solidaritätsabgabe maßgebliche persönliche Gesamteinkommen. Auf der anderen Seite muss das Geld dann jedoch nicht mehr „versteckt“ werden und kann somit beispielsweise auch zur Deckung sogenannter „Einkommensindizien“ dienen.

Was wiederum speziell die zahlreichen (Steuer-) Ausländer betrifft, die mit der „schwarzen“ Vermietung ihrer Immobilien in Griechenland zum Teil beachtliche Einnahmen erzielen, machen sie sich oft nicht nur bezüglich der verschwiegenen Mieteinnahmen der Steuerhinterziehung schuldig, was an sich schon schlimm genug ist und im Fall der Entdeckung empfindliche Sanktionen zur Folge hat. Vielmehr begehen sie „in Tateinheit“ häufig – wissentlich oder nicht – sehr viel fatalere Verstöße gegen die griechische Steuergesetzgebung, die schlimmstenfalls eine (ggf. rückwirkende) steuerliche Veranlagung mit dem gesamten Welteinkommen in Griechenland zur Folge haben – und das kann dann wirklich böse ins Auge gehen!

(Quelle: Imerisia.gr)

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