Brief einer Lehrerin an Regierung in Griechenland

19. August 2013 / Aktualisiert: 08. Februar 2017 / Aufrufe: 2.213

Offener Brief der Lehrerin Vasso Vourgia in Griechenland an die Regierenden.

HÖR ZU, KLEINES WÜRSTCHEN! Ich bin eine Frau, 50 Jahre alt, Lehrerin im sekundären Bildungszweig und Mutter von drei Kindern. Bis vor wenigen Jahren hatte ich mein Häuschen, meine bescheidene Arbeitsstelle, meine Kinderchen, und einmal im Jahr fuhr ich für zwei Wochen in den Urlaub. All dies hatte ich, bescheiden und gemäßigt, so wie ich es Ihnen beschreibe.

Ich bezahlte meine Steuern und meine alltäglichen Verbindlichkeiten. Ich war glücklich. Mehr brauchte ich nicht. Ich schickte meine Kinder auf Nachhilfeschulen, damit sie Fremdsprachen-Diplome erwerben und an Universitäten aufgenommen werden. Mein Traum war, sie zu sehen, dass auch sie ihr Häuschen, eine Arbeit, ihre Kinder haben. Dies wäre die Belohnung für den Kampf gewesen, den ich so viele Jahre ausfocht.

Was habe ich falsch gemacht?

Nun erwarte ich meine Entlassung. Mein Traum ist verblichen. Mein Leben hat sich geändert. Ich suche danach, was ich bei meinen Entscheidungen falsch gemacht habe. Ich finde keine Übertreibungen. Alles war maßvoll und besonnen. Liegt die Verantwortung bei mir oder bei Ihnen?

Von Krösus gefragt hat Solon die Definition des glücklichen Menschen gegeben. Glücklich ist der Mensch, der seine Eltern in Würde beerdigt, in einem glücklichen Vaterland lebt und in diesem Kinder zeugt, die weiter Kinder zeugen und alle leben. Der einen ehrenhaften Tod und einen guten Nachruf hat.

Sie haben dafür gesorgt, dass die Bürger dieses Landes nicht in einem glücklichen Vaterland leben, nicht auf gebührende Weise für ihre Eltern sorgen können, dass ihre Kinder auswandern um Arbeit zu finden. Die Bürger zahlen untragbare Steuern, verlieren ihre Arbeitsplätze, ihr Vermögen, ihre Würde. Das Land hat einen unerträglichen Gestank der Armut und des Elends. Unsicherheit, Ungewissheit, Angst verpesten die Luft. All dies ist Ihr Werk.

Sie haben dafür gesorgt, ein ganzes Volk in das Unglück zu stürzen. Wenn Sie all dies sehen und zufrieden sind, bedaure ich Sie. Sie werden in die dunkelsten Seiten der Geschichte eingehen. Haben Sie sich überlegt, was Sie unseren Kindern vererben werden? Ihr Werk wird diese ein ganzes Leben lang verfolgen. Es wir sie stigmatisieren!

Und dies wird der Lohn Ihrer Handlungen sein. Ihr Nachruf wird mit dem Blut eines Volkes geschrieben werden!

Eine zukünftig entlassene Lehrerin.

(Quelle: To Kouti tis Pandoras)

  1. JorgoGR
    19. August 2013, 18:18 | #1

    Ich verbeuge mich mit Achtung und Respekt der verfasserin mit der Hoffnung das diese offene Worte ihren Empfänger erreicht haben.

    Lg ein Vater der seine Famillie nicht mehr Ernähren kann und vor dem Abgrund steht….

  2. Peter Adam
    19. August 2013, 20:56 | #2

    Ich habe Tränen in den Augen … meine geliebte Heimat … 🙁
    Weshalb hat diese Regierung nicht den Mut zu sagen: „Schluß-Aus, wir machen nicht mehr mit.“ Wo bleiben die Visionäre, wo sind die Ideen für ein glückliches Griechenland, Herr Samaras? Was hat ihnen die Hochfinanz für die Zerstörung unseres Vaterlandes gezahlt? Ich könnte Ihnen und Ihresgleichen ins Gesicht spucken, aber ich möchte meine Spucke nicht besudeln.

  3. Stavros
    19. August 2013, 21:35 | #3

    GROSSE HOCHACHTUNG!
    Liebe Frau Vourgia
    Ich hebe den Hut vor Ihrem Schreiben und bin innerlich tief gerührt. Es ist so ehrlich was Sie schreiben und erleiden müssen,dass man die Welt nicht mehr versteht! Natürlich gibt es viele Familien die in gleicher Situation wie Sie ums „Überleben“ kämpfen. Ich weiss aber auch, dass irgenwann die Strafe für diese Unmenschen kommen wird.
    Ich wünsche allen Leidenden in Griechenland viel Mut und Glück und Gottes Segen.

  4. Sonja Hauschild
    31. August 2013, 13:48 | #4

    Meine Hochachtung Frau Vourgia, alle arbeitenden Griechen sollten solche Schreiben an die Regierung loslassen vielleicht würde sich dann etwas ändern. Es gibt enorm viele reiche Griechen die sollten sich schämen, dass ihre Landsleute immer mehr in Armut versinken. Diese geben ihr Geld im Ausland aus, horten es im Ausland statt dass sie das Geld für den Aufbau im eigenen Land verwenden.
    Was hilft da schon das Geld von der EU? Wo versinkt dieses Geld? Die normalen Bürger Griechenlands sehen dieses nicht, spüren keinen Fortschritt usw. Aber Kopf hoch, die gerechte Strafe wird diese Verschwender schon noch erreichen.
    Ich wünsche den Griechen viel Mut und Durchhaltevermögen, es kommen auch andere Zeiten.

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